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Ordnungsamt nach Kampfhundattacken am Pranger

Gefährlich: Zwei der drei Hunde, die mehrere Menschen verletzt haben und nun im Tierheim sind.
Gefährlich: Zwei der drei Hunde, die mehrere Menschen verletzt haben und nun im Tierheim sind. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Mathias Hausding / 19.10.2011, 19:58 Uhr
Sophienstädt (MOZ) Nach folgenschweren Beißattacken von Hunden im Barnim wächst der Druck auf die Verwaltung des Amtes Biesenthal-Barnim. In Sophienstädt waren am vergangenen Sonnabend vier Menschen von frei herumlaufenden Kampfhunden zum Teil schwer verletzt worden. Anwohner kritisieren nun, dass das Ordnungsamt wiederholt auf Probleme mit den Hunden aufmerksam gemacht worden sei, es jedoch keine Reaktion gegeben habe.

„Die Hunde springen immer wieder über den Zaun. Die Polizei war schon oft hier“, erinnert sich Gerda Gericke. Eine Zeitungsausträgerin und mehrere Radfahrer seien bereits von den Hunden angefallen worden. „Ich habe Angst um meine Enkel, wenn sie mich besuchen“, klagt die 74-Jährige. Auch sie persönlich fühle sich als Bluterin seit langem von den Vierbeinern ihrer Nachbarin bedroht. Von Ordnungsamtsmitarbeitern habe es bei Beschwerden lediglich geheißen: „Wir leiten das weiter.“

Auch Jörg Wartenberg ist empört. „Beim Amt sehen sie unsere Probleme mit den Hunden ganz locker.“ Dabei habe es schon zahlreiche Vorfälle gegeben. „Ich bin sehr tierlieb. Aber Hunde, die Menschen anfallen, müssen eingeschläfert werden.“

Wartenberg habe sich am vergangenen Sonnabend „wie in einem Horrorfilm“ gefühlt, erzählt er. Gegen 17 Uhr hörte er vor seinem Haus Schreie und Hundegebell. Draußen sah er zwei Mädchen, zwölf und 16 Jahre alt, auf Fahrrädern, die von Hunden angegriffen wurden. Er lief hin, um zu helfen. „Die Hunde waren so aggressiv, dass auch ich sofort angegriffen wurde.“

Kurz darauf erschien die Halterin der Hunde. Nach mehrmaligen Anläufen gelang es ihr, die Tiere einzufangen und wegzusperren. Wartenberg kümmerte sich um die Mädchen, rief die Polizei. Doch wenige Minuten später waren die Hunde wieder da und griffen erneut an. Ein weiterer Nachbar, der helfen wollte, wurde ebenfalls gebissen. „Die Hunde waren förmlich im Blutrausch“, beschreibt Wartenberg die Situation. Als der Vater der verletzten 16-Jährigen auftauchte wurde auch er gebissen. Vater und Tochter mussten ins Krankenhaus, laut Polizei mit Verletzungen an Armen und Beinen. Nach Informationen der Polizei, die nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, ist das Mädchen inzwischen wieder daheim, der Vater nach einer OP weiterhin in der Klinik.

Die drei Hunde gehören nach Angaben der Nachbarn einer ?74 Jahre alten Frau, die unter Demenz leide, beziehungsweise ihrem Sohn, der sich gelegentlich auf dem Grundstück aufhalte. Seit Sonnabend sind die Hunde im Tierheim.

Die Amtsverwaltung war bis einschließlich gestern auch auf mehrmalige Nachfrage der Märkischen Oderzeitung nicht bereit, Auskunft über die bisherigen Vorfälle mit den Hunden zu geben.

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ABC 21.10.2011 - 11:54:21

@ Holland-letz

Sie sind meiner Meinung nach der Vorstellung erlegen, dass die Medien tatsächlich an einer differenzierten Darstellung dieses Themas interessiert sind. Das habe ich hingegen längst aufgegeben. "Kampfhund" klingt nun mal viel reisserischer in der Schlazeile als "Boxer - Rhodesian Ridgebacks Mischlinge" (zumal ja der Reporter sich mit der Verordnung dann auch erstmal auseinandersetzen müsste, um die Unterschiede rauszufinden). Hier -wie eigentlich bei allen mir bekannten Fällen- ist es eindeutig ein Halterproblem (plus scheinbar einem "problemUNbewusstem" Ordnungsamt). Das sollten Konsequenzen folgen.

