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Fahrgastschifffahrt
Die nächsten Wochen sind entscheidend

Wieder zurück am Bollwerk. Die "Kronprinz Friedrich" liegt nun am angestammten Platz am Ufer des Ruppiner Sees. Ob und wie oft sie fahren wird, hängt vor allem von der Nachfrage an den kommenden beiden Wochenenden ab.
Wieder zurück am Bollwerk. Die "Kronprinz Friedrich" liegt nun am angestammten Platz am Ufer des Ruppiner Sees. Ob und wie oft sie fahren wird, hängt vor allem von der Nachfrage an den kommenden beiden Wochenenden ab. © Foto: Eckhard Handke
Siegmar Trenkler / 04.06.2020, 17:43 Uhr
Neuruppin (MOZ) Im Bürgerbahnhof in Neuruppin steht das Telefon derzeit kaum still. An dem Anlaufpunkt für Touristen häufen sich wieder die Anfragen, berichtet Daniel Schmidt, einer der beiden Geschäftsführer. Doch was die Fahrgastschifffahrt anbelangt, bleibt es derzeit leider oft noch bei den Fragen. "Die Leute sind noch sehr verhalten. Wir bemerken zwar auch, dass wieder mehr Touristen kommen. Aber sie haben oft einfach Räder dabei und erkunden dann die Umgebung", berichtet er.

Testphase läuft

Das könnte vor allem Auswirkungen darauf haben, wie die Dampfer im Sommer unterwegs sein werden. Seit diesem Monat verkehren die Schiffe wieder auf dem See. Nach welchem Fahrplan das geschieht, hängt aber davon ab, wie die Nachfrage an den nächsten Wochenenden ist. "Wir schauen jetzt, wie sich das entwickelt. In der 25. Kalenderwoche entscheiden wir dann, wie es ab dem 1. Juli weitergehen wird", so Schmidt. Es geht darum, ob der ursprünglich geplante Saisonfahrplan in Kraft tritt oder nur das Angebot, das in anderen Jahren für die Vor- und Nachsaison bestimmt ist. Denn die großen Veranstaltungen wie die Korsofahrt fallen ebenso aus wie Buchungen durch Busunternehmen. Auch viele private Feiern, beispielsweise von Hochzeitsgesellschaften, waren bis Oktober gebucht, sagt Daniel Schmidt. "Das ist alles storniert worden." Dadurch wird es für die Fahrgastschifffahrt schwerer zu planen. "Wir haben sonst 100 Prozent der Kosten, aber je nach Belegung nur 40 bis 60 Prozent der Auslastung", erklärt Schmidt.

Platz für bis zu 66 Passagiere

Auf den Booten ist nach Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in diesem Jahr einiges anders als sonst. Die Karte wurde ausgedünnt, es gilt Selbstbedienung, und auch Desinfektionsmittelspender stehen bereit. Vor allem aber muss auch an Bord der Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden. "Wir stellen unsere Tische dementsprechend auf", so Schmidt. Bis zu 66 Personen könnten demnach mitfahren – aber nur in der richtigen Kombination. "Wenn es immer nur eine oder zwei Personen aus einem Haushalt sind, kommen wir im Schnitt eher auf 25 bis 30 Personen. Wir fahren ab Gruppen von 20 Leuten auch für einzelne Touren", bietet Schmidt an.

Wie all das zusammenpasst, wird nun genau beobachtet. Lohnt es sich nicht, wird auch im Sommer nur ein Schiff unterwegs sein und den ausgedünnten Fahrplan abdecken. Sollte die Nachfrage da sein, wird mehr möglich gemacht. Für das Unternehmen geht es dabei auch darum, was mit den Angestellten geschieht. Regulär sind es dort sechs Mitarbeiter. Davon sind laut Schmidt aber derzeit nur zwei im Dienst. Die anderen befinden sich entweder in Kurzarbeit oder sind nach der Winterpause noch nicht wieder eingestellt worden. Außer dem Personal geht es auch darum, die Kosten wieder einzuspielen, die die Boote verursachen. Bei der "Gustav Kühn" wurden im Winter beide Motoren generalüberholt. Die "Kronprinz Friedrich" bekam in der Werft eine komplett neue Antriebseinheit. Und trotz all dieser Investitionen bleibt an den Schiffen auch für die kommenden Jahre noch genug zu tun. "Wir sparen immer, und wenn wir genügend zusammenhaben, lassen wir die nächste große Sache machen", berichtet Schmidt. Zu den Dingen, die künftig noch angefasst werden müssen, zählen auch die Scheiben und die Schiebeteile der "Kronprinz Friedrich". Etwa die Hälfte der wichtigen Neuerungen, die seit der Übernahme der Dampfer geplant waren, sind inzwischen geschafft. Doch mehr geht nur, wenn auch die Gäste da sind, die wieder Geld in die Kasse bringen.

Wustrau wieder Teil der Tour

Mit dem vollen Fahrplan würde in diesem Sommer möglicherweise auch wieder ein Ziel hinzukommen, das mehrere Jahre nicht als Anlegestelle zur Verfügung stand: Wustrau. Aktuell steht laut Schmidt noch ein Gutachten der Gemeinde Fehrbellin aus, das klären soll, ob der Steg, um dessen Nutzung mehrere Jahre vor Gericht gestritten wurde, alle Anforderungen erfüllt. Er ist zuversichtlich, dass bis zum 1. Juli Gewissheit über den Zustand herrscht. Und trotz aller Herausforderungen gibt er sich weiter optimistisch. "Wir sind nicht euphorisch, aber wir hoffen das Beste für dieses Jahr", sagt er.

Die Fahrpläne

In der Vor-  und Nachsaison ist regulär nur ein Schiff unterwegs. Dann gibt es je nach Wochentag Ein-Stunden-Rundfahrten auf dem Ruppiner See, Touren nach Wustrau oder Boltenmühle.

In der Hauptsaison kommen mit dem zweiten Schiff weitere Angebote hinzu: unter anderem die Schleusenfahrt. Zudem werden dann alle anderen Touren täglich angeboten.

www.schifffahrt-neuruppin.de⇥zig

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