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Diamantene Hochzeit
Schenkenberger Rosemarie und Siegfried Leonhardt wollen bis zur "Eisernen" durchhalten

Seit 60 Jahren verheiratet und in Schenkenberg zuhause: Rosemarie und Siegfried Leonhardt.
Seit 60 Jahren verheiratet und in Schenkenberg zuhause: Rosemarie und Siegfried Leonhardt. © Foto: Th. Messerschmidt
Th. Messerschmidt / 30.05.2020, 16:30 Uhr - Aktualisiert 30.05.2020, 16:43
Schenkenberg (BRAWO) "Dann müssen wir bis zur Eisernen Hochzeit durchhalten", rät Siegfried Leonhardt seiner Frau Rosemarie, die ein weiteres Mal auf eine große Familienfeier verzichten muss und erklärt: "Zur Goldenen Hochzeit war ich im Krankenhaus, dürfte nur zum Kaffee raus. Und jetzt, wo wir Diamantene  haben, herrscht Corona. Wir hatten uns im Sportheim für den 30. Mai angemeldet… Nun bleiben wir zuhause."

Zuhause sind die beiden 84-jährigen mittelmärkischen Urgesteine in Schenkenberg. Er ist gebürtiger Trechwitzer, sie das Kind von Erstsiedlern. "Meine Eltern kamen 1929 mit zwei Kindern aus Bottrop hierher. Vaters Bruder hatte bereits in der neuen Gemeinde namens Schenkenberg gewohnt und meine Eltern dafür begeistern können. Sie kauften 1929 gleich nebenan die neue Doppelhaushälfte  eines  der typischen Siedlungshäuser. Da standen die Bäume noch bis zum Haus, alles Kiefern. Die mussten erst gerodet werden, um einen Garten anlegen und Obstbäume pflanzen zu können. Es war eben eine neue Siedlung – Schenkenberg gibt es erst seit 1928." Rosemarie gesellte sich am 3. Mai 1936 dazu. "Das Erste, woran ich mich erinnern kann, ist eine Dampferfahrt der neuen Siedlungsgemeinschaft. Ich war drei Jahre alt und es ging nach Potsdam" – und für Rosemarie bald acht Jahre zur Schule.

Schenkenberg hatte sich wegen der schnell wachsenden Siedlerzahl ein schmuckes, dreigeschossiges Schulgebäude gegönnt und am 18. Dezember 1930 eingeweiht. Da waren es bereits über 100 Schüler. Rosemarie zählte in der Kriegszeit dazu. "Es war eine schwere Zeit. Wenn die Bomber nach Brandenburg oder Potsdam flogen, sind wir in den Keller verschwunden." Später besuchte sie die Kaufmännische Berufsschule in Werder und bekam eine Anstellung im Gemeindebüro in Schenkenberg. So spielte sich ihr Leben im Heimatdorf ab. Der Ort hatte sich weiter entwickelt und auch kulturell etwas zu bieten: In der Anfang der 30er Jahre gebauten Gaststätte "Haus Schenkenberg" fanden bereits in den 1950er Jahren regelmäßig Kinovorführungen und Tanzabende statt, was auch die jungen Leute aus Nachbardörfern anlockte. Darunter Siegfried Leonhardt, geboren am 06. Oktober 1935 in Trechwitz. "Mein Vater war Bauer, mein Großvater auch. Wir lebten von und mit der Landwirtschaft. Im  Heimatdorf haben wir gelebt und gearbeitet, Fußball gespielt und sind im Sommer runter an den See zum Baden gefahren – aber erst wenn Vater mit der Heufuhre heimgekommen und sie abgeladen war." Auch  die Schulzeit hatte in Trechwitz begonnen und musste nach drei Jahren in Damsdorf fortgesetzt werden. "Fünf Jahre lang ging es zu Fuß nach Damsdorf. Fahrrad hatten wir nur eins und das brauchte Vater", erinnert sich der 84-Jährige, der sich wegen des schönen Traktors "Aktivist" für eine Lehre im Getriebewerk Brandenburg entschieden hatte. Und weil er sie bestens meisterte, schloss sich ein Studium an der Ingenieurhochschule für Fahrzeugbau in Zwickau an. Nach dem Studium ging es zurück nach Brandenburg – aber nur beruflich. Heimstätte blieb Trechwitz – bis ihn die Liebe ins Nachbardorf zog. "Zum Kino und Tanz in Schenkenberg sind wir oft hingelaufen. Das Tanzen – und gutes Benehmen – hatte uns Rüpels Herr Huth, ein Tanzlehrer aus Berlin beigebracht, der Mieter in der Trechwitzer Siedlung am See war. Als Bezahlung reichte ihm sogar eine Bockwurst." Beim Tanz im "Haus Schenkenberg" wurde das Gelernte praktisch angewandt, wobei Siegfried die Liebe seines Lebens fand: "Wir hatten uns schon länger gekannt, weil Rosemaries Freundin und mein Freund ein Paar waren. Mit uns hat sich das irgendwie so ergeben. Und als unsere Freunde geheiratet haben, haben wir uns eine Woche später getraut." Das war am 28. Mai 1960. Die Frauen hätten das eingerührt, Männer bräuchten ja immer etwas länger zum Denken...  

