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Pläne
Seelodge-Eigentümer will den Wassertourismus in Kremmen voranbringen

Marco Winkler / 02.07.2020, 19:46 Uhr
Kremmen (MOZ) Er spricht von einer Unterversorgung für den Wassertourismus zwischen Oranienburg und Neuruppiner See. Als Eigentümer der Seelodge will Robert Baumgart diese Lücke in Kremmen schließen. Es sei ein Gesamttourismuskonzept notwendig, sagt er. Zuletzt machte Baumgart eher mit der temporären Sperrung der Badestelle am Kremmener See auf sich aufmerksam. Hier will er die Wogen glätten, sein mit einem Erbbaupachtvertrag festgesetztes Hausrecht aber wahren.

Eine Frage schwirrt bei allen Projekten und Aufgaben im Kopf des 54-Jährigen herum: Wie erreicht er die kritische Masse? Sowohl beim Badebetrieb als auch mit den Wassertourismus-Plänen. 2016 stieg Baumgart mit einem Hausbootverleih in Lindow ins Geschäft ein. "Meine Bekanntschaft mit dem Ruppiner Seenland führte mich nach Kremmen", sagt er. "Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ich hier auftauche." Die Seelodge, die Steganlage und das Anwesen hätten ihm sofort gefallen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Steganlage für Boote und Gastlieger genutzt werden soll. "Wir haben die notwendige Infrastruktur hier: Fäkalienpumpe, Müllentsorgung, Wasser zum Nachfüllen." Hinzu kommen Übernachtungsmöglichkeiten. Baumgart, das Basecap tief in der Stirn, der Blick skeptisch, lobt die Zusammenarbeit mit der unteren Wasserbehörde und der unteren Naturschutzbehörde.

Er setzt auf die Wiedereröffnung der vor 60 Jahren zugeschütteten Schleuse Friedenthal. Oranienburgs Stadtverordnete winkten das Projekt im Mai durch. Mehr als acht Millionen Euro kostet der Neubau, Bund und Land investieren sieben Millionen, den Rest trägt die Stadt. "Dann werden viel mehr Wassertouristen in unser Seengebiet kommen", sagt Baumgart. Aus Oranienburg kommend wäre die Seelodge nach etwa 30 Kilometern die erste Anlaufstelle. An den wegen Trockenheit variierenden Wasserstand hat er gedacht: "Die Schwimmbetonstege unseres Wasserwanderrastplatz halten schwankende Wassertiefen aus."

Er kann durchstarten. In Lindow, dem Geschäftssitz seiner Firma "Eisvogel Touren", liegen teilweise ohne Führerschein steuerbare Boote, Motoryachten (in der nächsten Saison sollen es zehn sein) sowie Flöße bereit. Ein Elektroboot ist die neueste Anschaffung. Perspektivisch könnte er sich vorstellen, seinen Hauptsitz ins Naturschutzgebiet nach Kremmen zu verlagern.

Reine Eventlocation plus Strand

Seit Oktober 2019 ist Baumgart Eigentümer der Seelodge. Zuvor betrieb er das Bistro. Die Seelodge, ein in den See gebauter Landhausstil-Bau auf 64 Pfählen, ist seit Ende 2015 eine reine Veranstaltungslocation für bis zu 180 Personen. Die Gastronomie, wie sie viele Kremmener in Erinnerung haben, gibt es nicht mehr. Aus wirtschaftlichen Gründen offenbar. "Für kleinere Veranstaltungen wie eine Jugendweihe oder einen Geburtstag haben wir zudem ein Eventzelt am Strand aufgebaut", sagt Baumgart, der den Spagat zwischen wirtschaftlicher Eventlocation und öffentlicher Nutzung erreichen will.

Aus versicherungstechnischen Gründen musste er kürzlich, wie mehrfach berichtet, den Badestrand temporär schließen. Als Eigentümer würde er bei Badeunfällen haften. Er braucht einen Rettungsschwimmer, da die Wassertiefe am Steg ein hohen Unfallrisiko birgt. Für Kremmener war das eine Überraschung. "Bereits 1932 war die Badeanstalt samt Strandhalle über die Grenzen hinaus ein berühmter und begehrter Treffpunkt für Naturliebhaber, Wasserbegeisterte und Menschen, die während eines schönen Essens die Seenlandschaft und einzigartigen Sonnenuntergänge genießen wollten", heißt es auf der Internetseite der Seelodge.

Kurzfristig konnte Baumgart in Zusammenarbeit mit der DLRG eine Lösung finden. Nun gibt es Badetage am Kremmener See und solche, an denen das nicht gewünscht ist. Nur das Springen vom Steg aus werde zur Sicherheit wahrscheinlich komplett untersagt. Ziel sei es, den Sonntag als festen Badetag zu etablieren und zwei weitere variabel zu gestalten. Geht es nach der Stadt, muss Baumgart konkreter liefern.

Freibad und Dampfer

Wenn die Stadtverordneten dem Zuschuss über 4 000 Euro für Rettungsschwimmer zustimmen, fordern sie eine Öffnung an vier Tagen in der Woche bis Ende August. Im Pachtvertrag ist unter anderem eine "ausschließliche Nutzung" der Anlage als Freibad vorgesehen. Wie genau das nun rechtlich definiert ist, sei im Fall der Fälle zu klären. Baumgart legt Wert auf Begrifflichkeiten und Verbindlichkeiten. So habe er den Zuweg zur alten Dampfanlegerstelle am Ruppiner Kanal gesperrt, um sein Grundstück einzuzäunen. Das sei sein Recht als Eigentümer. Die Anlage gebe es nicht mehr, also müsse dort kein Weg hinführen, so Geschäftsmann Robert Baumgart.

Mit Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) habe er konstruktive Gespräche geführt. Wenig verwunderlich: Der Geschäftsmann rennt beim Rathauschef offene Türen ein. Busse will den Wassertourismus seit Jahren stärken. Vor zwei Jahren sagte er in einem Gespräch: "Wir müssen unbedingt auf die Wassertourismus-Schiene aufspringen und versuchen, eine Kanuleih-Station und einen Zeltplatz anzubieten."

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