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COVID-19
Theaterkasse in Bahnhofspassage Bernau muss wegen Corona schließen

Schluss nach 13 Jahren: Weil Veranstaltungen reihenweise ausfallen und die Kunden wegbleiben, hat Gabriele Frost ihre Theater- und Konzertkasse in der Bernauer Bahnhofpassage schließen müssen.
Schluss nach 13 Jahren: Weil Veranstaltungen reihenweise ausfallen und die Kunden wegbleiben, hat Gabriele Frost ihre Theater- und Konzertkasse in der Bernauer Bahnhofpassage schließen müssen. © Foto: Facebook/Gabriele Frost
Christian Heinig / 02.06.2020, 21:10 Uhr - Aktualisiert 03.06.2020, 15:04
Bernau (MOZ) Es sind harte Zeiten, die Gabriele Frost gerade durchmacht. Kurz vor Pfingsten hat sie über Facebook mitgeteilt, dass sie ihre Theater- und Konzertkasse in der Bernauer Bahnhofspassage nach mehr als zehn Jahren schließen muss. Am Dienstagvormittag saß sie dann bereits zu Hause, um das Formular für die Gewerbeabmeldung auszufüllen.

"Es ist deprimierend, aber bringt ja nichts", gesteht die gebürtige Bernauerin am Telefon und gibt sich erst gar keine Mühe, ihre Niedergeschlagenheit zu verbergen. Ihr Problem ist: Wegen Corona liegt fast die gesamte Kulturbranche brach. Fast nichts findet statt. "Es gibt keine Veranstaltungen, die ich verkaufen kann", klagt Frost, die mit ihrer Pleite nicht die einzige in der Stadt ist.

Fünf Pleiten durch Corona

Auch vier andere Gewerbetreibende mussten coronabedingt bereits die Segel streichen, teilte die Stadt auf MOZ-Nachfrage mit. Wen es genau getroffen hat, dazu kann das Gewerbeamt aus Gründen des Datenschutzes allerdings keine Angaben machen.

Für Gabriele Frost war die Pleite unvermeidlich. Anfang Mai, als es immer mehr Corona-Lockerungen gab, hatte sie ihre Theaterkasse noch einmal für drei Wochen geöffnet. "Aber es kauft keiner was. Die Leute sind verunsichert", musste sie feststellen. Stattdessen kamen ausschließlich Kunden vorbei, um bereits gekaufte Tickets wieder zurückzugeben. Da habe sie keine Alternative gesehen, als die Reißleine zu ziehen. Ihre Einnahmen sind praktisch gleich null. "Und ich habe ja auch privat Kosten", so Frost.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Angefangen hatte Gabriele Frost mit dem Verkauf von Theater- und Konzertkarten im Jahr 2007, damals noch in der Videothek ihres Mannes, "als Shop im Shop". Später hatte sie ihren eigenen festen Platz in der Bahnhofspassage. Und der Laden lief gut. So gut, dass sie ihren Mietvertrag mit der TLG Immobilien AG aus Berlin, die die Bahnhofspassage besitzt, gerade erst um drei Jahre verlängert hat. Wie sie da jetzt rauskomme, wisse sie noch nicht genau, gibt Frost zu.

Kraft zieht Gabriele Frost, die nun auf Jobsuche ist, gerade aus den vielen Dankesworten, die sie erreichen. "Das tut mir sehr leid. Immer die beste Adresse gewesen, tolle Beratung", schrieb eine Userin, als Frost auf Facebook über das Aus der Theaterkasse informierte. Sogar Bert Eulitz, Betreiber der privaten Kultureinrichtung Studio7 in Panketal, meldete sich: "Es war immer super entspannt mit dir zu arbeiten und ich danke dir für deine Unterstützung in allem."

Diverse Hilfeanfragen

Laut Stadt gibt es in Bernau mehrere Gewerbetreibende, die durch die Corona-Krise Probleme haben. Es habe diverse Hilfeanfragen an das Wirtschaftsamt gegeben, heißt es. Neben verschiedenen Unternehmen zählten dazu auch kleine Händler, Schausteller sowie Betriebe der Fitness- und Gesundheitsbranche. Im Regelfall seien die Unternehmen im Zusammenwirken mit der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB), der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und der IHK Ostbrandenburg beraten worden.

Gabriele Frost, die selbstständig tätig war, hat ebenfalls alles versucht, trotzdem ging es nicht weiter. Auf der Internetseite der Theaterkasse und bei Facebook hat sie noch ein paar Tipps hinterlassen, was Kunden mit ihren Karten tun können, sollten weitere Konzerte abgesagte werden. Ihre Abschiedsworte: "Sie waren tolle Kunden."

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