Karl Ernst 20.10.2011 - 20:20:12

Mehr Kontrolle

In Eberswalde kann man seit längerer Zeit immer mehr Kampfhunde mit fragwürdigen Hundeführern beobachten! Im Stadtteil Finow konnte man schon des öfteren auf einem neu angelegten Spielplatz diese "prachtvollen"Tiere freilaufend beobachten!Natürlich ohne Maulkorb,sie sollen sich ja wohlfühlen!Ordnungsamt Fehlanzeige! Welch Glück das es noch keinen tötlichen Unfall gab! Das ist keiner Stadt zu wünschen! Dieser Vorfall wird hoffentlich zur größerer Achtsamkeit führen!

Beißring 20.10.2011 - 14:08:59

Allgemeines Problem

Auch in Fredersdorf (MOL) wird in Bahnhofsnähe ein weißer Kampfhund ohne Maulkorb und an einer Laufleine geführt, ist die Straße überquert, läuft der Hund sogar frei. Auf meine email an das Ordnungsamt habe ich nicht einmal eine Antwort erhalten, als ich dann anrief wurde mir gesagt, ich solle den Namen des Halters mitteilen, sonst könne man nichts machen. Alles klar?!?

priester 20.10.2011 - 14:01:43

unfassbar

verwaltungsbeschwerde einreichen! hunde einschläfern! mehr gibt es nicht zu sagen.

MaxMütze 20.10.2011 - 11:38:06

Ist ja alles richtig,aber...

...hier scheint es so zu sein, wie es häufig ist: Das Problem besteht an der vom Hund abgewandten seite der Leine! Zum Kampf - oder aggressiven Hund wird kein Hund automatisch. wenn ich also eine demente "Aufpasserin" habe, die 74 Jahre ist und sich schon aufgrund dieser Ausgangslage mit Sicherheit bei diesen agilen Tieren nicht durchsetzen kann, wenn ich einen Besitzer habe, der sich gelegentlich mal kümmert, dann habe ich hier ein Hunderudel, was sich seine Hierarchien selbst aufstellt. Und wenn dann vielleicht noch Haltungsbedingungen herrschen, die den Hunden vielleicht noch ne schlechte Versorgung bringen etc, dann ist das, was passiert ist, nicht überraschend, wenn man etwas Hundeverstand hat. Aber offenbar sind die Hunde ja schon mehrfach unterwegs gewesen, ohne dass sie gemerkt hätten, dass die s nicht statt zu finden hat....also, wie gesagt, dann hat das Ordnungsamt tatsächlich versagt. Und in einem Blutrausch waren die sicher nicht, vielmehr wurde die Einwirkung verschiedener Personen als Bedrohung des Rudels wahr genommen und hat diese Reaktionen ausgelöst. Zusammenfassung: Hoffentlich geht es den Opfern bald besser. Und: Die Hunde dürfen auf keinen Fall zurück.Vermutlich ist es auch besser, sie würden getrennt vermittelt und nur an Leute mit einiger Hundeerfahrung.....

der Holgo 20.10.2011 - 11:09:44

Es geht hier um gefährliche Hunde

Ich fürchte einem Bißopfer ist es völlig egal, ob der Hund per Definition gefährlich ist oder nur groß und stark. Das ist ja als dürfe sich ein Karatesportler nur dann Karatesportler nennen, wenn er in einem Karatesportverein ist und man würde per Gesetz daran festmachen, wie gefährlich er ist. Er wäre dann als Vereinsloser ungefährlicher, weil er per Definition dann kein Karatesportler wäre.

