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Kostenexplosion
Neuenhagen stoppt Planungen für Schulcampus Gruscheweg

Liegt erst einmal auf Eis: Im November vorigen Jahres nutzten viele Neuenhagener bei der Bürgerversammlung die Möglichkeit, sich das Modell vom Schulcampus am Gruschweg anzuschauen.
Liegt erst einmal auf Eis: Im November vorigen Jahres nutzten viele Neuenhagener bei der Bürgerversammlung die Möglichkeit, sich das Modell vom Schulcampus am Gruschweg anzuschauen. © Foto: Uwe Spranger
Dirk Schaal / 04.07.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 04.07.2020, 17:16
Neuenhagen (MOZ) Neuenhagen stoppt das Planungsverfahren zum Bildungscampus Gruscheweg. Einem entsprechenden Beschlussvorschlag der Verwaltung im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Gemeindevertretersitzung folgten die Abgeordneten einstimmig. Hintergrund der Entscheidung ist eine erhebliche Kostenüberschreitung, die sich beim gegenwärtigen Stand der Planungen abzeichnet und die die Gemeinde finanziell überfordern würde.

Mögliche Einsparpotenziale, die seitens des Architektenbüros nach einer Überarbeitung der vorgelegten Vorentwurfsplanung aufgezeigt wurden, führen aus Sicht der Gemeinde zu deutlichen Einschränkungen bei der Nutzung der Grundschule sowie der Sporthalle. So müssten Fach- und Teilungsräume entfallen sowie andere Räume eine Doppelnutzung für Hort und Schule erfahren – und eine solche wollte die Gemeinde bei der neu zu erbauenden Schule nicht.

Ebenso wenig könne sie eine Verkleinerung der Mensa/Aula zustimmen, die dann den Raumvorgaben des Landes Brandenburg nicht mehr entspräche, so die Verwaltung. "Die Einsparvariante entspricht danach im Ergebnis nicht mehr den Mindest­anforderungen der Gemeinde", konstatierte die Verwaltung und schlug den Gemeindevertretern daher die Einstellung dieses Planungsverfahrens vor.

Die Gemeindevertretung war nicht wirklich von der Situation überrascht, wohl aber von der Höhe der Summe und davon, dass dieser Vorgang als Tischvorlage den Weg in die Sitzung fand. "Deshalb blieb für die Abgeordneten natürlich keine Zeit, sich auf diesen Punkt vorzubereiten und vielleicht andere Lösungsmöglichkeiten anzuregen. Dazu hätte man den Vorgang mindestens zwei bis drei Tage vorher zur Kenntnis haben müssen. Deshalb blieb uns auch gar nichts weiter übrig in dieser Situation, als so abstimmen", erklärt Ilka Goetz (Linke), Vorsitzende der Gemeindevertretung.

Die Schätzung der Baukosten für den Schulcampus betrug bislang 30 Millionen Euro. Jetzt wurden vom "Architektenbüro Numrich Albrecht Klumpp" etwa 56 Millionen Euro, tendenziell eher mehr, genannt. Fast eine Verdoppelung. Geschockt war über diese Zahl auch die Gemeindevertretung. Als Begründung für diese Kostenexplosion wurden vom Architektenbüro etwa 20 Prozent Mehrkosten für die Bauausführung mit einem Generalunternehmer und erhöhte Anforderungen gegenüber dem Architektenwettbewerb genannt. So waren u. a. nur eine Zwei-Felder-Halle sowie Räume in Doppelnutzung Hort und Schule gefordert. Inzwischen sei aber eine Drei-Felder-Halle gewünscht und die Doppelnutzung auf Anraten von Fachleuten vom Tisch. Das zog einen höheren Raumbedarf nach sich. Den Vorschlag der Verwaltung, nun doch an der Zwei-Felder-Halle festzuhalten, lehnte die Gemeindevertretung jedoch ab. Gerade auch mit dem Hintergrund, dass solch eine Sporthalle notwendig sei, wenn auf dem Campus auch eine Oberschule gebaut werden sollte.

Förderschule nicht betroffen

Der Planungsstopp betrifft nicht die Förderschule, die der Landkreis am Gruscheweg bauen möchte. Dieser wird nach derzeitigem Kenntnisstand an den Planungen festhalten.

Nach dem Beschluss der Gemeindevertretung wurden nach entsprechenden Gesprächen mit dem Architektenbüro, dem Landschaftsarchitektenbüro und den beteiligten Fachplanern die bisherigen Planungen angehalten. Die Gemeinde muss nun schnellstmöglich ein neues Verfahren starten. Ziel ist es, ähnlich wie seinerzeit beim Neubau des Bürgerhauses, Planung und Ausführung in die Hand eines Unternehmens zu geben, um frühzeitig eine Kostensicherheit für die Gemeinde zu erlangen. Einen entsprechenden Vorschlag soll die Verwaltung den Gemeindevertretern bereits zur nächsten Beratungsrunde nach der Sommerpause im August vorlegen.

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