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Grundstein für Handygeneration
Wie die Telefonkarte vom Geldträger zum Sammlerobjekt wurde

Gerhard Naumann / 01.06.2020, 15:15 Uhr
Brandenburg an der Havel Was macht ein Philatelist in einer Zeit, in der Vereinstreffen ausgesetzt sind? Er schafft Ordnung in seine angehäuften Ergebnisse der Sammelleidenschaft. So fiel mir eine kleine Sammlung von geldkartengroßen, bunten Plastikkarten, sogenannten Telefonkarten, in die Hände.  Die ältere Generation kann sich sicher noch gut daran erinnern, die "Handygeneration" wird damit kaum etwas anzufangen wissen.

Es wird gesagt, das Geburtsland der Telefonkarte ist Japan (Ende der 70iger/Anfang der 80iger Jahre), aber das stimmt nur hinsichtlich der modernen Ausgabe. Bereits 1891 gab die Königliche bayrische Posten und Telegraphenanstalt ein Telefon-Billet für die Benutzung von öffentlichen Telefonstationen heraus. Der Entwurf war angelehnt an den Fahrschein der Münchener Pferdetrambahn. Mit diesem Billet konnte ein Gespräch bis zu 5 Minuten geführt werden, der Wert war in den vier Ecken eingedruckt.

Spätestens jetzt wird ersichtlich, was Telefonkarten und Postwertzeichen miteinander verbindet. Die Gemeinsamkeit zwischen Briefmarken und den bunten Plastikkarten besteht darin, dass es amtliche Ausgaben der Post zum Zweck der Bezahlung einer postalischen Dienstleistung sind. Denn zu dieser Zeit gehörte das Telefonwesen noch zur Post.

Für den Bürger war die Telefonkarte eine große Erleichterung, denn man konnte jetzt unterwegs ohne das ständige "Suchen" nach Kleingeld, an den öffentlichen Telefonzellen telefonieren. Auch für die Post war es von Vorteil, denn das fehlende Geld machte es für Diebe unattraktiv, Telefon-Automaten aufzubrechen.  Die Telefonkarte war nicht nur eine brauchbare Neuerung zum bargeldlosen Telefonieren, sondern entwickelte sich sehr schnell zu einem damals nicht zu unterschätzenden Werbeträger in bzw. für alle Branchen.

In der BRD gab es 1989 bereits 124 verschiedene Telefonkarten mit Auflagen zwischen 200 und 45.000 Karten je Auflage. In Frankreich gab es bereits 4.000 verschiedene Auflagen und Japan überschritt mit über 45.000 Ausgaben bei weitem alles, was sich die Werbebranche in der BRD je vorstellen konnte.   In der DDR konnten die Bürger mit dem Begriff "Telefonkarte" zu diesem Zeitpunkt wenig anfangen, doch auch hier entstand langsam eine Interessengemeinschaft für das neu entstandene Sammelgebiet. Erst im September 1990 plante die Post der DDR den Einsatz von 100 Kartentelefonen und eine Erweiterung auf 40.000 bis 1997. In der Schweiz wurde 1989 weltweit erstmals eine Telefonkarte von einer Politikerin im Kommunalwahlkampf eingesetzt.

Schnell entwickelte sich ein neues Sammelgebiet mit dem Hinweis der Fachwelt, es sind "Hohe Wertsteigerungen" zu erwarten. Es wurden Kataloge gedruckt, Tauschblattformen eingerichtet und ein reges Verkaufs- und Tauschangebot lag vor. Aber bereits in der Hochzeit der Telefonkarte kam eine neue Technik in der Telekommunikation auf. Auf internationalen Flughäfen erfolgte der Einsatz von Telefongeräten mit Kreditkartenzahlung zu Einsatz. Gleichzeitig trat eine völlig neue Möglichkeit des mobilen Telefonierens in den Mittelpunkt der Entwicklung. Konnten sich 1983 nur wenige Menschen ein Mobiltelefon leisten (3995 US Dollar), war das Handy ab 1994 schon für viele erschwinglich.

Die rasante Entwicklung hin zur heutigen Generation des Handys stammt also gewissermaßen aus der Telefonkarte. Telefonzellen, öffentliche Fernsprecheinrichtungen verschwanden. Heute sind nur noch vereinzelte freistehende Fernsprecheinrichtungen zu finden, die meistens per Geldkarte genutzt werden können. So war ein neues Sammelgebiet bereits nach wenigen Jahren wieder im Rückgang begriffen und die Wertsteigerungen blieben aus. Heute gibt es nur noch wenige Sammlerfreunde, die sich mit der Geschichte der Telefonkarte beschäftigen. Diese Epoche in der Postgeschichte zeigt die rasanten Veränderungen der schriftlichen und mündlichen Kommunikation auf. Post- und Heimatgeschichte war und ist ein interessantes sowie vielseitiges Interessengebiet.

Wir als Briefmarke.-Sammler-Verein Brandenburgia e.V. sind für jeden Sammler eine offene Plattform, sich zu seinen Sammelergebnissen auszutauschen und mit Gleichgesinnten einen Beitrag zur Bewahrung der Heimatgeschichte zu leisten. Bei Interesse besuchen Sie unsere Internetplattform "www:brandenburgia-online.de"  oder melden sich einfach über naumann@brandenburgia-online.de.

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