Die Gerüchteküche brodelt. An Stammtischen und unter Stadtverordneten fragt man sich: Gibt es ein Abwahlverfahren gegen den Amtsdirektor?
Der Posten des Amtsdirektors ist in Gartz seit jeher ein schwieriges Terrain. Der einstige Direktor Hartmut Wohlthat stand 2002 unter anderem wegen Bestechung vor Gericht. Er wurde frei gesprochen, war aber kurz vorher von seinem Dienstherren, dem Amtsausschuss, abgewählt worden. Auf Wohlthat folgte Brigitte Günzel, die das Amt genau eine Wahlperiode lang ausgeübt hat. Im April 2010 bestimmte der Amtsausschuss Frank Gotzmann zum Direktor.
Seitdem ist immer wieder Kritik an seiner Arbeitsweise laut geworden. Die Bürgermeister fühlten sich übergangen, heißt es. Manch langjähriger Verwaltungsmitarbeiter hat sich schwer getan damit, einen Direktor zu akzeptieren, der erst 35 Jahre alt ist und kaum Verwaltungserfahrung hat. Für Unruhe sorgte auch die von Gotzmann eingeführte Arbeitszeiterfassung. Mitarbeiter fühlten sich plötzlich kontrolliert, aus ihrer Sicht war doch bisher alles gut gelaufen. Dabei war Zeiterfassung in Unternehmen der Uckermark und zum Beispiel auch in der Stadtverwaltung Schwedt längst üblich.
In diesen Wochen kochen die unausgesprochenen Vorwürfe gegenüber Frank Gotzmann wieder hoch, und zwar bis zum Schlagwort Abwahl. Den Amtsdirektor abwählen kann indes nur der Amtsausschuss. Ihm gehören zwölf Mitglieder an, darunter die Bürgermeister der fünf Großgemeinden sowie weitere Vertreter aus den Dörfern. Ihre Aufgabe ist es, den Amtsdirektor zu kontrollieren.
Einige Ausschussmitglieder sollen im Vorfeld abgeklopft haben, ob eine Abwahl auf der Sitzung am 4. November Erfolg haben könnte. Die dafür erforderliche Mehrheit von acht Stimmen ist offenbar nicht zustande gekommen.
Donata Oppelt, Vorsitzende des Amtsausschusses reagiert auf die MOZ-Anfrage so: "Es gibt kein Abwahlverfahren, keine Zettel, keine Unterschriftenliste. Wir haben eine kritische Sicht auf den Amtsdirektor, aber das ist alles." Sie bereite gerade die Tagesordnung für die Sitzung vor und habe keinen diesbezüglichen Antrag, den sie auf die Tagesordnung setzen könne. Der Gartzer Bürgermeister Burkhard Fleischmann bestätigt: "Wir sind unzufrieden. Deshalb wollen wir die Probleme auf der nächsten Sitzung offen ansprechen."
Für den Tantower Bürgermeister Andreas Meincke steht fest: "Von einer Abwahl habe ich keine Kenntnis. Ich habe nichts unterschrieben." Zu Gerüchten in anderen Kommunen wolle er sich nicht äußern.
"Wir verbrauchen ja im Amt mehr Direktoren als das Land Ministerpräsidenten", poltert Norbert Dittmann, der Bürgermeister von Hohenselchow-Groß Pinnow. "Es gibt keine objektiven Gründe, die eine Abwahl von Frank Gotzmann rechtfertigen. Wenn jemand persönliche Zwistigkeiten hat, dann muss er das auch persönlich ansprechen, sonst schadet das den anderen Gemeinden."
Dittmann macht auf die Tragweite einer Abwahl aufmerksam. Der Direktorposten ist eine Wahlfunktion. Man könne die Person zwar abwählen, aber man müsse sie dann weiter bezahlen bis zum Ende der Wahlperiode. Bei Frank Gotzmann geht die Legislaturperiode 2018 zu Ende. Auf Gedeih und Verderb: Das Amt Gartz kann es sich finanziell nicht leisten, einen ehemaligen und einen neuen Direktor zu bezahlen.
Dittmann fordert außerdem: "Bei einer Abwahl müssen konkrete Fakten auf den Tisch. Die sehe ich nicht. Ich fühle mich nicht übergangen vom Amtsdirektor, wie manch einer bemängelt. Ich bespreche mit Frank Gotzmann die Sachen, die anstehen und fühle mich nicht desinformiert."
Peter Höppner sitzt erst seit der Kommunalwahl im Mai für Mescherin im Amtsausschuss. Für ihn ist es ganz normal, dass sich der Ausschuss in seiner neuen Zusammensetzung kritisch mit den Entscheidungen des Direktors auseinandersetzt. "Für eine Abwahl ist die Zeit nicht reif", urteilt er. "Wir sind die Dienstvorgesetzten des Amtsdirektors und werden seine künftigen Entscheidungen genau prüfen."
Frank Gotzmann wollte am Freitag keine Stellungnahme abgeben. "Ein Abwahlantrag ist mir nicht bekannt", stellte er sachlich fest. "Da wir gemeinsam in den letzten vier Jahren viel erreicht haben, kann ich solche Bestrebungen nicht nachvollziehen."