Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Stornierungen wegen Corona
Reisebüros in Frankfurt (Oder) bangen ums Überleben

Simone Veres (r.) aus Frankfurt (Oder) auf der Demo der Reisebranche.
Simone Veres (r.) aus Frankfurt (Oder) auf der Demo der Reisebranche. © Foto: privat
Jan-Henrik Hnida / 01.06.2020, 20:28 Uhr - Aktualisiert 02.06.2020, 07:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wegen der Coronakrise beklagen Reisebüros hohe Umsatzeinbußen. Für die Rettung der Reisebranche demonstriert eine Frankfurterin in Berlin.

"Ich habe immer noch Gänsehaut", sagt Simone Veres und reibt sich über ihre Arme. Wie bereits am 13. Mai war sie am Mittwoch zur Demo der Reiseveranstalter in Berlin. "Wir demonstrieren für die Rettung unserer Reisebüros, der Reiseveranstalter, der Busunternehmen und den Erhalt der gesamten Touristik", erklärt die Betreiberin von Veres Reisen in Frankfurt. Die Stimmung, die hunderte von hupenden Reisebussen im Regierungsviertel erzeugten, sei mitreißend gewesen.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Rückzahlung von Provisionen

Nach einer Luftballon-Aktion sprach Veres mit Bundestagsmitglied Klaus-Peter Schulze (CDU), der sich für den Erhalt der Reisebüros engagiert. "Die Thomas Cook-Pleite und die Coronakrise zeigen – wir brauchen einen Fonds, aus dem Provisionen, die nicht fließen, gezahlt werden", erklärt die Solo-Selbstständige. Für die Vermittlung von Reisen erhält sie als Dienstleisterin eine Provision, beispielsweise für ihre Beratung und Buchung. "Für stornierte Reisen erhalte ich nichts", sagt sie. Weil seit Jahresbeginn so viele Kunden ihre Urlaubsreisen absagen, muss Veres ebenso die zuvor erhaltene Provision wieder zurückzahlen. Nur ging das Geld allerdings längst für ihre laufenden Kosten, wie Miete, drauf. Die erhaltene Soforthilfe von 9000 Euro sei ebenso bereits aufgebraucht. Ihre finanziellen Reserven seien langsam geschmolzen. "Das war eigentlich für meine Altersvorsorge gedacht", so Veres.

"Jetzt für Oktober buchen  – bis 4 Wochen vor Abreise kostenloser Storno möglich" – auf Facebook teilt Veres ein Reiseangebot für die griechische Insel Kos. Ansonsten bucht sie für ihre Kunden einige Ziele in Deutschland, wo noch etwas frei ist. "Für Weihnachten und Silvester gibt es vereinzelte Anfragen. Und Kreuzfahrten gehen wieder gut", erzählt sie. Im Vergleich zu 2019 ist die Buchungsanzahl bei Veres Reisen auf fünf Prozent runter gerauscht. Und davon seien viele Umbuchungen.

Neben vielen Telefonaten und WhatsApp-Nachrichten mit verunsicherten Kunden hat die Reiseexpertin die freie Zeit für Fortbildungen genutzt, zum Beispiel über die Destination Abu Dhabi.

Urlaubern rät Veres derzeit mit dem Auto anzureisen, da könne kein Flug storniert werden  – oder mit dem Zug. "Ich glaube der Tourismus wird nun allgemein nachhaltiger werden, mehr wird auf die Schiene verlagert", glaubt sie.

Mit Rückführungen gestrandeter Urlauber  hatte nicht nur Veres Reisen eine Zeit lang zu tun. "In Folge einiger Shutdowns haben wir im März und April weltweit Kunden zurückholen müssen", erzählt Roger Dannehl vom Frankfurter Büro von Schmetterling-Reisen. In Kolumbien sei es besonders heftig gewesen. "Nichts ging dort mehr, kein Flieger, nichts", sagt er. 24 Stunden standen sie mit ihren Kunden in Kontakt, schalteten einmal sogar die Botschaft ein. Am verantwortungslosesten seien die Fluggesellschaften. "Condor hat alle Tickets mit einem Mal storniert. Die Urlauber mussten auf andere Airlines umgebucht werden", sagt Dannehl.

80 Prozent Umsatzeinbußen

Ferienwohnungen an der Ostsee seien aktuell gefragt. "Ansonsten ist unser Jahresgeschäft um 80 Prozent eingebrochen", sagt Dannehl. Reiseempfehlungen will er keine geben. "Ein Blick auf die Seite vom Auswärtigen Amt kann helfen." 2020 werde sein Reisebüro kein Geld verdienen – mit bisher zirka 100 000 Euro Verlust. Deswegen schaue er äußerst vorsichtig in die Zukunft. "Ich hoffe, dass wir überleben", sagt Dannehl mit Blick auf 2021. "Das Sterben in der Reisebranche ist bereits losgegangen", sagt Simone Veres. Deswegen will sie weiter für die Rettung demonstrieren.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG