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Corona
Neuruppins Kitas sind nur zu 50 Prozent ausgelastet

Viele Eltern warten noch immer darauf, dass ihr Kind wieder eine Kita besuchen darf.
Viele Eltern warten noch immer darauf, dass ihr Kind wieder eine Kita besuchen darf. © Foto: dpa
Judith Melzer-Voigt / 06.06.2020, 07:30 Uhr - Aktualisiert 06.06.2020, 17:32
Neuruppin (MOZ) Wer den großen Wurf erwartet hat, der musste in den vergangenen Tagen mit einer Enttäuschung leben: Nur, weil das Land Brandenburg die Regelungen für die Kita-Betreuung geändert hat, heißt das noch lange nicht, dass sehr viele zusätzliche Kinder nun einen Anspruch auf Betreuung haben. Denn die Regeln bleiben streng, was nun zu immer mehr Kritik führt – von Eltern, aber auch von Verwaltungen wie der Neuruppiner.

Die städtischen Einrichtungen in der Stadt sind laut Sozialdezernent Thomas Fengler zu rund 50 Prozent gefüllt: Mehr geht laut der Eindämmungsverordnung nicht. Zwar sind die Teams aus Gesundheits- und Jugendamt des Kreises noch dabei, die unterschiedlichen Einrichtungen zu besuchen und dort festzustellen, wie hoch die möglichen Kapazitäten wären. Doch auch sie müssen sich an Vorgaben des Landes halten. Das bedeutet dann mitunter – wie im Fall der Neuruppiner Kita "Storchennest" – dass gar keine zusätzlichen Plätze entstehen. Bei der Bechliner Einrichtung "Regenbogen" dürfen genau drei Kinder mehr betreut werden (18 statt 15). In der Kita "Eichhörnchen" wirken sich die Veränderungen etwas stärker aus: Dort ist es nun erlaubt, 72 statt bisher 43 Mädchen und Jungen unterzubringen. Die maximale Kapazität ist damit noch lange nicht erreicht. Sie liegt in diesem Fall bei 108 Kindern.

Insgesamt werden in städtischen Neuruppiner Einrichtungen derzeit 154 Kinder in der Krippe, 336 in der Kita und 291 in den Horten betreut. Das sind in Summe 781 Mädchen und Jungen. Platz wäre im Regelbetrieb, den die Stadt Neuruppin fordert, für das Doppelte. "Von den normalen Zahlen sind wir weit entfernt", bestätigte Sozialdezernent Thomas Fengler. Er nennt das Beispiel des Hortes "Hummelnest", der sonst Platz für 180 Kinder bietet. Betreut werden dort insgesamt 60 Mädchen und Jungen. Während der Notbetreuung waren es sogar nur 41.

Hoffen auf Mitte Juni

Die Stadtverwaltung hofft nun auf die Lockerungen, die ab dem 15. Juni in Brandenburg in Kraft treten könnten. "Die Eindämmungsverordnung müsste dann aber auch so verändert werden, dass die Rahmenbedingungen passen", so Fengler. Momentan seien manche Gebote nicht durchdacht. So hatte die Landesregierung beispielsweise als Gewinn verkündet, dass Kinder mindestens einen Tag in der Woche für vier Stunden eine Kita besuchen sollen. "Aber die Erzieherin, die diese Kinder betreut, darf nicht in Kontakt mit anderen Kindern und Erziehern kommen", erklärt der Sozialdezernent. Die Fachkraft falle für die restliche Zeit aus. Logischer wäre es, wenn sie die Kinder aus der Zusatzgruppe auch gleich die gesamte Woche über betreut. "Der Weg am Anfang der Corona-Krise war vollkommen richtig", räumt Thomas Fengler ein. "Aber jetzt ist es überfällig, die Kitas zu öffnen."

Das Tandem-Team aus dem kreislichen Gesundheits- und Jugendamt ist derweil noch dabei, die Einrichtungen in Ostprignitz-Ruppin unter die Lupe zu nehmen. Es checkt vor Ort, ob mit Blick auf die Eindämmungsverordnung und den Hygieneplan des Landes hinsichtlich der Gruppengröße nach oben hin abgewichen werden kann. Die Raumgröße, die Zahl der Sanitäranlagen und auch die Hygienemaßnahmen spielen eine Rolle. Bis Freitagmittag hat das Team genau 41 der insgesamt 87 Einrichtungen im Kreis besucht. Laut Kreissprecher Alexander von Uleniecki wurden zirka 320 Plätze zusätzlich geschaffen.

Das Prozedere bei einem solchen Besuch ist folgendermaßen: Mit der Kita wird beraten, ob und unter welchen Voraussetzungen mehr Plätze geschaffen werden können. "Es wird auch auf pädagogische Fragestellungen eingegangen, und es werden Tipps gegeben, wie aus den bestehenden Möglichkeiten mehr Plätze ,herausgeholt’ werden können", so von Uleniecki. Die Einrichtungen werden sofort im Anschluss über das Ergebnis der Überprüfung informiert.

Positive Erfahrungen

"Bis jetzt sind die Erfahrungen positiv, und es konnten mehr Plätze realisiert werden", erklärt der Kreissprecher. Fest steht aber auch: Die Hygiene- und Raumvoraussetzungen sind seitens des Landes im Vergleich zum Normalbetrieb deutlich verschärft worden. Daher könne "in der Regel auch durch die Besuche und Beratungen der Tandem-Teams nicht die volle Platzzahl der Regelbetreuung erreicht werden". Alle Plätze würden erst wieder für die Kinder zur Verfügung stehen, wenn das Land die Kitas für besagte Regelbetreuung öffnet.

Der Landkreis sieht seinen Job aber nicht nur in der Überprüfung der jeweiligen Einrichtungen: Das Jugendamt habe auch allen Kitas und Horten Vorschläge unterbreitet, wie gegebenenfalls mehr Plätze geschaffen werden können. "So werden zum Beispiel zur Zeit nicht alle Kinder, für die die Eltern die Notbetreuung beantragt und bewilligt bekommen haben, tatsächlich in die Kitas gebracht", so Alexander von Uleniecki.  "Hier kann unter Umständen durch eine ,Überbuchung’ die derzeit vorhandene Kapazität voll ausgeschöpft werden."

Der Weg zum Antrag

Das Antragsformular steht allen Kommunen und Gemeinden zur Verfügung und kann auch über die Internetseite des Kreises heruntergeladen werden. Dazu müssen Interessierte auf der Seite www.opr.de auf den Corona-Button klicken. Das entsprechende Formular befindet sich dann unter "Wichtige Dokumente".

Ansprechpartner sind, wie auch schon bei der Notbetreuung, die jeweilige Kommunen.

Eine Ausnahme stellt laut Kreis aber die Stadt Neuruppin dar: Sie selbst bearbeitet nur Anträge von Eltern aus städtischen Kitas. Wenn Kinder Einrichtungen privater Träger besuchen, ist der Kreis Ansprechpartner. ⇥jvo

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