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Johanneshof und Am Wäldchen Süd
Pläne für 150 Eigenheime in Strausberg gekippt

Die Bürgerinitiative Naturraum Strausberg-Ost bemühte sich bis zur letzten Minute. Sie empfinden die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung mit Transparent.
Die Bürgerinitiative Naturraum Strausberg-Ost bemühte sich bis zur letzten Minute. Sie empfinden die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung mit Transparent. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 29.05.2020, 17:08 Uhr - Aktualisiert 29.05.2020, 17:56
Strausberg (MOZ) Die Bebauungspläne Johanneshof und Am Wäldchen Süd sollen nicht weiter bearbeitet werden.

Die entsprechenden Aufstellungsbeschlüsse und die Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich des Johanneshofs von 2017 wurden in der vollzähligen Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend mit der denkbar knappen Mehrheit von 16 zu 15 Stimmen bei einer Enthaltung aufgehoben.

Bürgermeisterin Elke Stadeler hatte mit Verweis auf involvierte Partner, womit offenkundig die Brandenburgische Bodenverwaltungs- und -verwertungsgesellschaft als Eigentümerin eines Teils der Flächen gemeint war, namentliche Abstimmung beantragt.

Der Kommentar von Jens Sell: Ein anstrengender Weg

Bürgerengagement lohnt sich

Mit großer Erleichterung und auch ein bisschen Stolz reagierte die Bürgerinitiative Naturraum Strausberg-Ost auf die knappe Entscheidung. Hatte sie sich doch seit der frühzeitigen Bürgerbeteiligung der Bebauungspläne Ende Mai 2017 für den Erhalt der beiden Flächen stark gemacht. "Es zeigt, dass es sich für uns Bürger lohnt, sich in der Stadtpolitik zu engagieren, Fakten aufzuarbeiten und den Stadtverordneten zuzuarbeiten. Wir wünschen uns, dass diese richtungweisende Entscheidung für unsere grüne Stadt am See noch weiter trägt." Die Aktivisten hatten sowohl die Linken als auch die vom Nabu-Vorsitzenden Andreas Fuchs geführte CDU-Fraktion gegen die Bebauung mobilisieren können.

Mit einem eindringlichen Plädoyer hatte Stephan Blumenthal (CDU), beruflich als Finanzbeamter tätig, die von Patrick Hübner (UfW/Pro Strausberg) und Robert Krause (Zusammen für Strausberg) nicht weniger leidenschaftlich beschworenen Aussichten auf Zuzug junger Familien und damit höhere Steuereinnahmen gut verdienender Bauherren in den künftigen Wohngebieten zurückgewiesen. Auch Jens Knoblich, Vorsitzender der bunten Zusammen-für-Strausberg-Fraktion, sprach sich für eine Bebauung aus: "Mich stört das Verhindern, wir können doch gestalten. Die Bürgerinitiative hat ja schon erreicht, dass die Zahl der Wohneinheiten von 100 auf 75 gesenkt wurde." Sein grünes Fraktionsmitglied Matthias Michel allerdings warnte vor Bebauung und Versiegelung des Bodens in der Trinkwasserschutzzone und signalisierte seine Zustimmung zur Linken-Vorlage. Eine knappe Mehrheit erhielt sie schließlich nur, weil außer den Einreichern, der CDU und dem Grünen auch ein AfD-Stadtverordneter zustimmte und sich einer seiner Fraktionskollegen der Stimme enthielt.

Zweite Überraschung

Gleich darauf gab es eine leicht stärkere Mehrheit für die von der CDU-Fraktion eingebrachte und nicht minder umstrittene Vorlage zum Mühlenweg. Die Stadtverwaltung solle beauftragt werden, unverzüglich der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Interesse der Stadt an der ehemaligen Kasernenfläche zu bekunden und sie als Wohnbaufläche zu entwickeln. Von der Gesamtfläche von 24,7 Hektar sind 7,2 Hektar bebaut. Geld für den Erwerb könne die Stadt in den nächsten Jahren nicht in den Haushalt einstellen, hatte Bürgermeisterin Elke Stadeler schon wiederholt abgewehrt. Die Bima sei auch mit Interessenten im Gespräch und vermarkte das Gelände selbst für Wohnbauzwecke im engen Zusammenwirken mit der Stadt.  Obwohl die Vorlage in allen Ausschüssen abgeschmettert wurde, erhielt sie am Donnerstag eine 15:13:3-Mehrheit.

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