Holland-letz 20.10.2011 - 07:16:05

Ordnungsamt nach Kampfhundattacken am Pranger

Nach der Pressemeldung handelt es sich hier um Boxer - Rhodesian Ridgebacks Mischlinge, aber nicht um Gefährliche Hunde gemäß § 8 Abs 2 oder gemäß § 8 Abs 3. Landeshundeverordnung des Landes Brandenburg. Hier handelt es sich um sogenannte normale Hunde die größer 40 cm und oder schwerer als 20 kg sind. Ich kann nicht verstehen das jetzt wieder sogenannte Kampfhunde bzw Listenhunde angeprangert werden. Ich schreibe das da ich selber 2 Rottweiler habe. Geschichte des Rottweilers Die letzten hundert Jahre haben die Gesellschaft und auch den Rottweiler verändert. Aus dem Arbeitshund, der Karren ziehen und Großvieh treiben musste, ist ein Gebrauchshund geworden, der den vielfältigen Ansprüchen der heutigen Gesellschaft gerecht wird: als Sporthund, als Dienst- und Rettungshund und als Familienhund. Starke typen mit vielen Talenten Der Rottweiler hat es heute leider nicht immer einfach. Besitzer der imposanten Hunde müssen sich mit diversen Hundegesetzen und ungerechtfertigten Rasselisten auseinandersetzen, und auch in der Öffentlichkeit begegnen viele Menschen dem Rottweiler mit Argwohn. Dabei ist der Rottweiler bei konsequenter und souveräner Erziehung ein absolut ausgeglichener und freundlicher Hund. Vom Arbeitshund zu Gebrauchshund Bezüglich der Herkunft und der Geschichte des Rottweilers gibt es mehrere Theorien. Die am weitesten verbreitete Version besagt, dass der Ursprung dieser Rase bereits auf die Römerzeit zurückgeht. Die Vorfahren des heutigen Rottweilers seien von den Römern über die Alpen nach Norden gebracht worden, wo sie sich dann im Südwesten Deutschlands mit den dort heimischen Hunden vermischten. Eine andere Theorie besagt, dass sie sich mit den großen und wehrhaften Hunden, die die Germanen zum Hüten und Treiben ihrer Viehherden besaßen, vermischt haben. Eindeutig belegbar ist jedoch, dass sich der Rottweiler in und um die alte württembergische Stadt Rottweil entwickelt hat. Rottweil war schon im Mittelalter ein Handelszentrum, wo u. a. das gesamte Vieh aus der angrenzenden Region und auch aus anderen Ländern gehandelt wurde. Die damals einzige Möglichkeit, das Vieh von einem Ort zu einem anderen zu bekommen, war, es zu treiben. Hierzu benötigten die Menschen einen starken und ausgeglichenen Hund, der keine Unruhe unter dem Vieh verbreitete, sich aber trotzdem Respekt verschaffen konnte. Besonders die Metzger brauchten einen unerschrockenen Hund, um das gekaufte Vieh vom Markt zum Schlachthof zu treiben. Auch war es üblich, wenn der Metzger mit viel Geld zum Markt ging, dem Hund die Geldbörse um den Hals zu hängen, um sicherzugehen, dass niemand das Geld stahl. Daher war der Rottweiler zu dieser Zeit auch als „Rottweiler Metzgerhund“ bekannt. Durch die voranschreitende Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand der Rottweiler als Arbeitshund keine Verwendung mehr. Erst 1910, als die Polizei den Rottweiler als Polizeihundrasse entdeckte, tauchte der einstige Arbeitshund als Gebrauchshund wieder auf der Bildfläche auf. Der erste Verein, der sich um den Rottweiler kümmerte, war der Internationale Club für Leonberger und Rottweiler, der schon 1899 von Albert Kull gegründet wurde. 1907 wurden dann der Deutsche Rottweilerklub (DRK) und der Süddeutsche Rottweilerklub gegründet. Aus dem Süddeutschen Rottweilerklub wurde dann schnell der Internation ale Rottweiler-Klub (IRK). Erst 1921, nach der Zusammenlegung von DRK und IRK, wurde dann der Allgemeine Deutsche RottweilerKlub e.V. gegründet, der bis heute besteht. Rottweiler im Kreuzfeuer Durch die vor einigen Jahren angeheizte Kampfhunddebatte und einige Beißvorfälle hat der Ruf des Rottweilers sehr gelitten. Negative Vorfälle sind jedoch meistens nicht dem Hund oder der Rasse, sondern vor allem dem Halter anzulasten. Gerade der Rottweiler ist ein Hund, mit dem man bei konsequenter und gradliniger Erziehung und Ausbildung einen umweltsicheren und nervenstarken Begleiter an seiner Seite hat. In Bayern, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen steht der Rottweiler jedoch trotz verschiedener Bemühungen auf der Rasseliste für gefährliche Hunde. Häufig kommen für diese „Listenhunde“ noch besonders hohe Hunde esteuern hinzu, die jede Gemeinde innerhalb des gesetzlichen Rahmens selbst festsetzen darf. Der Rottweiler ist sicherlich kein Anfängerhund und auch kein Hund, der nur seiner imposanten Erscheinung wegen gekauft werden sollte. Mit seinem eigenen, aber sympathischen Dickschädel benötigt er verantwortungsbewusste und kompetente Menschen, die sich des Charakters dieser Hunde bewusst sind. Treffen diese Voraussetzungen zu, hat man mit dem Rottweiler einen verlässlichen und sehr anhänglichen Freund fürs Leben, der auch in brenzligen Situationen die Ruhe bewahrt

Wütender 19.10.2011 - 21:37:08

Nicht nur in Biesenthal!

Auch in Frankfurt (Oder) rund um den Ziegenwerder, Buschmühlenweg und dem Eichwald lassen viele Hundebesitzer ihren Vierbeiner freien Lauf. Leider sieht man auch auf dem Ziegenwerder keine Ordnungsamtsmitarbeiter der Frankfurter Verwaltung. Eigentlich hat die Verwaltung eine Fürsorgerpflicht gegenüber dem Bürger. Doch Bisswunden verheilen ja.

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