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Trotz Corona
Mit Lamas in Brandenburg wandern

Katharina Schmidt / 07.06.2020, 04:00 Uhr - Aktualisiert 07.06.2020, 13:29
Schenkendorf (MOZ) Es ist schon ein ulkiges Bild: eine gemütliche Karawane aus Lamas und Alpakas, die durch märkische Wiesen zieht. Mit den strubbligen Kameltieren würde man eigentlich nur in den Bergen Südamerikas rechnen, doch hat sich seit elf Jahren eine Herde südöstlich von Berlin in Schenkendorf bei Mittenwalde niedergelassen. Genau genommen handelt es sich um eine Lama- und Alpaka-Zucht, die von Anita Selig-Smith geführt wird.

Mit ihrem Lamahof sorgt die 44-Jährige für eine der ausgefallensten Attraktionen im Landkreis Dahme-Spreewald südöstlich von Berlin. Sie bietet wöchentlich geführte Touren an, bei der die Teilnehmenden mit einem dieser selig dreinschauenden Huftiere an der Leine durch die Umgebung trotten können. Einmal am Seil, folgen Gandalf, Kafka, Moses oder eines der anderen Lama-Männchen einem anstandslos über Stock und Stein. Manche lassen sich ein bisschen zurückfallen, andere haben es leicht eilig oder halten geduldig Schritt.

Mythos des spuckenden Lamas

Ursprünglich kommt die Züchterin Anita Selig-Smith aus dem heutigen Chemnitz, das damals noch Karl-Marx-Stadt hieß. In den 1990er-Jahren reiste sie als Aupair nach Vermont in die Vereinigten Staaten, wo sie bei einem Waldspaziergang auf eine Frau mit Lama an der Leine stieß. "Daraufhin begann ich mich für die Tiere zu interessieren und half auf einer nahegelegen Zuchtfarm aus. Dort lernte ich, wie man Lamas versorgt und  trainiert", erinnert sich Selig-Smith.

Zurück in Deutschland erwarb sie vor 24 Jahren ihren ersten "vielgeliebten" Lamahengst Inti, noch während des Studiums für Umweltingenieurwesen an der TU Berlin. "Einige seiner Nachkommen sind noch heute Bestandteil meiner Zucht auf dem Hof." Nach Inti, dessen Namenspate der Sonnengott des indigenen Inka-Volks war, kamen noch zwei Zuchtstuten hinzu. So begann Selig-Smiths Weg in die Lamazucht.

Vor elf Jahren erwarben sie und ihr schottischer Ehemann das Land in Schenkendorf. Mittlerweile umfasst ihre Herde um die 50 Tiere. Pro Jahr verkauft sie zwischen drei und zwölf Lamas oder Alpakas, "für einen vierstelligen Betrag pro Tier", sagt Selig-Smith auf Nachfrage. Somit betreibt sie die Zucht parallel zum Tourismusgewerbe, das neben den Wanderungen auch Kurse über Lamas und Alpakas umfasst.

In den Kursen kann man unter anderem lernen, dass in Lama- und Alpakaherden die Stuten den höchsten Rang einnehmen. Die Hierarchie unter den Weibchen klärt sich über die Fruchtbarkeit. So ist eine Stute, die schon gefohlt hat, ranghöher als eine ohne Nachwuchs. Auch die Hengste regeln untereinander die Rangfolge – das jedoch physisch.

Als im Zuge der Corona-Krise die Führungen ausfielen, war das für die Männchen ein harter Alltag, den sie laut Selig-Smith "mit viel Prügel" bewältigten. Aufgrund dieses hohen Energie-Überschusses laufen ausschließlich die Hengste bei den Wanderungen mit.

Menschen spüren von diesem Dominanz-Gebaren in der Regel nichts. Auch ein Anspucken sei nicht zu befürchten. "Lamas spucken aus drei Gründen: beim Paarungsverhalten, aus Futterneid oder um ihr Territorium zu verteidigen", erklärt Selig-Smith. Wenn Lamas Menschen anspucken, liege das daran, dass sie falsch aufgezogen und somit fehlgeprägt seien. Denn als Lamas vor ein paar hundert Jahren nach Europa importiert wurden, hätten die Menschen nicht beachtet, dass es sich bei diesen Paarhufern um Distanztiere handele. Anders als Kontakttiere wie Pferde und Esel, mögen Lamas nur bedingt die Nähe zu andern. Da sie jedoch anfänglich wie europäische Huftiere beschmust wurden, betrachteten sie die Menschen als ihresgleichen und bezogen sie in ihre Gebietskämpfe mit ein, die unter anderem übers Anspeicheln ausgetragen wurden. So entstand der Mythos vom spuckenden Lama.

Seit Mitte Mai darf Selig-Smith wieder die Lama-Wanderungen anbieten. Vor jeder Tour instruiert sie die Gruppe, was bei dem Führen an der Leine zu beachten ist. Anschließend werden die Lamas und Alpakas von der Weide geholt, indem die Teilnehmer eine lose Menschenkette mit 1,5 Meter Abstand zueinander formen. Da Lamas Fluchttiere sind, können sie so in die gewünschte Richtung getrieben werden.

Fütterung der Lamas von Hand

Beim Wandern sollte man sich vor allem darauf einstellen, dass die felligen Begleiter jede Gelegenheit zum Snacken auf den Wiesen nutzen. Zurück auf dem Hof dürfen die Vierbeiner zum Abschluss noch von Hand gefüttert werden. Wer gerne Zeit mit Tieren verbringt und eine Abwechslung zu Pferdehöfen oder Streichelzoos sucht, wird die Wanderung mit Lamas sehr mögen. Das Beste an dem Ausflug ist die Entspannung, die von den lieb dreinblickenden Wandergefährten auf einen übergeht.

Wanderungen vom Märkischen Lamahof

Aktuell bietet der Lamahof die Saisonwanderung mit Lamas und Alpakas an, die samt Einweisung und anschließendem Füttern auf dem Hof ungefähr vier Stunden dauert. Aufgrund aktueller Hygienebestimmungen dürfen maximal 15 Teilnehmer mitmachen. Pro Erwachsenem kostet die Saisonwanderung 15 Euro, pro Kind (3-8 Jahre) 10 Euro und 30 Euro pro Lama-Begleitung. Man kann sich ein Lama oder Alpaka auch "teilen".

Außerdem kann der Kurs "Mit Lama und Alpaka auf Du und Du" gebucht werden, um die Tiere ohne Wandern kennenzulernen. Das Seminar kostet pro Erwachsenem 12 Euro und pro Kind 8 (2-8 Jahre) 8 Euro. ⇥kas

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