Touristen, Schulklassen und Technikfans erklimmen in Scharen den Mühlenberg, wo sich die hölzernen Flügel knarrend im Wind drehen. Sie lassen sich die robuste Technik erklären, beobachten fasziniert, wie traditionell Korn zu Mehl gemahlen wird. Brautpaare lassen sich hier trauen, Mühlenfeste werden gefeiert.
Horst Fichtmüller sieht die Greiffenberger Erdholländermühle als lebendiges kulturhistorisches Wahrzeichen, als Technikmuseum und Besuchermagnet bildlich vor sich. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Kultur ist nach den jahrelangen Mühen und den Erfolgen der jüngsten Zeit überaus zuversichtlich, dass sich diese Vision mit Leben erfüllt und er weiß eine Reihe engagierter Mitstreiter hinter sich, die sich von Rückschlägen nicht entmutigen ließen und ebenso leidenschaftlich für das Mühlenprojekt brennen.
Und wieder rückt der Verein dem ehrgeizigen Ziel ein kleines Stück näher. Nach dem Neuaufbau des Mühlenkörpers nimmt nun auch die inhaltliche Arbeit Formen an. Zwei Vereinsmitglieder lassen sich gerade in einem zweijährigen ehrenamtlichen Kurs zu Windmüllern mit Diplom ausbilden. Ingo Waligora und Gerolf Rother drücken an den Wochenenden beim Britzer Müllerverein in Berlin die Schulbank, büffeln Theorie und machen sich in der Praxis des Mühlenbaus und traditionellen Müllerhandwerks fit. Der Müllerverein mit 65 Mitgliedern betreibt in Berlin eine Windmühle im Britzer Garten, ausschließlich mit ehrenamtlichen Mühlenfreunden. Er bietet regelmäßig Führungen, Schaumahlen mit Brotverkauf, Kulturveranstaltungen und Feste in der Mühle an. Und er führt seit vielen Jahren Ausbildungskurse für ehrenamtliche Windmüller durch, zu dem auch ein Praktikum in Holland gehört, dem Traditionsland der Windmühlen, in dem der alte Beruf noch ausgebildet wird. 80 Hobbymüller aus Berlin und Brandenburg haben bereits ihr holländisches Mühlen-Diplom bestanden. Das streben nun auch die Greiffenberger Mühlenfreunde an. Sie waren am Wochenende selbst Gastgeber für Fachleute und angehende Windmüller des Kurses, die die Greiffenberger Mühle kennenlernen, über Mühlenaufbau und -technik fachsimpeln und Erfahrungen austauschen wollten.
"Was der kleine Verein in Greiffenberg aus eigener Kraft bisher aufgebaut hat, ist großartig und gar nicht mit unseren Möglichkeiten zu vergleichen. Unser Verein hat die Britzer Mühle nur gepachtet, sie gehört der Stadt", sagte Hobbymüllerin Simone Tietze aus Berlin begeistert, nachdem Horst Fichtmüller die lange Odyssee des Mühlenprojektes schilderte.
Doch Mühlenfreunde sind Enthusiasten, die die Faszination für die historische Technik zusammenschweißt und die sich gegenseitig helfen. Fachkundige Anleitung erhalten die Hobbymüller dabei von Rüdiger Hagen. Der Mühlenbauer aus Hannover gilt als der Mühlenexperte in Deutschland schlechthin, hat zahlreiche Fachbücher veröffentlicht und ist auch Dozent für die ehrenamtliche Müllerausbildung. Wo immer sich alte Mühlen drehen, ist Rüdiger Hagen nicht weit. Er kennt die Bockwindmühle in Luckow, hat bei der Restaurierung der Wassermühle Gollmitz mitgeholfen und will nun auch den Greiffenbergern beim Wiederaufbau der Mühlentechnik fachkundig zur Seite stehen. Teile des historischen Innenlebens hatten Vereinsmitglieder aus der eingestürzten alten Mühle noch bergen können.
Rüdiger Hagen begutachtete, was noch verwertet werden kann. Der Einbau des 100 Jahre alten, restaurierten Dieselmotors ist eines der nächsten Ziele des Greiffenberger Vereins. Und irgendwann werden sich auch die Windmühlenflügel wieder drehen, fachkundig bewacht von frisch gebackenen Diplom-Windmüllern.