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Botanik
In Lindow wächst der Taumel-Lolch

Markus Kluge / 29.05.2020, 17:07 Uhr - Aktualisiert 29.05.2020, 17:10
Lindow (MOZ) Gefühlt 100 000 Ahorn-Sprösslinge und viel anderes Unkraut hat Paul Szechenyi im  Frühjahr schon gezupft. Gerade dann, wenn die Natur wieder erwacht, falle die meiste Arbeit an, sagt der 44-Jährige. Sein Arbeitsplatz ist wohl einer der schönsten in der Region. Es ist der Garten des Buches am Kloster Lindow, direkt am Ufer des Wutzsees.

Mehr als 60 Pflanzen

Vor drei Jahren war der erste Spatenstich für das geförderte interreligiöse Projekt gesetzt worden. 2019 ist die Anlage, die auch den einen oder anderen Touristen in die Stadt der drei Seen locken soll, eröffnet worden. In dem Garten, der aus einem bepflanzbaren Labyrinth mit Hochbeeten, einem Laubgang und sogar einem kleinen Weizenfeld besteht, wachsen die Pflanzen, die in der Bibel, im Koran und im Talmud Erwähnung finden. Zu jeder Pflanze gibt es kleine Tafeln, auf denen neben dem jeweiligen Namen auch eine Beschreibung und die entsprechende Passage in den religiösen Schriften zu finden ist.

"Die erste Bibel ist auf Papyrus gedruckt worden. Die Pflanze haben wir hier", sagt Paul Szechenyi. Dazu kommen noch jede Menge andere: Wein, Oliven, Dattelbäume, Granatapfel, Rizinus, Aloe und Schierling. Laut Szechenyi sind es mehr als 60 Pflanzen, die Besucher entdecken können. Darunter sind auch Gewächse mit so klangvollen Namen wie Taumel-Lolch. Dabei handelt es sich um ein Süßgras aus dem Mittelmeerraum, das giftig ist. Sein Name geht auf die Auswirkung einer Vergiftung zurück.

Was giftig ist und was nicht, ist im Garten auf den Schildern ebenfalls vermerkt und mit einem Totenkopf gekennzeichnet. Auf den Beeten finden sich aber auch viele Pflanzen, die essbare Früchte wie Kürbis, Tomaten oder Brombeeren tragen. "Wenn sich ein Kind davon mal etwas nimmt, hat da auch niemand etwas dagegen", sagt Szechenyi.

Bis es aber so weit ist, ist noch viel Pflege und bei einigen Pflanzen viel Geduld nötig. Ob und wann der Granatapfel das erste Mal auf Ruppiner Boden Früchte tragen wird, vermag Szechenyi nicht abzuschätzen. Trockenheit mache vielen Pflanzen, die auch im Nahen Osten gedeihen, nichts aus. Etliche stehen aber in Kübeln, damit sie sicher überwintern können.

Überwintern im Heizungskeller

In der zurückliegenden kalten Jahreszeit standen viele in einem Heizungskeller der Klosteranlage. "Das war nicht optimal. Dort war dauerhaft das gleiche Klima, und die Pflanzen haben einen unterschiedlichen Anspruch ans Licht", so Szechenyi, der hofft, dass noch andere Lösungen gefunden werden. Denn einige Gewächse haben den Winter nicht gut überstanden. Zudem sei er bei der Pflege auf weitere Hilfe angewiesen. Szechenyi bezeichnet sich als "Spende der Salus-Klinik". Der 44-Jährige ist wie seine Frau in der Reha-Einrichtung tätig und dort in der Arbeitstherapie in der Gärtnerei beschäftigt. Für fünf Stunden pro Woche darf er aber im "Garten des Buches" im Einsatz sein – fünf Stunden, die eigentlich nicht ausreichen. "Wir brauchen hier noch Hilfe von außen", sagt er. Nicht nur bei der Arbeit. Auch einige Pflanzen werden noch gesucht – allen voran der Weihrauch, der in nahezu keiner Religion fehlen darf.

Das Zusammenspiel von Religion und Botanik fasziniert Szechenyi, der aus Österreich stammt und heute mit seiner Familie in der Gemeinde Vielitzsee lebt. "Ich habe eigentlich Forst- und Landwirtschaft studiert. Aber das hier hat mich sehr interessiert", so der 44-Jährige. Schon bevor der "Garten des Buches" angelegt wurde, habe ihn die romantische Szenerie des Kloster Lindows begeistert. "Wir waren hier sehr oft spazieren", erzählt er. Auch dem einen oder anderen Touristen sei er in der noch neuen Anlage, die zum Verweilen einlädt, begegnet. Sie ist nach seiner Meinung der beste Start- oder Zielpunkt für eine Umrundung des Wutzsees. "Wenn die Klosterbibliothek im Perels Haus fertig ist, kann man hier sogar bei schlechtem Wetter vorbeikommen", meint Paul Szechenyi.

GesuchtePflanzen

Nach der Winterpause werden für den Garten des Buches noch Pflanzen gesucht. Neben Weihrauch fehlen noch Baumwollbäumchen (Gossypium), Christusdorn (Euphobia) sowie ein männliches und weibliches Exemplar des Pistazienbaums (Pistacia Vera). Auch wer in der Anlage mit anpacken möchte, kann sich bei Paul Szechenyi unter 0043 650 6210520 (österreichische Mobilnummer) telefonisch oder per WhatsApp melden. Das Kloster stellt Spendenbescheinigungen aus. ⇥red

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