Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lektüre
Neues Buch erzählt die Geschichte des Oranienburger Waisenhauses

Friedhelm Brennecke / 06.06.2020, 12:33 Uhr
Oranienburg (MOZ) Christian Binnemann war ein berühmter Rektor des Friedrichwerderschen Gymnasiums in Berlin, Marie Elise Fink angesehene Vorsteherin einer höheren Privat-Töchterschule in Rathenow, Gustav Gause ein bekannter Ratsbaumeister in Berlin und August Hermann Veithardt ein erfolgreicher Kaufmann und Direktor einer Aktiengesellschaft in London.

Alle vier Persönlichkeiten haben eines gemeinsam – sie waren Zöglinge des Oranienburger Waisenhauses. Kinder, die ohne Eltern aufwuchsen, im von Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg gestifteten Waisenhaus Bildung und Erziehung erfuhren, Pflichten und Regeln erlernten und letztlich für ein selbstbestimmtes Leben ein solides Rüstzeug erhielten.

Artikelserie in dieser Zeitung

Siegfried Herfert (Foto), von Beruf Ingenieur, längst Rentner, Ortschronist von Birkenwerder und von jeher an der Regionalgeschichte Interessierter, ist der Historie des Waisenhauses mit großer Energie auf den Grund gegangen und hat darüber in einer langen Artikelserie von 2007 bis 2010 in dieser Zeitung geschrieben. Kürzlich sind die erweiterten Recherchen Herferts,  ergänzt und bereichert durch Beiträge von Geschichtswissenschaftlerin Jennifer Bernard und Stadtarchivar Christian Becker, als Buch erschienen.

"Das Waisenhaus Oranienburg – Eine Stiftung der Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg" klärt auf 143 Seiten über das Los der Waisenkinder, die Erziehung und den Alltag in der Einrichtung und nicht zuletzt über Lebensgeschichten der Zöglinge auf. Herfert ist es in zahlreichen Fällen auch gelungen, den Kontakt zu deren Nachfahren herzustellen und konnte dadurch das Schicksal der Waisenhaus-Kinder noch anschaulicher beschreiben und dokumentieren.

Zahlreiche Fotos, Zeichnungen und Abbildungen von Originaldokumenten geben einen beeindruckenden Einblick in die Geschichte des Waisenhauses. Wenn Gott ihren Kinderwunsch erfüllen würde, werde sie ein Waisenhaus nach niederländischem Vorbild errichten. Dieses Versprechen löste Louise Henriette von Oranien, Namensgeberin dieser Stadt, zehn Jahre nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Karl Emil ein. Ihr erstes Kind hatte sie verloren. In einer 19-seitigen Stiftungsurkunde vom 25. September 1665 wird genau beschrieben, wie das Waisenhaus zu betreiben, was an Geld und Waren von wo zu beziehen ist, um die Versorgung der Kinder sicherzustellen. Auch deren Tagesabläufe wurden minutiös geregelt, ebenso Unterricht und Erziehung, die streng im Sinne der Kurfürstin nach dem Credo der christlich-reformierten Kirche erfolgte. Dass das Waisenhaus auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Oranienburg und die Region war, arbeitet der Autor heraus.

Die zweieinhalb Jahrhunderte alte Geschichte des Waisenhauses Oranienburg endete mit dem verheerenden Bombenangriff vom 15. März 1945 auf die Stadt, als der Westflügel komplett zerstört wurde. Erst nach der politischen Wende ist er original wieder aufgebaut worden. In dem markanten Haus mit den roten Klinkersteinen und den Initialen CL (Churfürstin Louise) im oberen Gemäuer hat seitdem das Kreisgesundheitsamt seinen Sitz.

Das Waisenhaus, eines der ersten seiner Art in Deutschland, hat Oranienburg maßgeblich geprägt. Siegfried Herfert ist es zu verdanken, dass dessen Geschichte mit all ihren Facetten kenntnisreich aufgeschrieben wurde, jetzt als gut lesbare und spannende Lektüre vorliegt und hoffentlich auf großes Interesse stößt.

Das Buch beschreibt  die Geschichte des Waisenhauses seit dem 17. Jahrhundert. Es beginnt also nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg, als dessen Folge eine humanitäre Katastrophe noch deutlich spürbar war. Und es ist die Geschichte eines sozialen und segensreichen Engagements einer starken Frau sowie eines solidarischen Handelns, das auch heute noch Vorbild sein sollte für aktuelle Krisenzeiten.

Siegfried Herfert kann man zu diesem Buch nur gratulieren und aktuell zu seinem heutigen 88. Geburtstag.

Spannende Lektüre

"Das Waisenhaus Oranienburg - Eine Stiftung der Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg" von Siegfried Herfert, Jennifer Bernard und Christian Becker ist im Buchverlag Culturcon Medien Berlin erschienen.ISBN 978-3730816346. Preis: 20 Euro.

Ein Vorwort zum Buch hat der Historiker Professor Dr. Alexander Schunka von der Freien Universität Berlin verfasst.⇥bren

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG