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Wolfsangriffe in Schwanebeck und Fredersdorf
Schaf, Rind und Alpaka auf der Speisekarte des Wolfs

Christoph Günter aus Fredersdorf hoffte, dass seine drei Schafe bei seinem Schwiegervater in Schwanebeck sicher untergebracht sind. Das war ein Irrtum. Zwei von drei Tiere wurden gerissen.
Christoph Günter aus Fredersdorf hoffte, dass seine drei Schafe bei seinem Schwiegervater in Schwanebeck sicher untergebracht sind. Das war ein Irrtum. Zwei von drei Tiere wurden gerissen. © Foto: privat
Bärbel Kraemer / 11.06.2020, 14:18 Uhr - Aktualisiert 11.06.2020, 19:13
Fredersdorf (MOZ) Gerade einmal sieben Wochen ist es her, dass sich Christoph Günter aus Fredersdorf entschloss, drei Schafe bei seinem Schwiegervater in Schwanebeck einzustallen. Der Grund für den Ortswechsel der Tiere: Wölfe hatten Günters Gehöft einen Besuch abgestattet und aus der Alpakaherde einen Alpakahengst gerissen.

Der Schock sitzt noch immer tief, zumal sich der Vorfall nicht in der Nacht, sondern am Tage ereignete. Um weiteren Vorfällen und Tierverlusten vorzubeugen, gab er die Schafe in die Obhut des Schwiegervaters im Nachbardorf.

Ein Fehler wie sich mittlerweile herausstellte. Zwei der drei Tiere sind tot – vom Wolf gerissen. Am Sonntagmorgen machte Werner Böhnke die traurige Entdeckung. Ein Schaf fand er mit abgenagten Rippen, fast aufgefressen.

Das zweite Schaf lag nur wenige Meter daneben. Ein Kehlbiss deutete selbst dem Laien an, dass Isegrim Verursacher des Geschehens gewesen sein könnte. Schaf Nummer drei kam mit dem Schrecken davon.

"Der Wolf muss gestört worden sein", glaubt Böhnkes Schwiegersohn Frank Müller mit Blick auf das getötete, aber nicht gefressene Tier. Gleich nach dem Fund verständigte er einen Rissgutachter.

Der Vorfall sprach sich in den Orten schnell herum und sorgte für Aufregung. In Schwanebeck als auch in Fredersdorf. In beiden Dörfern kommt es seit Wochen wiederholt zu Wolfsangriffen - auf Schafe, Rinder, Alpakas. Und das nicht etwa auf abgelegenen Weiden, sondern in Nachbarschaft zur direkten Wohnbebauung.

Gegen Mittag traf der Rissgutachter vor Ort ein, um die Kadaver und das Weidegelände in Augenschein zu nehmen. In dieser Funktion sucht er nach Wolfsspuren und Losungen, so bezeichnen Experten den Wolfskot, dokumentiert Bissstellen und nimmt Speichelproben.

Auch ohne Ergebnis der Analysen, die einige Zeit in Anspruch nehmen, wurde der Wolfsangriff vor Ort bestätigt. "Es war wahrscheinlich ein Einzeltier, das am Alten Schwanebecker Weg über den Zaun gesprungen ist", so Frank Müller weiter. Für den Schwanebecker Jäger, der seit einem Vierteljahr an der Spitze des Jagdverbandes Belzig steht, ist der neuerliche Vorfall ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Zahl der Wölfe weit größer ist als angenommen. Um einen realistischen Überblick über die Population in hiesiger Region zu bekommen, bittet er, Wolfsbeobachtungen jeder Art auf dem Portal des Landesamtes für Umwelt Brandenburg online zu melden. "Ansonsten kämpfen wir gegen Windmühlen", sagt Müller.

Für Christoph Günter, der nach dem Alpakahengst nun auch noch zwei Schafe an den Wolf verloren hat, ist der Verlust groß. "Ich hatte gehofft, die Tiere in Schwanebeck sicher stehen zu haben", sagt er sichtlich betrübt. Mit dem Ärger geht die Angst einher. "Die Abstände zwischen den einzelnen Wolfsangriffen die bekannt werden, werden immer kürzer. Das, und dass die Wölfe immer dichter an die Dörfer kommen und dort jagen, erschreckt mich", fasst der Fredersdorfer zusammen.

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