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Basis murrt
Handballer erzürnt über Spielverbote

Vermisst nachvollziehbaren Grund und Fingerspitzengefühl: Rudolf Rienaß, Handball-Koordinator beim SV Union Neuruppin und zugleich Vorsitzender des Kreisfachverbandes, findet die vom DHB verordnete Regelung "idiotisch".
Vermisst nachvollziehbaren Grund und Fingerspitzengefühl: Rudolf Rienaß, Handball-Koordinator beim SV Union Neuruppin und zugleich Vorsitzender des Kreisfachverbandes, findet die vom DHB verordnete Regelung "idiotisch". © Foto: MZV
Gunnar Reblin/Stefan Zwar / 17.11.2017, 20:52 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (RA) Die Handballer-Seele auf Amateurebene kocht. In den Funktionären, Trainern und Spielern steigt Wut auf. Der Grund ist die vom Deutschen Handballbund (DHB) verordnete Spieleinschränkung vom 2. bis 17. Dezember während der dann in Deutschland stattfindenden Frauen-Weltmeisterschaft.

"Ich finde diese Regelung idiotisch", bezieht Rudolf Rienaß klar Stellung. Der Vorsitzende des Kreisfachverbandes (KFV) Ostprignitz-Ruppin und zudem Handball-Koordinator sowie Trainer beim SV Union Neuruppin kann über diese "von oberster Stelle" getroffenen Maßnahme nur den Kopf schütteln. "Ich weiß mit Sicherheit, dass ich am 25. November mit einer Stinkwut zur Präsidiumssitzung nach Fredersdorf fahren werde. So geht es vielen meiner Kollegen auch."

Nachwuchskoordinator Christian Schulz vom HC Neuruppin (HCN) schlägt in dieselbe Kerbe: "Im Amateurbereich halte ich diese Vorgabe für Schwachsinn." Und Tony Palmowske, der als Trainer mit den Unioner Frauen am 3. Dezember das daheim das Spitzenspiel gegen SSV PCK 90 Schwedt austragen wollte und somit unmittelbar betroffen ist, sagt: "Diese Spieleinschränkung verursacht ein absolutes Hickhack. Und dann werden einem noch Sanktionen oder mögliche Geldstrafen angedroht, wenn man sich dieser Maßgabe nicht beugt. Das ist frech. Da wurden Fehler gemacht, die wir nun ausbaden müssen."

Im Falle des HCN hätte es laut Christian Schulz ein C-Jugendspiel betroffen. "Wir wollten es in diesem Zeitraum verlegen, dürfen aber nicht. Der Verband hätte auch keine Schiedsrichter gestellt." Beim SV Union müssen kurzerhand gar acht Begegnungen verschoben werden. Rienaß: "Bei uns im Spielunions-Betrieb sind es insgesamt um die 20 Partien, die verlegt werden müssen. Aber in Märkisch-Oderland sind es 70 Spiele, die an drei Tagen angesetzt waren."

Auch Arne Broja ist bedient. Der Sportwart der TSG Liebenwalde erhielt jedoch erst am Dienstagabend jene E-Mail, mit dem Schreiben bezüglich der Spieleinschränkungen während der Frauen-WM. Aufgeführt wird der Beschluss des DHB vom 21.Mai vergangenen Jahres "für die Spielbetriebe der Landesverbände und der 3. Ligen" einige Spieltermine nicht zur Verfügung stehen. Broja versichert: "Wir als Verein haben das nicht mitbekommen. Die Rundmail des Verbandes haben wir offiziell nicht bekommen."

Vom DHB-Beschluss hätten die TSG-Verantwortlichen erst erfahren, als in dieser Woche durch den Landesverband einige für den Dezember angesetzte Spiele von Liebenwalder Teams auf Kreisebene abgesetzt wurden. Betroffen sind einige Nachwuchsteams und die Kreisliga-Frauen. Aus Sicht von Broja, der die männlichen D-Junioren trainiert, beginnen nun die Probleme. "Wir haben die Hallen gemietet und brauchen nun neue Termine. Das wird nicht leicht und wird von den Leuten, die so etwas entscheiden, nicht bedacht." Zudem hätten sich auch die Eltern längst eingestellt. "Seit Saisonbeginn haben alle ihren Spielplan und richten sich darauf ein."

