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Literatur
Harry Krumpach aus Neuruppin schreibt Gedichte

Er mag die "Meister der Worte": Harry Krumpach hat daheim eine stattliche Bibliothek. Der 66-Jährige schreibt auch selbst – überwiegend Gedichte.
Er mag die "Meister der Worte": Harry Krumpach hat daheim eine stattliche Bibliothek. Der 66-Jährige schreibt auch selbst – überwiegend Gedichte. © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 05.07.2020, 02:15 Uhr
Neuruppin (MOZ) Der Abend wiegte schon die Erde, und an den Bergen hing die Nacht. Schon stand im Nebelkleid die Eiche, ein aufgetürmter Riese, da, wo Finsternis aus dem Gesträuche mit hundert schwarzen Augen sah", zitiert Harry Krumpach mit einem Lächeln und mit ein wenig stolz geschwellter Brust das Gedicht "Willkommen und Abschied" von Johann Wolfgang Goethe. Gelernt hat es der 66-Jährige bereits als Kind – bis heute hat er es nicht vergessen. Wahrscheinlich waren es auch genau diese Zeilen, die vor Jahrzehnten seine Liebe zur Lyrik geweckt haben. Heute schreibt der Neuruppiner, der beruflich die meiste Zeit auf Baustellen unterwegs war, selbst viele Gedichte.

Wie von einem anderen Stern

Geweckt wurde seine Leidenschaft wahrscheinlich auf einem Ausflug nach Weimar in der neunten oder zehnten Klasse. Dort besuchten seine Mitschüler und er unter anderem Goethes Wohnhaus und lernten dessen Schriften kennen. "Das waren für mich damals Zeilen wie von einem ganz anderen Stern", sagt Krumpach heute noch mit Begeisterung in der Stimme. Auch sein damaliger Lehrer Brack an der Puschkinschule, der eine Leidenschaft für Literatur und die deutsche Sprache nur so versprühte, inspirierte ihn, bald selbst zum Stift zu greifen. So manche jugendliche Schwärmerei habe er damals in Verse gegossen. "Hätte ich meine Frau schon gekannt, hätte ich für sie bestimmt auch ein Gedicht geschrieben", ist er heute überzeugt.

Sein Hobby hat Krumpach aber nicht zum Beruf gemacht. "Da habe ich in der Schule wohl etwas gebummelt", räumt er ein. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse lernte er Schlosser in Neuruppin, arbeitete bei der Energieversorgung, war Heizer, Schweißer und trug sogar Kartoffeln in der Stadt aus. "Es stand immer was an, und ich habe viel gearbeitet. Man musste ja vorwärts kommen", sagt er.

Obwohl er selbst in dieser Zeit kaum noch dichtete, bewahrte er sich seine Leidenschaft für Kunst und Kultur. "Das hat mich trotzdem immer noch interessiert", erzählt der Neuruppiner. So, wie er heute gerne die Veranstaltungen in Stadtgarten und Kulturkirche besucht, tourte er auch zu DDR-Zeiten zur Gemäldegalerie nach Dresden und fuhr zum Kabarett nach Berlin. Zwischendurch las er immer wieder moderne Lyrik – die vor Jahrzehnten aber noch einfacher zu verstehen gewesen sei. Dass viele Menschen heute zu neumodischen Stücken keinen Zugang mehr finden, könne er durchaus verstehen, sagt der Vater von zwei Kindern und Opa von sechs Enkeln.

Arbeit geht vor

Harry Krumpach arbeitete später noch im Fertighauswerk, lernte Zimmermann, bildete sich nach der Wende kaufmännisch fort und wurde Ausbaumeister. Bei der Ruppiner Ausbau GmbH leitete er schließlich bis zu seinem Ruhestand die Fliesenleger-Abteilung. "Das war eine sehr gute Truppe. Und die Baustelle hat ihre eigenen Gesetze", sagte er.

Baustelle und Gedichte – was augenscheinlich nicht zusammenpasst, hat bei dem 66-Jährigen irgendwie zusammengefunden. Gereimt habe er seinerzeit aber höchstes bei privaten Anlässen zu Geburtstagen oder Hochzeiten im Kreise der Familie oder für Freunde – auf keinen Fall im Dienst.

Als er in Rente ging, habe er sporadisch wieder angefangen zu schreiben. So richtig aufgeflammt sei die Leidenschaft aber erst mit der Corona-Krise. Weil auch er nicht mehr so viel wie bisher unterwegs sein konnte, um eine Ansteckung zu vermeiden, blieb er viel daheim. "Aber man kann ja nicht nur die ganze Zeit Fernsehen gucken oder Bücher lesen", sagt Krumpach. Deshalb schreibt er derzeit mehr denn je. Mehr als 100 Gedichte sind so entstanden – über die Natur, den letzten Urlaub, die Liebe ... über alles. "Umso mehr man schreibt, umso leichter fällt es einem", sagt er. Mittlerweile verfasst er fast täglich ein Gedicht. Inspiration findet Harry Krumpach fast überall: "Manchmal schon morgens beim Aufstehen oder wenn ich hier draußen mit dem Hund unterwegs bin."

Zwei Gedichte

Dein seinDein sein, ist alles haben,ist täglich sich in Liebe baden,ist niemals traurig Einsamkeit,ist niemals Schmach Verlassenheit.

Dein sein, das  ist die wahre Größe,auf der verirrten Erde Blöße.Dein sein, ist Hoffnung auf das Gute,ist taumelnd Trunkenheit im Blute.

Dein sein, ist Licht am dunklen Herde,ist schöner als ein Ritt zu Pferde;Dein sein, ist frei von allen SorgenDein sein, ist Hoffnung auf morgen.

Dein sein, ist eines immer dar,Dein sein, lässt Zauber werden wahr.Dein sein, ist wie die Sonne klar,Dein sein, ist einfach wunderbar.

Bei HemingwayBei Hemingway sind wir gestanden,in einer Bar in Trinidad;die heute noch, so wie wir fanden,den Charme vergangener Tage hat.

Ich wollte ihn so vieles fragen,doch er stand stumm, in Bronze da;ein Monument aus alten Tagen,als Lesen noch in Mode war.

Da waren wir an allen Orten,die einfach er beschrieben hat;wir haben verschlungen seine Bücherund haben genossen Blatt für Blatt.

Wir haben nie mit ihm gebrochensein Stil war einfach wunderbar;er hat uns alle angesprochen,mit seiner Sprache rein und klar.

Er hat gelebt aus vollen Zügen,gierig mit Lust, die Kunst gebiert,hat mit dem Schreibensich geschaffen,ein Reich, das er noch heut regiert.

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