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Streit
Kulturministerin fordert neuen Beschluss zu Straßennamen in Oranienburg

Klaus D. Grote / 03.07.2020, 07:00 Uhr - Aktualisiert 04.07.2020, 09:51
Oranienburg (MOZ) Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) kritisiert die von Oranienburgs Stadtverordneten beschlossenen Straßennamen für das Baugebiet am Aderluch, das sich auf dem Gelände eines früheren KZ-Außenlagers befindet.  "Die Entscheidung für die Namensbenennungen ist dieses Ortes nicht würdig und ich empfehle dringend, sie zu überdenken", sagte Manja Schüle auf Anfrage.

Die Ministerin erinnerte an die besondere Verantwortung, an die nationalsozialistische Geschichte zu erinnern. "Insbesondere an dem historischen Ort eines ehemaligen KZ-Außenkommandos gilt es, an die Menschen zu erinnern, die im KZ Sachsenhausen gelitten haben, ermordet wurden oder an den Lagerbedingungen gestorben sind", sagte Manja Schüle und verwies auf die "eindringlichen, internationalen Appelle, gerade der Überlebenden des Konzentrationslagers und ihrer Angehörigen".

Umstrittener Name Gisela Gneist

Unter anderem das Internationale Sachsenhausenkomitee, der Beirat der Gedenkstättenstiftung und der Zentralrat der Juden hatten die Namenswahl kritisiert, weil neben einem KZ-Opfer mit Gisela Gneist auch an eine Insassin des sowjetischen Speziallagers erinnert werden soll. Damit komme es zu einer unzulässigen historischen Gleichsetzung beider Lager.

Zudem ist die 2007 gestorbene Gisela Gneist, die im Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen Häftling war und seit 1994 Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen" war, in schlechtes Licht geraten. In ihrer Funktion als Vereinsvorsitzende soll sie mehrfach Falschbehauptungen über die Konzentrationslager geäußert haben. Unter anderem soll sie Existenz von Gaskammern im KZ Sachsenhausen geleugnet oder den Holocaust verharmlost haben, indem sie die Zahl der Opfer der NS-Konzentrationslager anzweifelte. Zudem steht im Raum, dass sie das sowjetische Lagersystem mit den NS-Vernichtungslagern gleichgesetzt habe.

Mehr Hintergründe: Appell gegen Straßennamen in Oranienburg

Namen von Comicfiguren 

Der Stadtverordnete Thoams Ney (Piraten) verteidigt die Namensfindung. Der Vorschlag von Bürgermeister Alexander Laesicke, die Straßen nach Fantasy- und Kinderromanfiguren zu benennen, habe die Kommission abgelehnt. Es hätte sonst eine Harry-Potter-Straße am Aderluch gegeben. Auf seiner Homepage schreibt Ney, dass es der Kommission darum ging, mit den ausgewählten Namen Frauen zu würdigen. Die Gedenkstätte habe zunächst keine Frauennamen vorschlagen.

Die Liste sei schließlich "gemeinsam erarbeitet, einstimmig angenommen und später vom Hauptausschuss einstimmig befürwortet" worden, so Ney. Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann (SPD) bedankte sich bei Thomas Ney für den "Versuch, Sachlichkeit in den Beschluss zu bringen".

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