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Corona
Schulen in Eberswalde kehren zürück zum Liveunterricht

Ellen Werner / 29.05.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 02.06.2020, 11:46
Eberswalde (MOZ) Es ist die dritte Unterrichtsstunde für die acht aus der 7d. Mathe und "Gewi" (Gesellschaftswissenschaften) hatten sie schon. Nun ist Biologie an der Reihe. Lehrer Christoph Schleip hat jedem eine Dose voll Würfelzucker auf den Platz gestellt. "Too much sugar" ist das Thema für den Dienstag. Schleip hat es groß ans Smartboard, die digitale Wandtafel, geworfen. Darunter steht: "Herzlich willkommen zurück im Live-Unterricht!"

"Es ist schon ungewohnt, jetzt wieder nach zehn Wochen hier zu sein", sagt Celine Reichhorn. Sie freue sich, wieder da zu sein. "Aber es ist auch komisch, mit der Maske rumzulaufen." Außerdem, sagt Celine, hätte sie ihre Freunde normalerweise nach so langer Zeit umarmt. "Doch das ging ja jetzt nicht."

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Für die 13-Jährige und ihre Mitschüler ist es der erste Schultag seit der Corona-Pause. Nachdem landesweit Ende April die Zehntklässler an die Schulen zurückkehrten und Anfang Mai die Sechst- und Neuntklässler hinzukamen, sind seit dieser Woche auch die anderen Jahrgänge wieder in der Bildungseinrichtung, die einen Grund- und einen Oberschulteil hat und zudem Kinder mit Hörschädigungen integriert.

Dass mit der Corona-Pandemie viele Veränderungen Einzug gehalten haben, sieht man schon, bevor man das Gebäudeensemble betritt. Obwohl Hofpause ist, sind nur wenige Kinder draußen. Das Pausenregime ist danach ausgerichtet, dass sich so wenige Schüler wie möglich auf den Gängen begegnen. Lachen ist trotzdem zu hören. Drei Jungs mit Maske spielen Tischtennis. Ein paar Kinder rennen hintereinander her. Fangen ist allerdings nicht erlaubt, wie überhaupt Spiele mit Körperkontakt. "Auch die Kiste mit den Bällen muss jetzt geschlossen bleiben", sagt Primarstufenleiterin Antje Segebarth.

Zehntklässler fertig mit Unterricht

Der Notausgang an der Grundschule, dem älteren Gebäudeteil, wird nun als weiterer Eingang genutzt. Davor dienen aufgeklebte Striche als Abstandshalter. Wenn draußen die Pause vorbei ist, ist Schlangestehen angesagt. Erzieherinnen kontrollieren den Einlass. Jeweils zwei Kinder dürfen hinein, sich erst einmal die Hände waschen, bevor es wieder an den Unterricht geht. Die Türen zu den Badräumen bleiben offen, damit die Klinken nicht berührt werden müssen.

Selbst unterrichtet wird in etlichen Räumen bei offener Tür. Das sei den Kollegen überlassen, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Bei manchen bleiben auch Fenster geöffnet. Ohnehin gehört zum neuen Hygienekonzept das Stoßlüften alle 30 Minuten. In den unteren Klassen ist jeweils eines der Kinder verantwortlich dafür. "Da gibt es immer Freiwillige", sagt Antje Segebarth.

Auf den Fluren wie im gesamten Schulhaus ist es trotz offener Türen wesentlich stiller als sonst. Bei weitem sind nicht alle 704 Schüler auf einmal da. Die Jahrgänge sind tageweise aufgeteilt. Montags und dienstags sind die ersten und dritten Klassen vor Ort, mittwochs und donnerstags die Zweit- und Viertklässler. Am Freitag kommen die fünften sowie auch die sechsten Klassen, die wieder einige Tage Präsenzunterricht hergeben mussten.

In der Oberstufe ist es ähnlich, zumindest ab der kommenden Woche, wenn die Zehntklässler, die am Montag und Mittwoch ihre letzten Prüfungen absolviert haben, nicht mehr mit an Bord sind. Am Montag haben die Neuner-, dienstags und donnerstags die Siebener- und mittwochs und freitags die Achter-Klassen den Live-Unterricht.

Schüler der Klasse 1a freuen sich über das Wiedersehen

Darüber hinaus sind die Klassen gedrittelt, denn je nach Raumgröße ist die Anzahl der Schüler begrenzt. "Die Hausmeister haben genau ausgemessen, wie die Tische stehen müssen", sagt Sabine Giese, die kommissarische Schulleiterin. "Vom Logistischen her ist das alles schwierig, ein Riesenspagat." Die größte Herausforderung: "Auf der einen Seite brauche ich dreimal so viele Räume wie sonst. Auf der anderen Seite habe ich ein Drittel weniger Personal", rechnet die Schulchefin vor. Ein Teil der rund 80 Kollegen zähle zur Risikogruppe und stehe für den Präsenzunterricht daher nicht zur Verfügung. Dazu kämen jene, die ohnehin wegen Langzeiterkrankungen oder aus anderen Gründen eingeschränkt oder gar nicht arbeiten.

"Aber, keine Frage, Homeschooling allein kann es nicht sein", sagt Sabine Giese, die froh ist, allen Schülern wieder Unterricht von Angesicht zu Angesicht anbieten zu können – auch wenn es sich noch nicht wieder um Unterricht im herkömmlichen Sinne handele. "Gruppenarbeit, Teamarbeit und all diese Dinge, die wir uns in den letzten Jahren zu eigen gemacht haben, gibt es im Moment nicht." Auch die Ganztagsangebote mit Arbeitsgemeinschaften und die Mittagsversorgung gibt es derzeit nicht.

Zudem wechseln sich Präsenzphasen und das Lernen zuhause weiterhin ab. Was das digitale Lernen betrifft, sei die Schule gut aufgestellt, sagt Marcel Miserius, der zweite stellvertretende Schulleiter. Schon vor Corona hat das Haus die Lernplattform Barnim genutzt, die vom Schulträger, dem Kreis, angeboten wird. Nachdem eine Umfrage ergeben habe, dass etwa ein Fünftel der Schüler die digitalen Angebote wegen fehlender Hardware oder ähnlichem nicht in vollem Umfang nutzen kann, hat die Schule weitere Computerarbeitsplätze eingerichtet.

In der 1a lernen die Kinder am Dienstag wieder ganz analog. "Sie haben sich sehr gefreut, dass sie sich wiedersehen und wir uns auch", sagt die Sonderpädagogin Martina Schirmer, die in einem Teil der Klasse Deutsch unterrichtet. Die Kinder sind vertieft in ihre Schreibübungen, das "Z" wie "Zaubern" ist dran. Wichtig sei jetzt, den Kindern Sicherheit zu geben und den wichtigsten Stoff herauszufiltern, sagt Grundschulchefin Antje Segebarth. "Den Buchstaben Z kann man nicht wegen Corona weglassen."

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