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Landtagswahlen
FDP-Kandidat Langhoff: "Politik gehört an den Gartenzaun"

Trägt für gewöhnlich Anzug und Krawatte: Zum Kandidaten-Interview kommt Daniel Langhoff dann aber leger im T-Shirt. Im Landtag will sich der FDP-Kandidat für die Interessen des ländlichen Raums einsetzen.
Trägt für gewöhnlich Anzug und Krawatte: Zum Kandidaten-Interview kommt Daniel Langhoff dann aber leger im T-Shirt. Im Landtag will sich der FDP-Kandidat für die Interessen des ländlichen Raums einsetzen. © Foto: Tilman Trebs
Tilman Trebs / 22.08.2019, 08:40 Uhr
Wensickendorf (MOZ) Ohne Absicherung über die Landesliste bewirbt sich der Wensickendorfer FDP-Kandidat Daniel Langhoff um einen Sitz im Landtag. Er glaubt fest daran, das Direktmandat zu holen.

In den Umfragen liegt die FDP im Land bei sechs Prozent. Die öffentlichen Debatten bestimmen Themen der Grünen, der AfD und der Überlebenskampf der erodierenden Volksparteien. Die FDP dagegen hat noch keine zündende Idee gefunden, die eigenen Themen spürbar in den politischen Diskursen an den Stammtischen und in den Medien zu platzieren. Den FDP-Landtagskandidaten Daniel Langhoff beeindruckt das allerdings gar nicht. Er geht trotz der politischen Großwetterlage, die Zugewinne für Grüne und AfD verspricht, davon aus, das Direktmandat im Wahlkreis 9 (Oranienburg, Leegebruch, Liebenwalde) zu holen. Dass das noch kein Liberaler im Land geschafft hat – geschenkt. Um einen Sitz auf der Landesliste hat sich der Wensickendorfer gar nicht erst bemüht. Er wolle das Mandat direkt vom Bürger, nicht auf Umwegen über die Partei bekommen. Für seine Zeit im Parlament hat der selbstständige Finanzwirt, der in der Immobilienfinanzierung tätig ist, schon eine Vertretung eingestellt.

Leute, die den 40-jährigen verheirateten Vater von zwei Kindern kennen, dürfte das alles nicht überraschen. An Selbstbewusstsein hat es dem Wensickendorfer noch nie gefehlt. Als er vor fünf Jahren als Neuling in den Wensickendorfer Ortsbeirat einzog, kandidierte er kurzerhand auch für das Amt des Ortsvorstehers. Als Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) vor knapp einem Jahr in Wensickendorf erklären musste, warum der Radweg nach Wandlitz noch immer nicht gebaut wird, ranzte Langhoff die Ministerin ohne große Rücksicht auf Amt und Person an, dass sie sich jetzt einfach mal an die Arbeit machen solle. Die diplomatische Zurückhaltung wird wohl auch in Zukunft ebenso wenig das Markenzeichen des Liberalen werden wie das in Politikerkreisen übliche verklausulierte Sprechen. Und zu den engeren Zirkeln der Macht will Langhoff auch im Fall seiner Wahl Distanz halten. Ein Abgeordnetenbüro will er im Landtag nicht eröffnen und auch keine Mitarbeiter einstellen. "Ich will mich hier vor Ort mit den Problemen beschäftigen und den Menschen auseinandersetzen. Für mich gehört Politik an den Gartenzaun."

Langhoff sieht sich dann in erster Linie auch als Interessenvertreter des ländlichen Raums. Die Probleme will er vom Dorf direkt ins Parlament tragen. Und Probleme sieht Langhoff, der zur Familie der gleichnamigen Wensickendorfer Bäckerei gehört, auf dem Land genug. "Die Politiker behaupten zwar ständig, den ländlichen Raum zu stärken, tun aber oft das Gegenteil", beklagt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann, der an der Abendschule den Abschluss zum Finanzwirt machte. Er kritisiert, dass junge Menschen zur Landflucht oft gezwungen würden. "Ich verstehe zum Beispiel nicht, dass Scheunen in vielen Gegenden zwar für Wohnzwecke ausgebaut werden dürfen, kleines Gewerbe aber nicht erlaubt ist. Damit ist es vielerorts kaum möglich, sich in seinem Heimatort unternehmerisch selbstständig zu machen." Hinzu kommt der schleppende Breitbandausbau, den Langhoff in seinem Heimatort hautnah erlebt. Noch immer sind die seit Jahren versprochenen schnellen Internetleitungen in Wensickendorf nicht verlegt worden. "Die Telekom will jetzt zwar endlich anfangen, was ich begrüße. Aber es geht tatsächlich zu langsam voran." Der immer wieder auftauchenden Forderung, dass der Staat den Breitbandausbau voranbringen soll, wenn es die Privatwirtschaft nicht packt, folgt er aber nicht. "Der Staat baut auch nicht besser und schneller. Das sehen wir auf der BER-Baustelle. Aber er hätte dafür sorgen können, dass es schneller geht. Er hat zwar Ausbau- und Mobilfunklizenzen versteigert, aber die damit verbundenen Pflichten nicht streng genug geregelt", meint Langhoff. "Das müssen wir ändern, um voranzukommen."