Schließlich setzte sich die Gattin auch beim Zuhause durch: "Ich wäre nach Brandenburg gezogen, hatte schon 200 Aufbaustunden bei der BRAWOG geleistet und hätte in Brandenburg-Nord bald eine Wohnung bekommen, doch Rosemaries Eltern haben gedrängelt, zu bleiben. Also sind wir ins Haus der Eltern eingezogen", erzählen Leonhardts, deren Platz im Obergeschoss bald knapper wurde. 1961 wurde Tochter Elke geboren,  1965 Heike. Als Getriebewerker auf dem Dorf schuf der Papa zudem alsbald in Eigenregie einen kleinen Trecker, mit dem das Land gepflügt und Mist geholt werden konnte. Und weil er als Entwicklungsingenieur ganz gut verdiente, blieb Rosemarie Hausfrau, kümmerte sich um Familie, Haus und Garten.  Der Mikrokosmos hatte Bestand.

"Ringsherum bekam man nicht allzu viel mit, weil alles so weitläufig war." Sonntags gings in die Kirche im Gutshaus, 1971 erfolgte der Hausanbau, 1980 gabs das erste Auto – einen Trabi. Die erste große Tour führte nach Dierhagen an die Ostsee, wo das Getriebewerk mit anderen Betrieben eine Ferienstätte gebaut hatte. Siegfried: "Sechs Bungalows versetzt als Reihenhaus machten den Anfang. Und weil ich beim Aufbau geholfen hatte, bekamen wir schon im zweiten Jahr einen  Platz. Der nächste Urlaub führte in den Harz, ansonsten begnügte man sich auch gerne mit den Vorzügen der Heimat. "Wir spazierten gerne durch den Ort oder gingen baden in Trechwitz. Und mein Mann hatte sich den Keglern beim SV Empor Schenkenberg angeschlossen." 1985 wurde Silberhochzeit im Kindl-Stübl gefeiert, indes die Kinder eigene Wege  gingen – aber wohnlich nicht weit kamen: beide Töchter haben ihr Zuhause in der elterlichen Straße gefunden. "In der Wustermarkstraße standen zur Wende drei Häuser hinter uns. Heute ist sie bis runter zum Feld fast lückenlos bebaut. Schenkenberg hat sich ganz schön verändert und ist ein sehr lebendiger Ort geworden", findet Siegfried Leonhardt. Dass die Töchter zu den Bewohnern zählen, freut die Senioren, denn so bleibt die Familie zusammen. Und sie wird trotz Ausfall des Familienfestes zur Diamantenen Hochzeit zusammenfinden. Beide Kinder, vier Enkel und das Urenkelkind wollen gratulieren und im Garten das Jubiläums-Paar ein wenig feiern. Nach einem Herzenswunsch gefragt, antwortet Siegfried: "Ich würde gerne nochmal nach Dierhagen". Die Gattin lächelnd: "Ich würde mitkommen." Ein heißer Tipp für Familienmitglieder, die nachträglich noch ein Geschenk machen wollen…

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