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Ersparnis
Stadtwerke Neuruppin senken Mehrwertsteuer fürs ganze Jahr 2020

Die Stadtwerke-Kunden müssen jetzt nicht zwischendurch den Zähler ablesen, sondern können entspannt aufs Jahresende und ihr Guthaben warten.
Die Stadtwerke-Kunden müssen jetzt nicht zwischendurch den Zähler ablesen, sondern können entspannt aufs Jahresende und ihr Guthaben warten. © Foto: Dietmar Stehr
Judith Melzer-Voigt / 02.07.2020, 14:45 Uhr
Neuruppin (MOZ) Bei den Stadtwerken Neuruppin rufen derzeit etliche Kunden an und fragen nach, ob sie wegen der Mehrwertsteuersenkung nun ihre Zählerstände mitten im Jahr ablesen müssen. Nein, beruhigt Geschäftsführer Thoralf Uebach. Die Zählerstände werden wie immer am Ende das Jahres erfasst. Das bringt Stadtwerke-Kunden eine doppelte Ersparnis: Denn dadurch gilt die Mehrwertsteuersenkung für sie fürs gesamte Jahr 2020.

Zum 1. Juli ist die Steuersenkung in Kraft getreten. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte seine Projekte zur finanziellen Entlastung der Bürger vor Kurzem als "Wumms" bezeichnet. "Und für Neuruppiner macht es eben etwas mehr wumms", sagt Uebach. Hintergrund ist, dass die Zählerstände von den Stadtwerken immer zum 31. Dezember eines jeden Jahres abgelesen werden. Dieses Datum gilt quasi als der Tag, an dem die Leistung für den Kunden erbracht wurde. Genau dieser Tag ist wichtig bei der Frage, ob die Mehrwertsteuer nun 19 oder 16 beziehungsweise im Fall von Trinkwasser sieben oder fünf Prozent beträgt. Und da am 31. Dezember wirklich das gesamte Jahr abgerechnet wird, gilt eben auch die Mehrwertsteuersenkung für ganz 2020. Das sei eine Option für Energieversorger, so Thoralf Uebach. "Und die ziehen wir."

Ganz klar war dieser Weg von Beginn an nicht. Auch das Schreiben des Bundesfinanzministeriums, wie die Mehrwertsteuersenkung angewendet werden soll, kam erst am 30. Juni, also sehr kurzfristig.

Ein Rechenbeispiel

Den riesigen Wumms sieht Guido Gerlach, Leiter des Bereichs Vertrieb, bei der Ersparnis für die Kunden durch die Mehrwertsteuersenkung zwar nicht. "Aber es kommt ein Stück Kaufkraft zurück in die Region", ist er sich sicher. Als Beispiel nennt Gerlach eine Familie in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus, die 3000 Kilowattstunden Strom, 15 000 Kilowattstunden Gas, 70 Kubikmeter Trink- und 70 Kubikmeter Abwasser pro Jahr verbraucht. Diese musste vorher 2516,63 Euro zahlen. Nun sind es 2454,43 Euro – immerhin 62,20 Euro weniger.

Nicht alle Energieversorger würden das Ganze so halten wie die Stadtwerke, erklärt Thoralf Uebach. Einigen ist dieser Weg sogar versperrt. Wenn Anbieter größere Regionen versorgen, lesen sie nicht unbedingt am 31. Dezember die Zählerstände ab, sondern verteilen diese Arbeit übers ganze Jahr. Da aber das Datum gilt, hätten mitunter die Kunden das Nachsehen. "Wir machen aber keinen Unterschied bei den Edis-Kunden in den Ortsteilen", so Uebach. "Auch sie werden wie alle anderen abgerechnet."

Die Umstellung auf die neue Rechnung ging bei den Stadtwerken problemlos über die Bühne. Am Mittwoch wurde das Abrechnungssystem umgestellt. An diesem Tag liefen die letzten Tests für Hausanschlüsse. Die Preisblätter auf der Internetseite sind angepasst worden. Im Online-Tarifrechner läuft die Überarbeitung noch, erklärt Guido Gerlach. Doch auch dieser Schritt ist bald abgeschlossen.

Abschläge bleiben gleich

Die monatlichen Abschläge der Kunden werden für den Rest des Jahres nicht verändert. Die Ersparnis durch die Steuersenkung wird im Jahresabschluss als Guthaben angerechnet, erklärt Thoralf Uebach. Wenn die Kunden es trotzdem möchten, können zwar auch die Abschläge herabgesetzt werden. Doch die Stadtwerke selbst müssen noch den Rest des Jahres 19 Prozent Umsatzsteuer an die Stadt Neuruppin abführen. Erst, wenn am 31. Dezember abgerechnet wird, erfährt das Unternehmen, was es wirklich eingenommen hat. "Dann bekommen wir das Geld aus der Steuersenkung wieder, ich rechne mit Mai", sagt Thoralf Uebach. Rund 740 000 bis 770 000 Euro betrage diese Summe.

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