Viele Hoppegartener fragen sich heute, wie konnte es sein, dass hier im Ort jahrzehntelang kaum einer nachhaltig von Dr. Erich Klausener und dessen Schicksal Notiz genommen hat. Dabei waren bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor 75 Jahren 60 000 Menschen gekommen, um ihn zu hören. Hatten nach ihm gerufen und hatten damit verlangt, dass er zu ihnen sprach. Obwohl nichts Schriftliches von dieser Spontanrede erhalten geblieben ist, waren Klauseners Worte Grund genug für die Gestapo, Klausener wenige Tage später zu ermorden.
Bekannt ist heute, dass am Vormittag des 30. Juni 1934 der Chef der Geheimen Staatspolizei ein Mordkommando der SS und Gestapo zu sich beorderte und befahl, den Fall Klausener zu übernehmen. Klausener sei sofort in den Diensträumen des Verkehrsministeriums zu erschießen. Mit 18 SS-Männern fährt der Gestapo-Mann los. Er überlegt nicht, was der Ministerialdirektor, Leiter der Schifffahrtsabteilung, verbrochen haben mag, dass er ohne Gerichtsurteil, ohne jede Chance einer Verteidigung erschossen werden soll. Um 13 Uhr war das Ministerium abgeriegelt. Im Büro wird Klausener eröffnet, er sei verhaftet. Klausener bittet, noch seine Brieftasche mit dem Gehalt, das er an diesem Tag bekommen hat, in den Schreibtisch legen zu dürfen, damit es seiner Frau zugestellt werden kann. Dann geht er zum Kleiderständer, um sich seinen Hut zu holen. In diesem Augenblick zieht der Mörder seine Privatpistole, die er zusätzlich zu seiner Dienstwaffe mit sich führt, und feuert von hinten auf Klausener. Tödlich getroffen sinkt der zu Boden.
Die Historie aktuell in Hoppegarten in die Öffentlichkeit gerückt hatte erst vor kurzem der neue Besitzer der Galopprennbahn Hoppegarten Gerhard Schöningh. Als er die Immobilie kaufte, informierte er sich auch über deren Geschichte und Besonderheiten. Dabei stieß er auf den Namen Dr. Erich Klausener. Schöningh beantragte daraufhin bei der Gemeindevertretung, dem Vorplatz der Rennbahn den Namen Dr. Erich Klausener geben zu dürfen. Die Gemeindevertreter stimmten dem Antrag ohne Diskussion zu.
Wer war der Mann, den die katholische Kirche als ihren "ersten Glaubenszeugen der Nazizeit" bezeichnet und ehrt? Werner Sygnecki von der Katholischen Kirche St. Georg Hoppegarten, hat viele Details zusammengetragen, hat bis dato unbekannte Filme in Archiven gefunden und erstmals entwickeln lassen, und hat schließlich vieles zur Vorbereitung des Gedenktages in der kommenden Woche beigetragen.
Erich Klausener wurde am 25. Januar 1885 in Düsseldorf geboren und besuchte dort das Gymnasium. Nach Studium und Militärdienst war er nach dem Ersten Weltkrieg Landrat in Adenau/Eifel und danach in Recklinghausen. Seine hervorragenden Fähigkeiten machten auf ihn aufmerksam; man berief ihn nach Berlin. Als Ministerialdirektor diente er verschiedenen Ministerien. Er war gläubiger Katholik rheinischer Prägung und Mitbegründer, Seele und Vorsitzender der Katholischen Aktion in Berlin, der Laienvertretung der Berliner Katholiken, die den Katholikentag 1934 ausrichtete.
"Sei wahrhaftig in deinem Handeln, breche nie ein Wort, zeige kein falsches Prestige, komme zuerst - gehe zuletzt! Habe gerechten Zorn, aber verschwende niemals deinen Zorn!" Diese Zeilen wurden in der Schreibmappe Dr. Erich Klauseners in seinem Dienstzimmer nach seinem Tod gefunden. Vielen Institutionen, Schulen und Einrichtungen dienen sie seitdem als Leitmotiv.
An zahlreichen Wirkungsstätten Klauseners wird schon lange mit Gedenktafeln die Erinnerung an ihn wachgehalten. In der kommenden Woche soll auch in Hoppegarten diesem Mann ein würdiges Denkmal gesetzt werden.
Gemeindesaal
17.30 Uhr Festakt, für geladene Gäste, Ansprache von Tilmann Pünder, Neffe von Dr. Erich Klausener
Rennbahn- Vorplatz
18.30 Uhr Namensverleihung Erich-Klausener-Platz. Der 102-jährige Hoppegartener Stefan Auditor wird das Schild enthüllen.
Ein Denkmal wird von Erika Fritzen-Klausener, letzte lebende geborene Klausener, enthüllt.
Haupttribüne:
Der Zeitzeuge von 1934, Pfarrer i. R. Joachim Hinz, wird an der Haupttribüne noch eine Tafel enthüllen.
19 Uhr an der Stelle, wo Klausener seine Rede hielt, wird ein Pontifikalamt stattfinden.