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Braunkohle-Studie sorgt für Wirbel

HKRAUDZUNN / 26.11.2008, 08:05 Uhr
Beeskow In einer Studie zur Tagebauentwicklung in Brandenburg wird auch eine Braunkohle-Lagerstätte in Oder-Spree genannt - die von Pfaffendorf bis Fürstenwalde reicht. Die Linke befürchten einen Abbau in der Zukunft, das Wirtschaftsministerium weist dies zurück.

Detailliert werden in der Studie, die von der Technische Universität Clausthal ausgearbeitet wurde, bereits Varianten aufgeführt. So unterteilt sich das Braunkohlegebiet in zwei Felder: Im Nordfeld liegen Fürstenwalde, Berkenbrück und Hasenloss, im Südfeld wären Ortsteile der Großgemeinde Rietz-Neuendorf betroffen.

Viele Dörfer, unter anderem Alt Golm, Drahendorf, Pfaffendorf, Sauen, Neubrück oder Görzig, müssten der Studie zufolge bei einem möglichen Braunkohle-Abbau zu 100 Prozent weichen. Selbst Teile von Beeskow (Radinkendorf, Neuendorf und Weinberge) wären betroffen. Insgesamt würde dies Konsequenzen für 27 000 Menschen haben.

Experten sagen indes, dass der Abbau von Braunkohle in Oder-Spree illusorisch sei, da die Qualität nicht ausreiche. Das bestätigt auch das Wirtschaftsministerium. "In Oder-Spree befindet sich ein Ersatzfeld, das in einer Rangfolge der Abbaumöglichkeiten weit unten steht", sagt die Sprecherin Claudia Lippert. In der Studie, die zudem nicht mehr ganz neu sei, habe die TU Clausthal untersucht, wo überall in Brandenburg Kohle lagert und wie sinnvoll der Abbau weiterer Lagerstätten ist. "Und diese Lagerstätten würden auch nur dann in Betracht gezogen, wenn neuen Kraftwerke gebaut werden sollen", sagt sie. Oder-Spree habe als Rohstoffreserve keine Bedeutung.

Landrat Manfred Zalenga sieht in der Studie eine Vorlage für politische Diskussionen, jedoch keine Auswirkungen für den Kreis. "Das hat in Beratungen, auch in der Regionalen Planungsgemeinschaft, niemals eine Rolle gespielt", sagt er

Entdeckt wurden Braunkohlelagerstätten bereits im 18. Jahrhundert in den Rauener Bergen, deren höchste Erhebung 153 Meter ist. Von 1843 bis 1874 wurden 1 740 000 Kubikmeter Braunkohle in den Rauener Bergen gefördert. Doch bereits 1905 sind die Kohlegruben wieder stillgelegt worden.

Anfang der 1980er Jahre gab es dann eine weitere Entdeckung: Briesen stand auf Braunkohle, 1982 wurden der Ort und die Umgebung zum Braunkohleschutzgebiet erklärt. Der Tagebau sollte 1995 eröffnet und Briesen bis dahin umgesiedelt werden. Per Gesetz gab es einen Baustop. Es wäre fast das endgültige Ende der Gemeinde gewesen, wären da nicht der hohe Salzgehalt der Kohle gewesen, die die geplante Aktion verzögerten.

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VonHenning Kraudzun

In einer Studie zur Tagebauentwicklung in Brandenburg wird auch eine Braunkohle-Lagerstätte in Oder-Spree genannt - die von Pfaffendorf bis Fürstenwalde reicht. Die Linke befürchtet in der Region einen Abbau in der Zukunft, das Wirtschaftsministerium weist dies zurück.

Detailliert werden in der Studie, die von der Technischen Universität Clausthal ausgearbeitet wurde, bereits Varianten aufgeführt, wie viel Infrastruktur und Siedlungen betroffen wären. So unterteilt sich das Braunkohlegebiet Oder-Spree in zwei Felder: Im Nordfeld liegen Fürstenwalde, Berkenbrück und Hasenloss, im Südfeld wären Ortsteile der Großgemeinde Rietz-Neuendorf betroffen.

Viele Dörfer, unter anderem Alt Golm, Drahendorf, Pfaffendorf, Sauen, Neubrück oder Görzig, müssten der Studie zufolge bei einem möglichen Braunkohle-Abbau zu 100 Prozent weichen. Insgesamt würde der Abbau Konsequenzen für 27 000 Menschen haben.

Der Landtagsabgeordnete und neue Kreisvorsitzende der Linken, Peer Jürgens, glaubt, dass die Studie Konsequenzen für den Kreis Oder-Spree haben könnte. "Das Feld spielt in den langfristigen Planungen eine Rolle", sagt Jürgens, dessen Partei das Volksbegehren "Keine neuen Tagebaue" unterstützt. Man wolle die Menschen darauf aufmerksam machen, dass auch vor ihrer Haustür, Tagebaue entstehen könnten.

Dies sei völlig realitätsfern, betont das brandenburgische Wirtschaftsministerium. "In Oder-Spree befindet sich ein Ersatzfeld, das in der Rangfolge hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit weit unten steht", sagt die Sprecherin Claudia Lippert. In der Studie aus dem Jahr 2007 habe die TU Clausthal untersucht, wo überall in Brandenburg noch Kohle lagert und wie sinnvoll der Abbau weiterer Lagerstätten ist. "Und diese Lagerstätten würden auch nur dann in Betracht gezogen, wenn neue Kraftwerke gebaut werden", sagt sie. Die Flöze Oder-Spree hätten als Rohstoffreserve keine Bedeutung.

Landrat Manfred Zalenga sieht in der Studie eine Vorlage für politische Diskussionen, jedoch keine Auswirkungen für den Kreis. "Das hat in Beratungen, auch in der Regionalen Planungsgemeinschaft, niemals eine Rolle gespielt", sagt er. Die Kohle liege sehr tief, sie sei nass und sehr salzhaltig, weiß Zalenga, der lange Zeit in Briesen gewohnt hat. Dort war ein Abbau in den 80er Jahren geplant (siehe Kasten). Parteien, die in der Initiative gegen neue Tagebau engagiert seien, "wollen Emotionen mit der Braunkohle wecken". Auch Rietz-Neuendorfs Bürgermeister Olaf Klempert betont: "Wir haben keine Angst, dass wir weggebaggert werden."

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Entdeckt wurden Braunkohle-Lagerstätten bereits im 18. Jahrhundert in den Rauener Bergen. Von 1843 bis 1874 wurden dort 1 740 000 Kubikmeter Braunkohle gefördert. Doch bereits 1905 sind die Kohlegruben wieder stillgelegt worden.

Anfang der 1980er Jahre sollte ein Flöz östlich von Fürstenwalde erschlossen werden. Briesen und die Umgebung wurden zum Braunkohleschutzgebiet erklärt. Der Tagebau sollte den Plänen zufolge 1995 eröffnet und Briesen bis dahin umgesiedelt werden. Per Gesetz gab es in dem Ort einen Baustop. Indes verzögerte der hohe Salzgehalt der Braunkohle das Anrücken der Bagger. Mit der Wende wurde das Projekt zu den Akten gelegt.

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