Verbesserungen fordert Langhoff auch bei der Gesundheitsversorgung auf dem Land. Und zwar auch aus Eigennutz, wie er sagt: "Ich lebe auf dem Land und ich möchte hier alt werden." Der Ehemann einer Krankenschwester spricht sich für den Ausbau des Schwester-Agnes-Modells aus. Um den Menschen auf dem Land mühselige Behördengänge in die Städte zu ersparen, spricht er sich für die Anschaffung von Bürgerkoffern aus. Mit den von der Bundesdruckerei angebotenen Koffern, die auch "tragbares Bürgeramt" genannt werden, können Verwaltungen ihre Dienstleistungen wie das Beantragen von Ausweisen auch mobil anbieten. Um die Mobilität zu verbessern, spricht sich Langhoff unter anderem für die Anbindung Liebenwaldes ans Bahnnetz aus. Da befindet er sich mit seinen Konkurrenten um das Direktmandat in guter Gesellschaft.

Den ländlichen Charakter will Langhoff auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung erhalten. Kleinere Gewerbeansiedlungen sollen unterstützt werden, industrielle Betriebe hätten auf den Dörfern aber nichts zu suchen. Deshalb habe er sich auch in der Bürgerinitiative "Contra Eierfabrik" engagiert. "Das hat nichts mehr mit verträglicher Landwirtschaft zu tun", sagt Langhoff, der im Frühjahr bei einer Fridays-for-Future-Demo in Oranienburg gesehen wurde. Dorthin hatten ihn seine Kinder mitgenommen. Mit den Zielen der Bewegung, die von FDP-Chef Christian Lindner einst kritisiert wurde, hat Langhoff kein Problem – mit dem "Klimanationalismus der Grünen" und der "Realitätsverweigerung der AfD" allerdings schon. "Wir brauchen Wälder statt CO2-Steuern und Innovationen", meint der Finanzwirt. Die Wirtschaft müsse bei der Entwicklung klimafreundlicher Technologien besser unterstützt werden. Für Langhoff ist das der Schlüssel für mehr Klimaschutz.

Einen Facebook-Account hat der 40-Jährige übrigens nicht mehr, seit er vor einigen Jahren wegen seiner mitunter deftigen Kommentare zur Asylpolitik Applaus von rechts und Drohungen von links erhielt, die in zwei Ermittlungsverfahren mündeten. "Mir liegt das direkte Gespräch auch mehr", sagt er. In den sozialen Medien sind deshalb von ihm nur Wahlwerbespots zu sehen.

In der Flüchtlingspolitik fordert er eine klarere Trennung zwischen Asyl und Einwanderung. "Wir brauchen verbindliche Regeln und geordnete Verfahren."

Eine Karriere als Berufspolitiker plant Langhoff, der seit den Kommunalwahlen FDP-Fraktionsvorsitzender in der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung, Mitglied in zwei Schulfördervereinen sowie im Wensickendorfer Feuerwehrverein ist, nicht. Nach fünf Jahren will er Bilanz ziehen: "Wenn ich nicht erreicht habe, was ich erreichen wollte, mache ich den Platz frei."

Zur Person

Daniel Langhoff wurde am 31. Oktober 1978 geboren, wuchs in Wensickendorf auf und lebt dort auch heute mit seiner Frau und seinen 10 und 13 Jahre alten Söhnen. Er ist gelernter Groß und Außenhandelskaufmann und seit 2000 selbstständiger Finanzwirt.

In die FDP trat Daniel Langhoff nach der Bundestagswahl 2013 ein. Die Liberalen waren damals an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert – auch, weil Langhoff damals noch beide Stimmen der CDU gegeben hatte. Ein Fehler, wie er schnell fand, weil die Union sich zu wenig um die Unternehmer kümmere. Seit 2014 ist er Ortsbeirat in Wensickendorf, seit den Kommunalwahlen auch Stadtverordneter und FDP-Fraktionschef in Oranienburg.⇥til

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