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Rechter Schläger muss ins Gefängnis

HSTILLN / 09.05.2008, 07:16 Uhr
Eberswalde Es schien ein ganz normaler Montagnachmittag zu werden, am 3. Dezember 2007. Helga Thomé war auf dem Weg zur Bushaltestelle auf der Bahnhofsbrücke, da fiel ihr ein junger Mann auf, der Wartende um Hilfe bat. Sein Gesicht wies Spuren von Schlägen auf. "Als ich an der Haltestelle eintraf, wurde er von zwei Rechten angegriffen. Sie beschimpften ihn und wollten weiter auf ihn einprügeln", schildert die Ingenieurin die damalige Situation. Daraufhin rief sie die Polizei. Die vier rechten Schläger konnten kurze Zeit später verhaftet werden, einer von ihnen stand gestern in Eberswalde vor Gericht.

Mit einer Trainingshose und einem schwarzen T-Shirt bekleidet, wird Andy G. in Handschellen in den Gerichtssaal des Amtsgerichtes gebracht. Fast unscheinbar sah er aus, wären da nicht die Trainingshose einer Modemarke, die die Buchstaben "nsdap" im Logo beinhaltet und marschierende Soldaten unter dem Schriftzug "Nordic Walking" auf seinem T-Shirt zu sehen. Auf die Frage des Richters, warum er auf das Opfer einschlug, hat er nur ein kurzes "weeß ick nich" parat. Der 21-Jährige habe den Punk erst alleine vor dem ehemaligen Plus-Supermarkt in der Bergerstraße getroffen. Es sei zu einem Wortwechsel gekommen, schildert der mehrmals vorbestrafte Angeklagte. Und dann habe er den Punk, der gestern nicht vor Gericht erschienen ist, kurze Zeit später mit drei Freunden zusammen ein zweites Mal getroffen. Aber dieses Treffen an der Eisenbahnbrücke in Bahnhofsnähe "war nicht geplant, das war reiner Zufall", beteuerte der in U-Haft sitzende Andy G. Nach einem Wortwechsel prügelten Andy G. und der 18-jährige Sebastian E. aus Bernau, der am 19. Mai wegen der selben Tat vor dem Jugendgericht stehen wird, auf den Punk ein. Die beiden anderen Beteiligten hätten nur zugeschaut, bestätigten zwei Zeugen, die die Tat von einem gegenüberliegenden Haus aus beobachtet haben. Einer der beiden zuschauenden Täter soll den Vorfall aber mit seinem Handy fotografiert oder gar aufgenommen haben.

Welcher der beiden Schläger nun aber genau zugeschlagen hat und wie oft, konnte nicht abschließend geklärt werden. Andy G., der eine politische Motivation seiner Tat leugnete, bekannte sich dazu, mindestens einmal zugeschlagen zu haben. Dies, die einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten und die Tatsache, dass er sich zum Tatzeitpunkt auf Bewährung befand, reichten dem Vorsitzenden Richter und den beiden Schöffen, um den Angeklagten nach einer knapp sechsstündigen Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und neun Monaten Haft zu verurteilen.

Damit sind die Richter, die keine politische Motivation der Tat erkennen wollten, unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft von zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug geblieben.

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