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Wahlen
Landtagskandidaten stellen sich beim Speeddating den Fragen von Jugendlichen

Heike Weißapfel / 22.08.2019, 07:47 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Finden Sie Digitalisierung an Schulen wichtig? Sind Sie für die Legalisierung von Cannabis? Warum sind Sie überhaupt in die Politik gegangen? Die Elftklässler des Marie-Curie-Gymnasiums und die Zehntklässler aus der Dr.-Hugo-Rosenthal-Oberschule sind am Mittwoch gut vorbereitet. Beim Speeddating im Hohen Neuendorfer Rathaussaal fragen sie die Ansichten der Landtagskandidaten ab. Jeweils genau zehn Minuten haben die Politikerinnen und Politiker Zeit, eine Gruppe von sich zu überzeugen. Lediglich die Kandidaten von FDP und Die Partei sind nicht gekommen.

Toiletten für alle

Beitragsfreiheit für die gesamte Kita-Zeit sei ihm wichtig, hören die Schüler von Vadim Reimer (Linke). Aus dem Landeshaushalt könnte diese ebenso finanziert werden,  wie schon jetzt das bereits beitragsfreie letzte Kita-Jahr. Ausdrücklich sollte in der Schule auch erzählt werden, dass "Familie" nicht immer ausschließlich "Vater, Mutter, Kinder" heiße, sondern manchmal auch zwei Mütter oder zwei Väter. "Ich glaube, auch kleine Kinder verstehen das gut." Wie die Schule mit dem Gendern von Toiletten verfährt, sollte Sache der Schule sein, meint Vadim Reimer. In der Senatsverwaltung gebe es beispielsweise sanitäre Anlagen für Damen und Herren und außerdem Unisex-Toiletten.

Der Kohleausstieg in der Lausitz müsse sein, und er müsse für die Menschen dort so verträglich gestaltet werden, dass er als Vorbild für andere Länder dienen könne, sagt Inka Gossmann-Reetz (SPD). "Wir haben nämlich in der Welt eine Vorbildfunktion. Die müssen wir dann auch ausüben." Sie hoffe, dass die gesetzten Klimaziele schnell erreicht werden, so Gossmann-Reetz. Auch für rasche Digitalisierung in den Schulen spricht sie sich aus.

Roger Pautz (CDU) nennt nötige Verbesserungen in der Infrastruktur. Er kann sich vorstellen, dass Cannabis legalisiert und beispielsweise in Apotheken verkauft wird. Die Bundeswehr fällt zwar nicht gerade in die Landespolitik, doch Pautz erläutert, er sei nicht für Aufrüstung, aber sehr wohl dafür, dass die Bundeswehr gut ausgestattet sei und respektiert werde.

Er stehe für öffentlichen Nahverkehr, Breitbandausbau, Bildung und die Nutzung von regenerativen Energien, sagt Thomas Bennühr (Piraten). Auch ein Dieselfahrverbot in Großstädten kann er sich vorstellen.

Das Positive an den Fridays for Future sei, dass dort junge Leute unterwegs seien, findet Dr. Daniela Oeynhausen (AfD). "Der Hype um Greta Thunberg zeigt aber auch, wie schnell man Leute instrumentalisieren kann." Es gebe von Menschen gemachte CO2-Immissionen, räumtt Oeynhausen ein. Doch der Klimawandel sei auf Wärme- und Kälteperioden zurückzuführen. "Eine CO2-Steuer ist mit uns nicht zu machen." Auf die Frage, warum die AfD zuweilen dadurch auffalle, dass sie andere beleidige, sagt sie, das sei eben Wahlkampfgetöse. "Da halte ich mich zurück."

Fleischgenuss in Maßen statt Massentierhaltung nennt Julia Schmidt (B 90/Die Grünen) als ein Instrument für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft. Tierhaltung in Freilandwirtschaft sei aber immer noch besser als  Monokulturen auf den Feldern.  Die Argumentation zu einem eiszeitlich bedingten Klimawandel nennt Schmidt "an den Haaren herbeigezogen" und unnütz, weil sie am Problem vorbeiziele. Klimaschutz ist für sie vordringlichste Aufgabe, aber in Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit: "Wenn sich Bioprodukte niemand leisten kann, dann klappt es auch mit dem Klimawandel nicht."

Was Landespolitik ausmacht

Für Werner Lindenberg (Freie Wähler) gehört zum Klimaschutz, Verkehr verstärkt auf die Schienen und auf die Wasserwege zu verlegen. Zur Europäischen Union sagt er: "Ich bin froh, dass wir Europa haben, dass wir von Portugal bis Estland nicht an Grenzen aufgehalten werden. Wir können in Europa Geschäfte gründen, arbeiten und leben." Zur erfolgreichen Integration von Geflüchteten gehöre Wohnungsbau, damit jeder sich einrichten könne.

Auf die Frage von Hohen Neuendorfs Marketing-Chefin Ariane Fäscher, wer schon vorher wusste, wen er wählen würde, heben nach anderthalb Stunden nur wenige die Hand, darunter auch Kandidat Thomas Bennühr. Schon weitaus mehr Jugendliche fühlen sich nun sicherer in ihrer Wahl, etwa die Hälfte braucht trotzdem noch Bedenkzeit. Aber sie sähen sich und ihre Fragen ernst genommen, erklären einige Schüler, und die grünen Punkte, die sie am Ende vergeben, vermitteln den Eindruck, dass viele nun eine bessere Vorstellung haben, was Landespolitik ausmacht.

Wahlund Wähler

Die S-Bahn-Gemeinden bilden den Wahlkreis 8. Dort stellen sich neun Direktkandidatinnen und -kandidaten zur Wahl.

Im Land Brandenburg sind Jugendliche ab 16 Jahren wahlberechtigt. Gewählt wird der neue Landtag am Sonntag, 1. September.⇥hw

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