Für 6,5 Millionen Euro ist das Stauwehr im Oder-Deich von der Gründung bis zur Überfahrt neu errichtet worden. Am Dienstag übergab die Firma Strabag das Bauwerk an Bauleiter Gerrit Fromhold-Treu vom Auftraggeber Landesumweltamt.
Das Einlaufwerk sichert den geordneten Zulauf des Oderwassers in die Flutungspolder des Nationalparks bei Winterhochwasser und gleichzeitig den Schutz des Polder zur Bewirtschaftung im Sommerhalbjahr. "Das erneuerte  Wehr dient nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern auch dem Artenschutz im Nationalpark Unteres Odertal", erklärte dessen stellvertretender Leiter Michael Tautenhahn. Seit Jahren bemüht sich der Nationalpark um ein dynamisches Grünlandmanagement, mit dessen Hilfe seltene Wiesenbrüter geschützt, gleichzeitig aber die landwirtschaftliche Nutzung der Polderwiesen ermöglicht wird.

Strabag Lübben baute das Wehr

Gebaut hat das Wehr die Strabag-Niederlassung Lübben. Bauleiter Gerrit Fromhold-Treu bezeichnete das Ergebnis als solide handwerkliche Wasserbaukunst und ein Beweis, dass Bauleute aus Brandenburg auch pünktlich abliefern können und den vereinbarten Kostenrahmen einhalten.
Das Land Brandenburg hatte ursprünglich eine Sanierung des Wehres für 3,8 Millionen Euro geplant, musste sich nach Betongutachten, die fortschreitende Schäden durch den sogenannten Betonkrebs festgestellt hatten, jedoch zu einem Ersatzneubau umentscheiden.
Der bei Radfahrern beliebte Weg über das Wehr war lange Zeit als Baustelle gesperrt. Seit dem Winter 2019 können die Radfahrer bereits wieder über den neuen Überbau fahren. Das ließen die letzten Arbeiten an den Zuwegen und an den ringförmig vor das Wehre gesetzten Eisabweisern bereits zu.
Mit der Fertigstellung wird das Wehr nun wieder an den Wasser- und Bodenverband Welse übergeben, der im Nationalpark die Deiche unterhält und die Deichbauwerke im Auftrag des Landes bedient. Dazu werden regelmäßig im September die Wehrtore gezogen, das heißt, für den Wassereinlauf geöffnet, und im April wieder geschlossen.

Altes Wehr zitterte bei Flut

Das Wasser stand vor ein paar Wochen kurzzeitig bis zu einem Meter auf der Oderseite hoch an den Wehrtoren, sodass eine Funktionsprobe mit einlaufendem Wasser stattfinden konnte. Derzeit aber sind die Wehre zu. Beim aktuellen Wasserstand der Oder um den normalen Mittelwasser-Wert würde bei gezogenen Toren nicht einmal Wasser hineinlaufen. Zuletzt erlebten die Mitarbeiter des Landesumweltamtes das flutartig einströmende Wasser beim Hochwasser 2010. Bis zu 140 Kubikmeter Oderwasser pro Sekunde strömten damals durch das Wehr und ließen das sanierungsbedürftige Wehr förmlich unter den Füßen der Verantwortlichen erzittern.
Für den Neubau wurden 2200 Kubikmeter Stahlbeton gegossen. Auf den engen Deichwegen ohne Begegnungsverkehr  war das eine logistische Meisterleistung. 7600 Tonnen Stahlspundwände wurden verbaut und 5900 Kubikmeter Boden ausgetauscht.