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Laufsport
Silberhochzeit nach 26 Jahren

Naturfreund: Wolfgang Schönberg auf dem Weg zum Garten in der Köpernitzer Senke zum Kleinen Rhin. Dort warten unter anderem drei Spargelreihen a sieben Meter und ein Gewächshaus auf ihn. Im vorigen Jahr fuhr er 350 Kilogramm Tomaten als Ernte ein. Tipps zum effektiven Anbau der fruchtigen Nachtschattengewächse bekam "ich vom Tomatenkönig aus dem Luch".
Naturfreund: Wolfgang Schönberg auf dem Weg zum Garten in der Köpernitzer Senke zum Kleinen Rhin. Dort warten unter anderem drei Spargelreihen a sieben Meter und ein Gewächshaus auf ihn. Im vorigen Jahr fuhr er 350 Kilogramm Tomaten als Ernte ein. Tipps zum effektiven Anbau der fruchtigen Nachtschattengewächse bekam "ich vom Tomatenkönig aus dem Luch". © Foto: Matthias Haack
Matthias Haack / 29.05.2020, 04:45 Uhr
Köpernitz (moz) Ins Schwärmen kommt Wolfgang Schönberg wieder und wieder in unserem Gespräch. Unendlich viele Episoden pflastern seinen Lebensweg. Traurige, aber auch packende. Mal fallen seine Mundwinkel, die blauen Augen verschwinden hinter dem gesenkten Lid. Dann hebt er den Kopf und schreibt mit beiden Armen einen riesigen Kreis, um seine Worte optisch zu verstärken. Es sind leise Worte, wenn er an die Einschläge mit mehreren Sterbefällen in der Familie erinnert. Es sind aber auch deshalb leise Worte, weil sein Wesen sich an Zurückhaltung, Achtung, Wissen und einer unvorstellbaren Vielfältigkeit orientiert. Wolfgang Schönberg ist kein Vorprescher. Er ist einer, der öffentlich anpackt, ohne das Rampenlicht zu mögen. Heute steigt er ins neue Lebensjahrzehnt ein. Sein achtes. Es hätte durchaus sein 18. sein können, so omnipräsent trieb es ihn bislang um.

Fußballer, Feuerwehrmann, Angler, Handwerker, Gärtner – und Wolfgang Schönberg ist natürlich Sportler. Schon immer. "Mein Lehrer wollte mich wegen der Leistung in der Leichtathletik zur DHfK nach Leipzig schicken", schmunzelt er. "Aber ich wollte nicht von zu Hause weg." Und schon gar nicht vom See vor der Haustür. "Das Angeln ist mir in die Wiege gelegt worden." Keineswegs endet sein Interesse bei Aal oder Zander oder Hecht, "bis zu 14 Pfund", also Binnengewässern. Seine Palette von Angelruten umfasst auch die hochseetaugliche Ausrüstung. Es zieht ihn seit die Jahrzehnten im Juni nach Skandinavien. "Seit 20 Jahren sind wir an der gleichen Stelle – nur in diesem Jahr wird die Tour ausfallen." Am 8. Juni wäre es zu viert in zwei Pkw für zwei Wochen wieder zum Hardangerfjord (170 Kilometer lang, fast 900 Meter tief) gegangen. "25 Tunnel, 1260 Kilometer, 24 Stunden Anreise, aber herrlich. Diese Landschaft ist so fantastisch." Er kommt ins Schwärmen.

Ähnlich lange wie Norwegen hat auch der Köpernitzer Seelauf seinen festen Platz in Schönbergs Jahreskalender. Entstanden im Herbst 1995 aus einem lockeren Läufchen mit Nachbar Dietmar Cuba, verfeinerten beide Köpernitzer Hobbyläufer ihre Idee. Terminsuche: der erste Sonnabend im Juni sollte es sein. Flyer wurden gedruckt, über Mundpropaganda die Aufmerksamkeit in der Szene auf Köpernitz gelenkt. Zehn Starter zur Premiere. "Ich weiß noch, dass Detlef Kröplin den ersten Lauf gewann. Mir hat Dietmar schon immer die Hacken gezeigt. Aber es geht mir ja nicht darum, Bester zu sein." Er will genießen, aufsaugen, zehren. Mit verdammt viel Herzblut zieht das Team Cuba/Schönberg & Co. 50, 60 und mehr Läufer an. Dass die Schallmauer zur dreistelligen Teilnehmerzahl geknackt wird, ist unwahrscheinlich. Die Bestmarke stammt aus 2008 mit 72. Für die Bestzeit über zwölf Kilometer sorgte Christian Goy: Der Zauberathlet aus Rheinsberg brachte vor 18 Jahren eine 40:22 in die Chronik.

Zwei Jahrzehnte ist das jetzt her, dass Wolfgang Schönberg mehr in sein Laufhobby investierte. Bis zu 100 Kilometer pro Woche schrubbte er, dann am Wochenende Volksläufe oder gar Marathons. 15 stehen nun auf seiner Uhr, der schönste ist noch immer der erste: Usedom im Jahr 2006. "4:06 Stunden. Ich dachte unterwegs noch: das ist mein erster und letzter. Aber eine halbe Stunde im Ziel und schon ist alles vergessen." Im folgenden Jahr "merkte ich am ersten Berg bei Bansin: Mensch, heute geht was. Um 20 Minuten war ich schneller." Angetan haben es ihm auch die Wettkämpfe in Lychen und Burg Stargard und der Alt Ruppiner Hubertuslauf. "Richtig schön ist auch die Müritz-Runde. Allerdings habe ich da Lehrgeld bezahlt", erinnert er sich an die überportionierte Aufnahme von Nahrung. Er quälte sich. Aber "Aufgeben gibt es nicht."

Auch dann nicht, wenn es gesundheitliche Rückschläge gibt. Der letzte im vorigen Herbst. Nach dem Lauf am Roofensee, also sozusagen vorm Wohnzimmer, piekte es im linken Sprunggelenk. Es schlossen sich mehrere Arztbesuche und Therapien sowie eine fünfmonatige Pause an. Einher ging mehr ein umfangreiches Essen. "Ich nahm ganz schön zu. Seit Februar ziehe ich die Laufschuhe aber wieder an. Das sind eben Sachen, die ich als technische Probleme bezeichne. Die lassen sich lösen."

Meisterschaftim Skat

Zwischen September und März zieht es die Köpernitzer Einwohner einmal im Monat an den Kartentisch. Im Gutshaus wird um den kommunalen Meistertitel gespielt. Und dies schon seit Anfang der 1980er-Jahre. Zweimal setzte sich Wolfgang Schönberg an die Spitze der Liste. In diesem Jahr holte er hinter Serienmeister Peter Koch, Martina Wiesbaum und Uwe Sandke die Holzmedaille.⇥maha

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