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Döberitzer Heide
Natur vor der Haustür

Der Ginster taucht die Döberitzer Heide bei Dallgow-Döberitz im Frühjahr in strahlendes Gelb.
Der Ginster taucht die Döberitzer Heide bei Dallgow-Döberitz im Frühjahr in strahlendes Gelb. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 01.06.2020, 05:30 Uhr
Dallgow-Döberitz Die Döberitzer Heide liegt quasi vor der Haustür der Dallgower und hat zu allen Jahreszeiten ihre Reize. Im Frühjahr blüht der Ginster, goldene Tropfen säumen die Wege und verzieren die Lichtungen. An den schattigen Waldrändern zaubern kleine Wildblumen mit rosa und tief lila Blüten bunten Tupfen. In der Luft liegt das Summen der Bienen. Wunderschön bunte Pfeifengraswiesen sind zu bewundern und wenn der Sommer wieder zur Neige geht, dann blüht die Besenheide und legt sich als Teppich aus Millionen rosa-lila Blüten über den trockenen Boden.

Die Döberitzer Heide hat schon allein deshalb ihren Charme, weil offene Naturlandschaften in unserer Region so selten sind. Brandenburg, das ist Wald und Seen, Acker- und Weideland. Die Heide ist da etwas ganz Besonderes. Die Sielmann Stiftung hat aus dem 3.600 Hektar großen, ehemaligen Truppenübungsplatz ein Refugium für die Natur auferstehen lassen. 980 geschützte Tierartenleben leben auf dem Gebiet, dass etwa die 17-fache Größe des Berliner Tiergartens hat. In der sogenannten Kernzone, die für den Besucher nicht zugänglich ist, haben rund neunzig Wisente und 24 Przewalski-Pferde eine Heimat. Beide Tierarten galten außerhalb von Zoos bereits als ausgestorben.

Auch außerhalb dieser Zone gibt es viel zu entdecken. Da kreist der Mäusebussard über den Baumwipfeln, ein großer Fuchs, so heißt eine der hier heimischen Schmetterlingsarten, sitzt am Wegesrand und sein rotfelliger Namensvetter kreuzt bald darauf zielstrebig den Weg. Rehe verschwinden wie Schatten im Unterholz und kleine Echsen rascheln im trockenen Gras.

55 Kilometer Wanderwege führen durch das Gelände, eine abwechslungsreiche Landschaft. Sanfte Hügel, Wiesen, Wald, die Heide, mal saftig grün, mal trocken und karg. Die Döberitzer Heide ist Naturschutzgebiet. Es empfiehlt sich gleich doppelt auf den Wegen zu bleiben, der Natur zuliebe und weil hier und da noch Munition im Boden liegt. Besagte Wege sind sehr trocken, oft breitet sich vor dem Wanderer eine breite Spur Zuckersand aus. Feinster Sand, wie am Strand.

Der Rundweg, einmal um die Kernzone herum, ist mit 22 Kilometern der längste der dortigen Wanderwege. Beim Umrunden der Kernzone, in der Wisent und Przewalski-Pferde leben, hat man natürlich die besten Chancen die Tiere zu sehen. Natürlich kann man auch bei den anderen Wanderungen, die ein Stück an der Kernzone entlangführen, Glück haben. Die Wege sind gut ausgeschildert, markanten Punkte wie der Obelisk und der Aussichtsturm gut zu finden.

Wer nun keinen Wisent zu Gesicht bekommt, hat vielleicht an anderer Stelle seine Freude. Das Mähen und Blöken hört man bereits von weitem. Die ersten Schafe und Ziegen brachte Schäfer Johann Nesges aus Liedekahle bereits Anfang April in die Heide. Gegen Ende des Monats brachte der Schäfer Verstärkung für diese Vorhut. 900 Schafe und 150 Ziegen, darunter viele Jungtiere, übernehmen in der Heide den Job der Landschaftspflege. So ein Schaf ist die perfekte biologische Mäh-Maschine. Es frisst das Gras ab, verteilt mit den Hufen die Samen und Pollen, lockert den Boden und was hinten aus dem Schaf plumpst, ist Dünger.

In der Heide sind Schwarzköpfige Fleischschafe, Heidschnucken und Bentheimer Landschaft am Werk. Dazu schwarze, weiße und braune Edelziegen. Pro Saison halten die Schafe und Ziegen so etwa 300 Hektar Grasland kurz. In der Döberitzer Heide, mit ihren halboffenen Landschaften, leben Tiere, die man in den heutigen Agrarlandschaften sonst kaum noch vorfindet. Wiedehopf und Wendehals, Steinschmätzer und Heidelerche sind hier zu Hause. Und wer einen Fable für Insekten hat, wird die Döberitzer Heide mit ihren Schmetterlingen, Grashüpfern und Käfern ebenfalls lieben.

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