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Jenny Briesen
Tapfere und kluge Gutsherrin auf Böhne bei Rathenow

Blick in das Damenzimmer im Böhner Herrenhaus zur Zeit der von Kluges. Unter den Bildern, so berichteten Zeitzeugen, soll sich auch ein Bildnis von Jenny Briesen befinden.
Blick in das Damenzimmer im Böhner Herrenhaus zur Zeit der von Kluges. Unter den Bildern, so berichteten Zeitzeugen, soll sich auch ein Bildnis von Jenny Briesen befinden. © Foto: Archiv Wodtke
Heike Brett / 12.06.2020, 07:15 Uhr
Böhne/Rathenow Viel wurde schon über die Dichterin Caroline de la Motte Fouqué (1773-1831), geborene von Briest, auf Nennhausen geschrieben. Zahlreiche Veröffentlichungen und Veranstaltungen erinnern an sie. Sie war eine Ur-Ur-Enkelin des Landrats Jacob Friedrich von Briest (1631-1703).

Aber es gab noch eine weitere bemerkenswerte, bislang weniger bekannte, Ur-Ur-Enkelin des "Alten von Briest auf Böhne". Das war Johanna Christina Friederike (genannt Jenny) von Briest, geboren am 1. Dezember 1769 auf dem Rittergut in Böhne. Ihr Vater, Hans-Christoph von Briest war seit 1746 Besitzer des sogenannten "Großen Hofes" (jetzt Areal des Schwedenhauses) in Böhne. Ihre Mutter Sophie Elisabeth, geborene von Münchow, hatte nach Jenny noch den ersehnten männlichen Stammhalter geboren, der aber schon bald nach der Geburt starb.

Wie Jennys Kinderzeit in Böhne verlief, lässt sich nur vermuten, belegbare Fakten stehen nicht zur Verfügung. Anzunehmen ist, dass es zunächst ein Kindermädchen und im Schulalter entweder einen Hauslehrer oder ein evangelisches Internat gab, auf das Jenny geschickt wurde. Ziel war es, das Mädchen auf die bevorstehenden Aufgaben einer Gutsherrin vorzubereiten.

Zurückgekehrt nach Böhne heiratete sie im Jahre 1790 standesgemäß den Leutnant Carl Friedrich Wilhelm Titus von Möllendorf (1767-1798), Erb- und Gerichtsherr auf Wudicke, Schönfeld, Wulkow und Hohengöhren. Das Ehepaar zog in das Schloss nach Wudicke. In den nächsten acht Jahren wurden dem Ehepaar drei Töchter geboren.

Seit der Hochzeit gehörte nun auch Böhne zum Besitz der Möllendorfs. Das (Rittergut I) wurde zu der Zeit von einem Amtmann verwaltet und bewirtschaftet. Er bewohnte mit seiner Familie das um 1661 errichtete Herrenhaus (nach 1675 als "Schwedenhaus" bekannt).

Fünf Jahre nach der Hochzeit, im Jahre 1795 (Kaufvertrag vom 16. Juni 1795) kauften die von Möllendorfs den sogenannten "Kleinen Hof" in Böhne, der durch Erbteilung im Jahre 1561 separat existierte und im Besitz einer Nebenlinie der von Briest war. Dieser wurde auch als Rittergut II bezeichnet.

Am 12. März 1795 beantragten die von Möllendorf`schen Eheleute auf Wudicke die territoriale Auseinandersetzung der Gutsherrschaft mit ihren Untertanen auf ihren Gütern, darunter auch Böhne. Das Verfahren der Seperation (dörfliche Flurbereinigung) dauerte fast 15 Jahre und wurde erst im April 1810 endgültig für Böhne vollzogen.

Ein tragisches Ereignis veränderte im Jahre 1798 das Leben von Jenny von Möllendorf von Grund auf. Denn ihr Ehemann verstarb im Alter von nur 31 Jahren in Magdeburg. Die junge Witwe war seit dem Tod ihre Mannes fortan nur noch geduldeter Gast im Schloss auf Wudicke. Das Amt des Erbherren trat ein jüngerer Bruder ihres verstorbenen Ehemanns an.

Anzunehmen ist heute, dass es eine finanzielle Abfindung entsprechend dem Ehevertrag für die junge Witwe gab und Jenny und ihre Töchter ein befristetes Wohnrecht im Schloss Wudicke hatten.

Wann und bei welcher Gelegenheit Jenny von Möllendorf ihren zweiten Ehemann, Franz Briesen (1784-1858), kennenlernte ist nicht bekannt. Er war Rittergutsbesitzer in Großbeeren bei Berlin und 15 Jahre jünger als Jenny. Die Hochzeit erfolgte im Jahre 1807 in Großbeeren. Ihr gemeinsamer erster Sohn und Stammhalter Robert Briesen (1808-1894) wurde im September 1808 noch in Wudicke geboren. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der geplante Wohnsitz in Böhne, ein neues Herrenhaus, erst um 1809/1810 fertiggestellt wurde (Böhner Schloss).

Zu dieser Zeit starb in Rathenow der Gutsherr von Schmetzdorf und der "Großen Bünsche," Karl von Briest, ohne Nachkommen. Seine Besitzungen fielen an die Besitzer des Böhner Rittergutes, Franz und Jenny Briesen zurück.

Das Ehepaar bekam noch zwei weitere Kinder. Während das Mädchen gleich nach der Geburt verstarb, lebte der 1812 geborene Sohn Richard bis zu seinem Lebensende als Literat in New York.

Die Töchter von Möllendorf aus ihrer ersten Ehe zogen nicht mit nach Böhne. Sie wuchsen unter der Obhut der Großeltern Möllendorf in Hohengöhren auf.

Die Ehe von Jenny und Franz Briesen stand unter keinem guten Stern und wurde schließlich geschieden. Das Scheidungsjahr ließ sich bislang nicht ermitteln. Franz Briesen kehrte darauf mit dem jüngsten Sohn Richard nach Großbeeren bei Berlin zurück und ging mit Juli von Sobbe (1801-1878) eine neue Ehe ein. Er starb im August 1858 in Großbeeren.

Jenny Briesen führte das Rittergut Böhne bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Robert Briest von Briesen (1808-1894). Sie starb am 14. November 1832 in Berlin. Am 24. November 1832 wurde sie im Mausoleum bei Böhne beigesetzt.

Ihre Urenkelin, Mathilde von Kluge (1885-1965), geborene Briesen, war die letzte Besitzerin des Böhner Ritterguts. Sie bewohnte das dortige Herrenhaus ab 1930 bis zu ihrer Flucht vor der Roten Armee im April 1945.

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