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Friedhof Podelzig mit eigener Homepage

Ines Weber-Rath / 31.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 31.05.2020, 09:07
Podelzig (MOZ) Podelzigern, die übers lange Pfingst-Wochenende ein Spazierziel suchen, sei der Friedhof im Oberdorf als solches empfohlen. Wer länger nicht dort war, wird staunen. Denn auf dem parkähnlichen Areal vor dem Sportplatz hat sich einiges verändert. Das ist auf den ersten Blick zu sehen.

Denn wer durch die Pforte der mit einer weiß-grauen Kalksandsteinmauer umfriedeten Anlage tritt, schaut als erstes auf ein neues Blumenbeet und ein mit Mulch abgedecktes Beet mit jungen Sträuchern. "Meine Frau Wioletta hat zum Glück einen grünen Daumen", sagt Hartmut Bank.

Der Neu-Podelziger, der seit zwölf Jahren im Dorf zu Hause ist und im vorigen Jahr in den Gemeindekirchenrat gewählt wurde, hat zu Jahresbeginn die Verwaltung des Podelziger Friedhofs der Evangelischen Kirchengemeinde Podelzig-Rathstock übernommen. Als Rentner habe er jetzt Zeit dafür, erklärt der 63-Jährige, dessen Dialekt den gebürtigen Westfalen verrät.

Schon vor der Wende seien seine Frau und er nach Polen gependelt, wo sie in einem deutschen Markt tätig waren, berichtet der Kaufmann am Rande. Als die Kinder aus dem Haus waren, haben Banks Haus und Hof in Nordrhein-Westfalen verkauft und sich 2008 im Oderbruch niedergelassen. "Ich hab’ das keinen Tag bereut", sagt Hartmut Bank heute.

Im kirchlichen Friedhof – ein kommunaler befindet sich im Unterdorf, ein weiterer im Ortsteil Wuhden – hat der Zuzügler eine neue Herausforderung gefunden. Zu tun gibt es genug.

Teile der rund 4000 Quadratmeter großen Anlage waren verwildert. Der Rentner, der ein paar Stunden Rasen mähen im Monat bezahlt bekommt, schaffe eine ordentliche Gesamt-Pflege nicht, bestätigt Roswitha Nowak. Von ihr hat Hartmut Bank die Friedhofsverwaltung übernommen.

Alte Grabsteine wieder sichtbar

Eine ganze Reihe historischer Grabsteine waren so, unter Unkraut versteckt, kaum noch zu sehen. Bank und seine Frau haben seit dem März einen nach dem anderen wieder zum Vorschein gebracht und mit Blumen und anderen Pflanzen aufgewertet. Bei einem der alten Gräber handelt es sich um das Grab eines im Ersten Weltkrieg gefallen Podelzigers, des Soldaten Reinhold Schniegler. Die Familie gehört zu den Alteingesessenen im Dorf.

Ein echter Hingucker ist eine Art Familiengrabstelle am westlichen Ende des Friedhofs, zum Sportplatz hin, geworden. Zwei große, massive, schwarze Grabsteine wurden dort einst für den Podelziger Pastor Hermann Kleedehn (1824 bis 1895) und seine Angehörigen errichtet. Aber gehört der nach einem Adelsgeschlecht anmutende weiße Wappenstein dazu? "Dazu müssen wir Jürgen Kurz von den Podelziger Geschichtsfreunden fragen", sagt Hartmut Bank. Die kleine Anlage präsentiert sich neu bepflanzt und mit Mulch vor schnellem Unkrautbewuchs geschützt. An der Mauer dahinter will der Friedhofsverwalter ein Lapidarium mit alten Grabsteinen anlegen.

Unwürdiger Zustand beendet

Als geradezu "unwürdig" empfand nicht nur Hartmut Bank die 2008 angelegte halbanonyme Urnengemeinschaftsanlage am östlichen Ende des Friedhofs, zu den Neubauten hin. "Um an die Namenstafeln zu kommen, die an der Friedhofsmauer angebracht waren, musste man über die Wiese und damit über die Toten gehen.", Das habe viele geärgert, es gab Proteste, erzählen Roswitha Nowak und ihr Nachfolger.

Zwei Firmen aus dem Dorf haben aus dem einstigen "Unkrautacker" eine würdevolle Anlage gemacht. Die Namenstafeln sind an einer gemauerten Stele angebracht, zu der ein Pflasterweg führt. In die eingeebnete Fläche ist neuer Rasen eingesät und sind Sträucher gepflanzt worden.

Am Ende des Hauptweges, wo im vorigen Jahr die marode einstige Trauerhalle abgerissen worden war, steht nun ein schmuckes, kleines Holzhaus, in dem sich die Technik zur Friedhofspflege befindet. Die Trauerfeiern finden schon lange im sanierten Teil der nahen Kirchenruine statt.

Zufrieden ist Hartmut Bank mit dem Erreichten noch nicht. "Die Haupt- und Seitenwege müssen saniert und Flächen begradigt werden, damit auch Leute im Rollstuhl und mit dem Rollator da lang kommen", sagt der neue Friedhofsverwalter. Er hat im April drei Container voller Betonschutt – Reste alter Grabfundamente – entsorgen lassen.

Vor sechs Wochen ging die von Bank gestaltete Internetseite für Podelzigs kirchlichen Friedhof an den Start. Auf ihr findet sich auch der Aufruf, für die weitere Neugestaltung des Friedhofs zu spenden. Denn der muss sich selbst tragen, aus der Kasse der Kirchengemeinde gibt es nichts. Über weitere Anregungen zur Gestaltung und Hilfsangebote freut sich Hartmut Bank.

Weitere Informationen erhalten Sie online unter www.friedhofpodelzig.eu oder per E-Mail an h.bank-friedhofpodelzig@t-online.de.

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