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Wirtschaft
Corona-Schutz made in Neuruppin

Judith Melzer-Voigt / 01.06.2020, 19:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) Bernd Vorreiter ist schon ganz schön herumgekommen in seinem Job: Er ist Schichtleiter bei dem Neuruppiner Unternehmen Industrial Plastik Tech (IPT) mitten im Gewerbegebiet Treskow. Diese Firma ist eigentlich darauf spezialisiert, Schiffe und Kraftwerke mit Tropfenabscheidern auszustatten. Von Alaska bis nach Singapur hat dieser Beruf Vorreiter schon geführt, denn IPT stellt die Kunststoff- und Metalapparate nicht nur her, sondern baut sie auch ein. Momentan allerdings sitzt der Schichtleiter mehr in Taxis, als er sich auf Schiffen bewegt: IPT hat wegen der Corona-Krise kurzerhand das Sortiment umgestellt. Nun gibt es Trenn- und Schutzwände made in Neuruppin, die in Läden und in besagten Taxis sowie anderen Fahrzeugen eingebaut werden. Das Geschäft läuft gut.

Chef von IPT ist Arnim von Wnuk-Lipinski. Vor zwei Jahren ist das Unternehmen in die ehemaligen ASL-Räume an der Neuruppiner Brenckenhoffstraße gezogen. In der unteren Etage wird gebaut, in der oberen befindet sich die Verwaltung. 16 Mitglieder hat das Team. Von Wnuk-Lipinski erklärt das eigentliche Kerngeschäft: "Wo wir Klimaanlagen haben, brauchen wir Tropfenabscheider." Diese Konstrukte, für deren Herstellung kleine Kunststoffkugeln durch Formen gepresst werden, filtern quasi die Luft und fangen größere Teile –Tropfen – darin auf. IPT baut solche Anlagen auf Kreuzfahrtschiffen und in großen Gebäuden ein. "Im Januar und Februar hatten wir vier große Dockungen", so Arnim von Wnuk-Lipinski. Das bedeutet, dass ältere Schiffe mit neuen Tropfenabscheidern ausgestattet werden sollten. Die Anlagen sind fertig. Sie stehen auf dem Hof von IPT. Doch wegen der Corona-Krise können sie nicht eingebaut werden. Aufträge brachen weg, eingeplante Mittel flossen nicht. Andere Wege mussten beschritten werden.

Kurzerhand umgesattelt

Die Frau von Arnim von Wnuk-Lipinski arbeitet in einer Apotheke. Diese musste nun wegen der Pandemie mit Trennschutzwänden ausgestattet werden. Schnell kam die Frage auf, ob IPT diese nicht auch herstellen kann. Die Firma sattelte um. Mittlerweile stellt sie unter der eingetragenen Marke Coraplex Trennwände her.

Die Konstruktionen für Geschäfte und für Fahrzeuge unterscheiden sich dabei. Der Thekenschutz ist sehr fest, da er sicher stehen muss. Die Trennwand für Autos ist dünner und flexibler, wie Schichtleiter Bernd Vorreiter erklärt. Sie kann an den jeweiligen Wagen angepasst werden, das Verschieben der Sitze ist weiterhin problemlos möglich. Einige Gemeinsamkeiten gibt es aber: Beide Wände sind glasklar, gehen nicht schnell kaputt und sind so hergestellt, dass sie keine scharfen Kanten haben, an denen sich jemand verletzen könnte.

Von der Platte zur Wand

"Damit wir unsere Leute nicht in Kurzarbeit schicken müssen, haben wir den Betrieb im März ruckzuck umgestellt", sagt Arnim von Wnuk-Lipinski. Ein Online-Shop wurde eingerichtet. Zeit gab es anfangs genug. Die Schiffsaufträge waren weggebrochen. Mittlerweile haben die IPT-Mitarbeiter aber wieder ordentlich zu tun. Neben der großen Nachfrage nach Trennwänden laufen auch die Aufträge für Kraftwerke wieder ein.

Der Kunststoff für die Wände wird in zweimal drei Meter großen Platten in Treskow angeliefert. Auszubildender Jann Jürss war am Freitag dabei, diese in kleinere Teile zu sägen und auf Länge zu bringen. Anschließend wird die Platte in eine Fräse gespannt und in die endgültige Form gebracht. Jürss beseitigt dann noch alle scharfen Kanten, damit keine Verletzungsgefahr besteht. Mit einem Kabelbinder werden die Auto-Schutzwände schließlich in dem jeweiligen Wagen eingebaut. Auf der Liste von IPT befinden sich alle möglichen Herstellernamen: von Mercedes über VW bis hin zu Lexus.

Um die Produktion so kurzfristig umzustellen, waren gar keine großen Anschaffungen bei IPT nötig, sagt Merte von Wnuk, Tochter des Geschäftsführers und für das Marketing zuständig. "Wir haben geschaut: Was haben wir?" Gefräst und geschnitten jedenfalls wird bei IPT vom ersten Tag an. Nur der Internet-Shop musste sehr schnell aus der Taufe gehoben werden.

Die Aufträge für Schutzwände sollen das dritte Standbein der Neuruppiner sein, sagt Merte von Wnuk. Der Einzelhandel würde auch mal 100 oder 150 Trennwände ordern. Sonst kommen die Aufträge aber eher mit kleinen Stückzahlen daher. "Es gibt Kunden, die nur eine solche Schutzwand kaufen", so von Wnuk. Aber auch regelmäßige Abnehmer der Konstruktionen melden sich bei IPT. "Der Bedarf stieg erst von 0 auf 100 und hat sich mittlerweile eingepegelt." Die Wände aus Neuruppin werden nach ganz Deutschland geliefert. Auch einige Taxi-Fahrer in München fahren mit Trennwänden aus Ostprignitz-Ruppin durch die bayrische Landeshauptstadt.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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