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Glockenstifter Ritter Kuno

Kirche in Krummensee
Kirche in Krummensee © Foto: Lars Franke
FOSCHROEDER / 08.03.2011, 19:16 Uhr
Krummensee (In House) Die ältesten Dorfkirchen im Barnim entstanden im 13. Jahrhundert. Als aus allen Ecken und Enden landlose Bauern in unseren Landstrich strömten. Als erste massive Bauten aus Stein wurden anno dazumal Gotteshäuser errichtet. In Krummensee hat sich unser Autor Lars Franke umgeschaut.

Keiner weiß genau, wann die Krummenseer Kirchenglocke gegossen wurde. Eine Jahreszahl ist nicht zu erkennen. Wohl aber der Name des Spenders kann entziffert werden – nämlich „kune krummense“. Also ein Kuno von Krummensee war es gewesen, der die Glocke in den Turm hängen ließ.

Der Turm wiederum – da sind sich die Experten weitgehend einig – wird wohl erst im ausgehenden 15. Jahrhundert angebaut worden sein. Dafür sprechen auch die beiden Stufen, die vom einstigen Kirchhof aus nach unten führen. Die Konstruktion lässt den Schluss zu: Als der massive Turm entstand, hatte sich der Friedhof durch immer neue Erde für die Begräbnisstätten eben um diese zwei Stufen erhöht. Ein Niveauausgleich war nötig.

Immerhin gilt Krummensee als eines der ältesten Dörfer des Barnims überhaupt. Schon im Jahr 1241 bezogen die Benediktiner-Nonnen vom Kloster Spandau Einnahmen aus dem Ort. Und lediglich zehn Jahre später verkauften die brandenburgischen Markgrafen Otto und Johann Krummensee an das Kloster Lehnin.

Im Jahr 1416 war es gewesen, da das Adelsgeschlecht derer von Krummensee mit dem Ort belehnt wurde. Ihre Burg stand am Haussee, gar nicht weit 
entfernt von der heutigen Badestelle.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts muss dieses Feste Haus „verschwunden“ sein. Etwa zur gleichen Zeit kam der Ort in den Besitz der Hohenzollern-Familie und gehörte zum Amt Löhne.

Doch zurück zur Kirche und zur Glocke von Ritter Kuno. Ursprünglich war es sogar ein Glocken-Trio, das zu Gottesdiensten rief und das den Dorfbewohnern die Zeit anzeigte. 1942, also im Zweiten Weltkrieg, wurden die beiden kleineren Glocken abgenommen. Dann vermutlich eingeschmolzen, um später als Panzerplatten oder als Geschützrohre zu dienen.

1866 musste die Kirche erweitert werden. Der mittelalterliche Raum mit seinen Ausmaßen von 13 Metern Länge und acht Metern Breite reichte nicht mehr aus. Damals entstand auch 
das neogotische Querschiff aus Backsteinen in seiner heutigen Form.

Der gut 22 Meter hohe Turm wurde 1996 saniert. Bis 1935 gehörte eine hölzerne Kanzelträger-Figur aus dem 16. Jahrhundert zum Inventar dazu. Dieser etwa ein Meter hohe Moses mit den Gesetzestafeln wurde zunächst im Strausberger 
Museum aufbewahrt und ist nach Kriegsende spurlos verschwunden.

Wer sich etwas Zeit zum genaueren Hinsehen nimmt, dem wird das elegant gearbeitete Westportal an der Kirche auffallen – errichtet aus Rüdersdorfer Kalkstein.

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