Jung und Alt, Tür an Tür: Gatow ist der Ortsteil Schwedts mit den jüngsten Bewohnern. Eine moderne Eigenheimsiedlung prägt das Bild. Wenige Meter weiter wecken jedoch alte Tabakscheunen Erinnerungen an vergangene Tage. In der Reihe "Sommerspaziergänge" stellt die MOZ heute das 250-Seelen-Dorf vor.
Uwe Stemmwedel schaut durch die geöffnete Tür hinaus in den Regen. "Das ist aber auch ein Wetter heut'", seufzt der Gastwirt. Auf der Gatower Dorfstraße sammeln sich Pfützen, ein Donnern grummelt über den Dächern. Für den Inhaber des Landhauses "Onkel Uhu" bedeutet der Regen schlechtes Geschäft. "Wer schwingt sich schon auf's Fahrrad bei diesem Wetter."
Nur Momente später ist der Guss vorbei und die Sonne kommt hervor. Im Handumdrehen sind auch die Pfützen vom Asphalt verschwunden. "So ist das bei uns: Erst gießt es wie aus Kannen, und kaum hört es auf, ist ganz schnell wieder alles trocken", verrät der 41-Jährige. Deswegen ist das 250-Seelen-Dorf bisher auch vom Oderhochwasser verschont geblieben. "Damals 1997 stand das Wasser zunächst bis kurz vor den Scheunen", erinnert sich Stemmwedel. Doch als der Damm brach, floss alles ganz schnell wieder ab. "Anderswo haben sie gebangt, hier wurde gejubelt", fasst der Wirt zusammen.
Die besonderen Bodenverhältnisse sind auch ein Grund, warum der Tabakanbau in Gatow eine derart wichtige Rolle gespielt hat. "Der Tabak war hier schon immer lukrativ", weiß Uwe Stemmwedel, der Vorsitzender des Dorfvereins ist, zu berichten. Ab 1900 sei der Anbau im großen Stil betrieben worden. "Es gab Zeiten, da war jeder Quadratzentimeter in den Gärten bepflanzt." An diese Tage erinnern heute nur noch die vier großen Tabakscheunen, die die Silhouette von Gatow bestimmen.
Im alten Teil des Dorfes wohlgemerkt, denn gen Norden schließen sich Sonnenblumenfelder und ein Neubaugebiet an, das heute größtenteils junge Familien beherbergt. Diesem Zuzug ist es zu verdanken, dass Gatow mit durchschnittlich 35 Jahren der jüngste Ortsteil Schwedts ist.
Ein Bewohner der Siedlung ist Gerd Neulinger. Der Ortsvorsteher zog 2002 mit seiner Familie in das "schöne, idyllische Örtchen" und findet: "Es lebt sich sehr gut hier." Zu Beginn des Jahrtausends habe ein regelrechter Bauboom eingesetzt, dann habe das Ganze stagniert. "Jetzt ist es schon eine Weile her, dass ein neues Haus hier entstanden ist", gibt Neulinger zu. Lediglich die Hälfte der Fläche sei bebaut.Die, die gekommen sind, machen allerdings auch die Hälfte der Dorfbewohner aus.
Die neuen und die alten Gatower kommen gut miteinander aus, meint Stemmwedel, der seit 1999 den "Uhu" betreibt.Auf Dorffesten komme man aber regelmäßig zusammen, auch in der Freiwilligen Feuerwehr sei man gemeinsam aktiv. Deren Unterbringung in einer alten Treckerhalle war ein Streitpunkt in den vergangenen Jahren.
Doch das Problem scheint nun geklärt: In den kommenden Jahren hat die Stadt den Bau einer neuen Unterkunft geplant. Auch auf dem Festplatz tut sich was: Das neue Dach, das die Einwohner beim kommenden Waldfest vor dem Regen schützen soll, wird in den nächsten Tagen geliefert. "Bis zum 11. August wird alles fertig sein", ist sich Stemmwedel sicher.
Auf dem Fest werden die Bewohner größtenteils unter sich bleiben. Durchgangsverkehr gibt es nämlich keinen in Gatow. Halb so schlimm, findet Uwe Stemmwedel und lacht: "So sind wir halt, ein kleines gallisches Dorf."
Sonniger Wohnplatz: Am Rand eines Sonnenblumen-Feldes liegt das neue Eigenheimgebiet von Gatow. Vor allem junge Familien haben sich hier niedergelassen. Allerdings gibt es noch freie Baugrundstücke. Fotos (3) : MOZ/Simon Rayß
In Gatow eine Institution: Uwe Stemmwedel betreibt seit 1999 das Landhaus-Café "Onkel Uhu".
Am Ortseingang: Nähert sich ein Besucher aus Richtung Schwedt mit dem Auto, wird er im Dorf willkommen geheißen.