Der DHB hatte in den vergangenen Monaten mehrfach darauf hingewiesen, dass an vier Tagen im Dezember keine Spiele ausgetragen werden dürfen. Das auf Kreisebene dennoch Spiele in mehreren Staffeln angesetzt wurden, erklärt der zuständige stellvertretende Spielleiter Daniel Konietzko so: "Uns war nicht bekannt, dass dieser Beschluss auch für die Kreisebene gilt. Wenn man sich das Schreiben durchliest, wo es um die 3.Ligen und die Spiele der Landesverbände geht, sind wir ausgenommen. Natürlich gehören wir dem Landesverband an. Aber wir haben einen eigenen Spielbezirk und sind das kleinste Rad im Getriebe."

Nun habe er von Lutz Glasewald, Präsidiumsmitglied des Landesverbandes, die Meldung bekommen, dass an den besagten Tagen alle Spiele auf Kreisebene abzusetzen sind. "Darum haben wir uns als Spielbezirk dazu durchgerungen, dem zu folgen und setzten den Wunsch durch." Das Ansinnen des DHB findet Konietzko grundsätzlich nicht schlecht. "Man hätte es nur besser kommunizieren müssen. Auch die Vertreter in Märkisch-Oderland haben es nicht so verstanden, wie es sich der DHB gedacht hat. Auch sie sind nun in der Bredouille."

Große Probleme sieht Daniel Konietzko aber nicht. "Es gibt genug freie Wochenenden, um die betroffenen Spiele nachholen zu können." Den Vereinen bietet der Funktionär bei der Suche nach neuen Hallenzeiten Hilfe an. "Wir bereiten Schreiben für die Kommunen vor. In diesen schildern wir das Problem. Dass die Spiele kurzfristig abgesagt werden, ist höhere Gewalt. So kommen die Vereine mit einem glimpflichen Auge davon."

Dem HC Neuruppin lag laut Christian Schulz Ende März dieses Jahres der Terminplan mit den eingeschränkten Spielwochenende vor. "Wir hatten das im Blick, schön finde ich es trotzdem nicht." Beim HCN besteht auch kein Interesse daran, ein WM-Spiel zu besuchen. Schulz: "Wir haben ein Angebot bekommen, da kostet die Karte ab 50 Personen acht Euro. Aber da kommt noch ein Bus dazu, den wir mieten müssten, die Kosten sind einfach zu hoch." Zudem steht der Termin für das Weihnachtsturnier längst fest. Es ist der 3. Dezember. Am 2. Dezember ist zudem ein Sichtungstermin auf Landesebene in Schwerin. Am selben Tag trifft in Oranienburg um 18.30 Uhr der OHC trifft auf die Handball-All-Stars, die von Heiner Brand trainiert werden. Mit dabei sein werden unter anderem Christian Schwarzer, Stefan Kretschmar und Pascal Hens und viele bekannte Handballgrößen mehr. Gespielt wird für einen guten Zweck.

Genau zu diesem Spiel zieht es auch Rudolf Rienaß. "Das schaue ich mir gerne an, ein WM-Spiel eher nicht." Anders Vereinskollege Tony Palmowske. "Ich werde bestimmt mal nach Magdeburg oder Leipzig fahren. Zuletzt habe ich die Frauen in Berlin beim Test gegen die Niederlande gesehen. Hut ab, was Bundestrainer Michael Biegler da in kurzer Zeit für eine tolle Mannschaft geformt hat." Zum Termin-Gezerre bemerkt er: "Man hätte doch Termine im System blocken können, die wir im Verein bei der Planung gar nicht wählen hätten können, dann hätte es jetzt auch nicht dieses Hickhack gegeben."

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