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Geschichte
Nieder Neuendorfer Brückengeheimnis gelüftet

Stein des Anstoßes: die Tafel aus DDR-Zeit.
Stein des Anstoßes: die Tafel aus DDR-Zeit. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 30.05.2020, 06:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Aufregung herrschte im vorigen Jahr im Stadtparlament, als bekannt wurde, dass an der neuen Brücke nach Nieder Neuendorf an präsenter Stelle auf zwei originalen Tafeln der Name des Vorgängerbaus installiert wurde: Brücke der deutsch-­sowjetischen Freundschaft (DSF). Mehrheitlich wurde im Oktober 2019 beschlossen, dass die vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in einem Betonquader eingelassenen Tafeln einer Erläuterung bedürfen.

Auf Nachfrage der SPD informierte die Verwaltung am Mittwoch im Bauausschuss, dass diese Stele im September installiert werde. Das Vorhaben sei in Verzug geraten, weil ein im Landesarchiv vorhandenes Foto wegen der dortigen Corona-Einschränkungen nicht besorgt werden konnte.

Der Text sei im Übrigen fertig. Präsentiert wurde er aber nicht. Als der Ausschussvorsitzende Michael Wobst (SPD) fragte, ob dieser den Abgeordneten vorgelegt werde, antwortete Bürgermeister Thomas Günther (SPD): "Daran ist nicht gedacht." Es sei problematisch, über einen von einer Historikerin erarbeiteten Text zu diskutieren und abzustimmen.

Am Tag darauf machte der Bürgermeister einen Rückzieher. Sowohl Wobst als auch dieser Zeitung wurde der Text zur Verfügung gestellt. In der umfangreichen Erörterung wird darauf eingegangen, dass sowohl der Bau des 1951/52 errichteten Kanals als auch die Namensgebung der damaligen Brücke politisch motiviert waren. Mit der Wasser­straße wurde die Möglichkeit geschaffen, Westberlin zu umschiffen. Erinnert wird auch daran, dass ein Teil der Bauarbeiter in einstigen NS-Zwangsarbeiterbaracken lebte. Die zuvor dort wohnenden Flüchtlinge seien ausquartiert worden.

Eingegangen wird auch auf die Geschichte der DSF-Gesellschaft. Mit ihr sei das Ziel verfolgt worden, die Politik der Sowjetunion zu unterstützen. Außerdem habe die SED die zweitgrößte Massenorganisation der DDR dazu genutzt, ihren eigenen Machtanspruch zu untermauern.

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