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Imbiss im Airstream-Trailer
Zepernicker Gastronom ist mit Foodtruck in Bernau unterwegs

Christian Heinig / 03.07.2020, 05:30 Uhr
Zepernick (MOZ) Wenn man Daniel Eggert zum Interview in Zepernick trifft, kann man sich den Blick auf die Hausnummern sparen. Es reicht, in die richtige Straße einzubiegen. Denn schon von Weitem sieht man dann sein Arbeitsgefährt: einen silberglänzenden und acht Meter langen Foodtruck-Trailer, genannt "Airstream". "Kann man nicht verfehlen, oder", sagt Eggert grinsend zur Begrüßung am Gartentor.

Seit 2013 tourt der 37-Jährige mit seiner "rollenden Küche", wie er den umgebauten Wohnwagen nennt, durch Berlin und Brandenburg. Er hat schon im Estrel-Hotel Burger und Pommes serviert, genau wie im Tropical Island (Dahme-Spreewald). Und seit Kurzem ist Eggert, der gebürtig aus der Hauptstadt stammt, auch im Barnim unterwegs: Immer freitags steht er ab 12 Uhr auf dem Rewe-Parkplatz in Schönow.

Wie es dazu kam? Ganz einfach: Eine spontane Eingebung innerhalb der Familie. "Wir haben uns gefragt: Wieso immer so weit fahren, die Barnimer mögen doch bestimmt auch gute Burger", erzählt Janet Stornowski, Eggerts Partnerin, die aus Zepernick kommt und seit 2017 wieder hier lebt – nun mit Mann und Kind. Da sich über Kontakte die Option mit dem Supermarkt als Stellplatz ergab, musste Gastronom Eggert nicht lange überlegen – und startete Mitte Juni einen Probelauf. Mit Erfolg. Heute folgt bereits der dritte Auftritt mit dem amerikanischen Essen auf Rädern.

Die kurzen Fahrtwege sind aber nicht der einzige Grund, weshalb der Burger-Macher nun auch im Barnim auf Tour ist. Corona spielt ebenfalls eine Rolle. Eggert bietet nämlich Catering für Hochzeiten und Events an, vieles davon wurde aber in letzter Zeit abgesagt. Da brauchte es neue Ideen.

Ideen ist dabei ein gutes Stichwort. Die Idee mit dem rollenden Foodtruck ist Eggert Anfang der 2010er-Jahre gekommen, in seiner "WG-Küche". Dort saßen er und sein heutiger Geschäftspartner, Lars Sommer, zusammen und grübelten. Beide hatten gerade ihr BWL-Studium an der Hotelfachschule Berlin abgeschlossen und standen vor der Frage: Selbstständigkeit oder irgendwo ins Management wechseln? "Wir wollten was Mobiles machen – und über Facebook bin ich dann auf die Airstream-Trailer gestoßen", erzählt Eggert. Das sei noch vor dem Foodtruck-Hype gewesen, der später folgte.

Trotzdem war die Suche nicht leicht, denn die "Airstreams", auch "silver rocket" genannt, sind begehrt – und das weltweit. Erfunden wurden sie in den 1930er Jahren von dem Amerikaner Wally Byam. Ihr Hauptmerkmal: die silber glänzende Außenhülle, die komplett aus unlackiertem Aluminium besteht.

In Horst bei Kiel fand Eggert schließlich einen Fachmann, der "Airstreams" besorgt und umbaut. "In Amerika sind richtige Scouts unterwegs, die alte Wohnwagen suchen." Der "Airstream", der nun in Zepernick steht, stammt aus dem US-Bundesstaat Ohio. 20 000 Euro hat er mit Zoll und Überführung gekostet. Für den Umbau zur 15 Quadratmeter großen rollenden Küche – samt Konvektomaten und Grillplatte – waren noch einmal 40 000 Euro fällig. Ein Kredit musste Eggert allerdings nicht aufnehmen. Er hat das zusammen mit seinem Geschäftspartner aus privater Tasche bezahlt. Und das auf fast kuriose Weise: "Wir hatten zu dem Zeitpunkt einem Imbiss auf der Deck 5-Strandbar in den Schönhauser Allee Arcaden", erzählt Eggert. Dort haben beide Flammkuchen verkauft. Und das Geschäft lief so gut, dass monatlich einige tausend Euro extra zusammenkamen. "Der Flammkuchen Tomate-Mozzarella hat uns praktisch den Trailer finanziert", sagt Eggert mit einem Schmunzeln. Er war die Geburtsstunde der Firma "Airstream Catering".

Studierte Theaterregisseurin

Seinen Umzug vor drei Jahren von Berlin-Karlshorst nach Zepernick bereut der Amerika-Fan übrigens nicht – im Gegenteil. Eggert genießt die Idylle, genau wie seine Partnerin. "Meine Eltern und Onkels leben heute noch hier", erzählt Janet Stornowski. Sie ist studierte Theater-Regisseurin. Früher hat sie in ganz Deutschland inszeniert. Ihr Lieblingsstück: Ibsens "Gespenster". Das viele Rumreisen war ihr irgendwann aber zu viel, vor allem nach der Geburt der gemeinsamen Tochter, die bald drei wird. Inzwischen arbeitet die 34-Jährige deshalb als Gastdozentin an der Schauspielschule "Ernst Busch". Zudem ist sie am Bildungszentrum in Lobetal als Theaterpädagogin tätig. Doch auch was den Airstream-Trailer angeht, hilft sie, wo sie kann. Beim Organisieren, bei den Einkäufen. Und nicht zuletzt dabei, dass er jetzt auch im Barnim unterwegs ist.

Acht Meter lang, drei Tonnen schwer

Die "Airstream-Trailer" gehen auf den US-amerikanischen Wohnwagen-Pionier Wally Byam zurück. Er entwickelte sie in den 1930er-Jahren. Die markante Optik mit der silberglänzenden Aluminium-Hülle ist dabei kein Zufall. Damit sollte Gewicht gespart werden, damit der Trailer leicht genug ist, um von jedem Auto gezogen zu werden.

Das "Airstream"-Modell des Zepernickers Daniel Eggert ist Baujahr 1960 und stammt aus dem US-Bundesstaat Ohio. Es ist acht Meter lang, drei Tonnen schwer und beherbergt eine 15 Quadratmeter große Küche.⇥red

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