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Manja Wilde / 18.08.2010, 08:34 Uhr
Sandkrug (In House) Seinem Opa saßen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl Model. Und irgendwann befiel das Bildhauer-Gen auch den Polizisten Peter Maerker. In ganz Sandkrug sind seine Holzskulpturen anzutreffen. Die meisten Werke allerdings werden die Werkstatt des 61-Jährigen nie verlassen.

Er ist kein Künstler. Das stellt Peter Maerker gleich zu Anfang klar. „Ich trage keinen bunten Schal und habe keinen Hut auf“, nennt er zwei Gründe. Für ihn sei die Bildhauerei ausschließlich Hobby. Er muss nicht davon leben, will es auch nicht – und würde sowieso keines seiner Werke verkaufen. Höchstens verschenken. Dennoch kennen die meisten Sandkruger die Arbeiten von Peter Maerker. Spätestens seit vergangenem Jahr. Damals richteten sie ihren neuen Spielplatz am alten Feuerwehrhaus mit viel ehrenamtlichem Engagement ein. Peter Maerker fertigte dafür sechs Märchenfiguren.

„Was machste?“, fragte sich der Bildhauer, nachdem er beschlossen hatte, den Kindern etwas zu schenken. „Märchen“, lautete seine die Entscheidung. „Warum?“, fragt Peter Maerker weiter. „Weil viele Kinder heute einfach abgeschoben werden, vor den Fernseher oder Computer.“ Peter Maerker spricht schnell, in einem gewissen Stakkato-Stil sogar. In seinen blauen Augen leuchten Tiefsinn und Witz. Eine ungewöhnliche Mischung. „Ich wollte, dass die Kinder ihre Eltern fragen, was das für Figuren sind und dass ihre Eltern dann vielleicht mal wieder ein Märchenbuch zur Hand nehmen“, sagt Peter Maerker. Darum blicken Max und Moritz oder Brüderchen und Schwesterlein auch direkt auf Augenhöhe in die Kindergesichter. Darum hat das Brüderlein auch nur ein Ohr. „Die Leute sollen sich wundern, sie sollen sich Gedanken machen“, nennt der 61-Jährige seinen Ansatz.

Der Tiefsinn und die „zweite Ebene“ durchziehen die gesamten Arbeiten. Im Regal der kleinen Holzwerkstatt stehen Fragen über Fragen. Eine Frau mit einer Brust blickt optimistisch zur Decke. „Ja, ich lebe“, will sie dem Betrachter sagen. „Jeder hat Schweres durchzumachen“, ist sich Peter Maerker sicher.

Auch sein Leben verlief nicht ohne Brüche. Zwei Scheidungen und 13 Umzüge stehen in der Vita – doch von vorn. Peter Maerker wuchs in Oderberg auf, absolvierte eine Ausbildung zum Kfz-Schlosser und ging danach zur Polizei, um der Einberufung zur Nationalen Volksarmee zu entgehen. Dort machte er seinen Kfz-Meister, legte den Diplom-Betriebswirt nach, wurde schließlich Offizier für Technik und war im Kreis Eberswalde für Kraftfahrzeuge und Bewaffnung der Polizei zuständig. Mit der Wende kamen die Reformen. Und die Ungewissheit. Peter Maerker brauchte ein Hobby, um sich abzulenken, Ruhe zu finden.

„Mit den Händen habe ich schon immer gearbeitet“, sagt der 61-Jährige. Außerdem lag die Bildhauerei in der Familie. Großvater Otto Maerker war zu DDR-Zeiten Bildhauer gewesen. In seinem Haus in Kleinmachnow saßen sogar DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl und Präsident Wilhelm Pieck Model. Für den Tierpark fertigte er die Büste von Alfred Brehm. Ganz so weit hat es Peter Maerker nicht gebracht. Selbst Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hätte sich wohl nicht freiwillig für die Büste hergegeben, als die er nun in der Sandkruger Werkstatt steht. Maerker jedoch hatte ein Hühnchen mit dem Mann zu rupfen, der die Polizeireform seiner Meinung nach falsch anpackte. Als Strafe muss Schönbohm nun da oben stehen. Und auf den kleinen Holzsarg blicken, den Maerker für den Polizei-Schutzbereich Barnim angefertigt hat. „Was soll das, die Eberswalder Wache in der Nacht dicht zu machen“, schimpft er.

Am 1. April 2008 ist der Polizist in Rente gegangen. Den ganzen Tag kann er nun seinem Hobby frönen, die Natur um Sandkrug genießen und den schönen Garten um das Haus, das er 1998 baute, pflegen. „Hier fühle ich mich wohl und wurde gut aufgenommen“, lobt er seine Wahlheimat. Kathrin Kegel ging es genauso, als sie vor 15 Jahren nach Sandkrug zog. „Die ganze Siedlung hat auf unsere Kinder aufgepasst“, schwärmt die Ortsvorsteherin. Überhaupt ist sie überaus zufrieden mit der Arbeit ihrer Vorgänger und der rührigen Vereine. Nur eine Spezies bereitet ihr Kopfzerbrechen. Die Biber. Sie haben den Großen Heiligen See so sehr gestaut, dass das Wasser einen Meter anstieg. Der Badesteg ist verschwunden. Die Wälder versumpfen. „Mit dem Nabu wollen wir eine Lösung finden“, sagt Kathrin Kegel.

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