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Lidl-Neubau
Staffelder Fleischer verliert nach 30 Jahren seinen Laden

Marco Winkler / 29.05.2020, 07:20 Uhr - Aktualisiert 29.05.2020, 08:31
Kremmen (MOZ) Seit Montag ist der Lidl-Markt in Kremmen geschlossen. Das Gebäude wird für einen modernen Neubau abgerissen. Für Stephan Ranft von der Rhinland-Fleischerei aus Staffelde geht damit eine Ära zu Ende – und eine unsichere Zeit setzt ein. Seit 1990 betrieb die Fleischerei im Discounter eine Filiale. Doch im Lidl-Neubau mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 1 200 Quadratmetern ist kein Platz mehr für den regionalen Fleischer.

"Eigentlich sollte das Weihnachtsgeschäft schon das letzte sein", sagt Stephan Ranft am Donnerstag auf Kremmens Marktplatz. Es ist der erste Tag am neuen Standort. Neben Obst- und Gemüsehändler sowie Hähnchen-Grill – für ihn ist derzeit ebenfalls kein Platz bei Lidl – steht sein neuer Verkaufswagen. Gebraucht gekauft, mit integriertem Kühlhaus. Aber wesentlich größer als sein alter. Es ist eine Art Provisorium, um die Zeit zu überbrücken. "Wir hatten Glück, dass sich die Pläne von Lidl verschoben haben und dann auch noch Corona kam", sagt Ranft.

So konnte er für ein paar weitere Monate "guten Umsatz" einfahren. Er geht davon aus, dass dieser am neuen Verkaufsort sinken wird. "Ein Stand ist eben kein Laden." Doch er will abwarten, wie sich die Situation entwickelt. "Wir behalten unser komplettes Sortiment bei, aber wir müssen gucken, wie die Kunden das annehmen." Geöffnet ist der Wagen montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags bis 12 Uhr.

Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) habe ihm während dieser Zeit unterstützend zur Seite gestanden. "Auch bei der Ladensuche ist er behilflich", sagt Stephan Ranft. Zwei Adressen hatte er schon in der engeren Auswahl. "Doch ein Verpächter wollte nicht. Und die Parfümerie, die einen Nachfolger sucht, ist eigentlich zu klein für uns. Zumal bei den Ideen, die ich zur Umgestaltung habe, der Denkmalschutz nicht mitspielen würde." Ein frei stehender Laden in Linum sei keine Option, da zu weit weg. Das ehemalige Geschäft der Bäckerei Bollig in der Ruppiner Straße komme ebenfalls nicht infrage: "Die Parkplatzsituation ist ungünstig." Kunden würden einfach weiterfahren, wenn sie keine freie Lücke finden.

Deshalb sei der Standort am Marktplatz erst einmal die beste Lösung. Stephan Ranft sagt, das Sortiment bleibe im Vergleich zur Ladentheke gleich. Nur das Imbissangebot – Schnitzel, Boulette – verlagert er zum Hauptsitz nach Staffelde. "Bei Bedarf und Bestellung gibt es den frisch zubereiteten Imbiss auch für Kremmen. Wir liefern zweimal täglich neue Ware aus Staffelde."

Für die Rhinland-Fleischerei ­– 18 Mitarbeiter samt Azubi – ist der Verlust des Ladens ein zusätzlicher Dämpfer in diesen Corona-Zeiten. Durch die Pandemie sei der komplette Party-Service-Bereich weggebrochen. Stephan Ranft hofft in Kremmen aber auf ein gutes Geschäft zu Pfingsten. "Danach müssen wir in ein paar Wochen Bilanz ziehen." Sein Verkaufswagen darf die ganze Zeit am Markt stehen bleiben. Auf- und Abbau fallen dank Bürgermeister Busse weg.

E-Ladesäulen für Kunden

Lidl plant derweil den Abriss des Marktes in der Ruppiner Straße. Matthias Eisentraut, Immobilienleiter der Lidl-Regionalgesellschaft Kremmen, will beim Neubau zwar keine Investitionskosten nennen, spricht aber von "besonders umweltfreundlicher Technik und ökologischer Bauweise". Innen LED-Beleuchtung, auf dem Dach eine Photovoltaikanlage. "Der so erzeugte Strom wird beispielsweise für den Betrieb von zwei E-Ladesäulen genutzt, die den Kunden während der Öffnungszeiten kostenlos zur Verfügung stehen", sagt er.

Die Ladenfläche umfasst nach der anvisierten Wiedereröffnung im Winter 4 000 Einzelartikel. Frisches Fleisch von Stephan Ranft zählt nicht dazu. Das gibt es dann vielleicht in einer neu eröffneten Rhinland-Fleischerei.

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