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Taschengeld für die Ortsbeiräte

Daniela Windolff / 21.06.2011, 06:59 Uhr
Bruchhagen (In House) Was macht man mit zwölf Euro pro Kopf und Jahr? So viel bekommen die 23 Angermünder Ortsteile als sogenannte Verfügungsmittel, über die die Ortsbeiräte frei entscheiden können. Insgesamt werden aus dem städtischen Haushalt dafür in diesem Jahr 73 900 Euro bereitgestellt.

Seniorenweihnachtsfeier, Dorffest, Blumensträuße für runde Jubiläen, Zuschüsse für Vereine – das haben fast alle Ortsbeiräte auf der Prioritätenliste für das „Taschengeld“, das sie zur freien Verwendung aus dem Stadthaushalt ausgezahlt bekommen. Zwölf Euro pro Einwohner im Jahr, ein Euro im Monat – die Summe bleibt konstant. Vorerst bis 2012, versichert Stadtkämmerin Margitta Behm, die als Dezernentin auch ganz besonders für den ländlichen Raum verantwortlich ist. Die Verfügungsmittel werden hauptsächlich für Kultur- und Vereinsarbeit verwendet. Entscheiden können die Ortsbeiräte allein, abgerechnet wird bei der Stadt.

Die Dörfer haben sich notgedrungen eingerichtet mit dem, was sie haben. „Es wird genug gemeckert. Wir kommen mit unseren 2100 Euro aus und wollen vor allem die Geselligkeit im Dorf fördern, beispielsweise mit dem Dorffest und der Rentnerbetreuung“, sagt der Bruchhagener Ortsvorsteher Rolf Neujahr. Werterhaltung wird viel in Eigeninitiative geleistet. Joachim Kuck, Ortsvorsteher in Dobberzin, schwört auf den guten Zusammenhalt in seinem Ortsteil und freut sich über die vielen Kinder. Die Einwohnerzahl wächst, die Verfügungsmittel auch. 3400 Euro gibt es in diesem Jahr, 3600 Euro 2012. Klar, dass für Kinder, Jugend und Familien deshalb besonders viel getan wird. Kinderfest, Halloween, Spielplatz. Vieles wird ehrenamtlich organisiert, ein paar Zuschüsse gibt es aus dem Verfügungsfonds.

Und auch die Senioren werden bedacht. „Der obligatorische Blumenstrauß zu runden Jubiläen ist das eine, das persönliche Gespräch, wenn wir als Ortsbeirat die Jubilare besuchen und Zeit mitbringen, ist nicht mit Geld aufzuwiegen“, meint Joachim Kuck.

Frauenhagen hat viele Vereine zu bedenken: Dorfverein, Chor, Handarbeitszirkel, Töpferzirkel, Seniorentreff – 4900 Euro reichen 
da nicht für alle Wünsche. Auch das Dorf- bzw. Brunnenfest soll gefeiert werden, die Kita nicht leer ausgehen. Obendrein leistet sich Frauenhagen sogar ein Begrüßungsgeld für Neugeborene in Höhe von 100 Euro. Dringend notwendige Investitionen wie die Sanierung des Gutshauses müssen aus anderen Töpfen finanziert werden 
und sind noch Zukunftsmusik.

In Wilmersdorf gehen von den 2800 Euro rund 1000 für das Dorffest im August drauf, ein Höhepunkt, der von vielen Vereinen mit vorbereitet wird, berichtet Ortsvorsteher Friedrich Stolpe. Auch die werden aus dem Verfügungstöpfchen bezuschusst. Ob es jedes Jahr ein Dorffest sein muss, wenn überall gleichzeitig gefeiert wird, stellt Marion Offergeld, Ortsvorsteherin in Steinhöfel, in Frage. Gema-Gebühren, Toiletten und Musik kosten viel Geld und man muss immer eine Attraktion bieten, um die Leute hinterm Ofen vorzulocken. Im vergangenen Jahr verzichtete der Ort darauf und kaufte lieber Spielgeräte für den Spielplatz. Einen Sandkasten haben Eltern obendrein in Eigeninitiative und auf eigene Kosten gebaut. Etwas Geld der insgesamt 2400 Euro wird für Instandsetzungen oder 
neuen Spielsand beiseite gestellt.

In Neukünkendorf schießt nicht der Ortsbeirat Geld in den Dorfverein, sondern umgekehrt. Die Windräder bringen Geld in die Vereinskasse und das nützt dem Dorf. Davon wurde das Dorfgemeinschaftshaus saniert und der Festplatz gebaut, ein Spazierweg um den Haussee soll angelegt und ein Radwanderweg gebaut werden.

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