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Radeln gegen EU-Verdrossenheit

Mit E-Bike, Zelt und Schlafsack unterwegs: Steven Hille besucht für vier Wochen Firmen in ganz Brandenburg, die von EU-Förderung profitiert haben. Das Zelt, so gesteht der 27-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht, habe er aber nur zwei Mal ausgepackt.
Mit E-Bike, Zelt und Schlafsack unterwegs: Steven Hille besucht für vier Wochen Firmen in ganz Brandenburg, die von EU-Förderung profitiert haben. Das Zelt, so gesteht der 27-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht, habe er aber nur zwei Mal ausgepackt. © Foto: MZV
Roland Becker / 13.06.2017, 06:15 Uhr
Hennigsdorf (HGA) Steven Hille, 27 und Student der Publizistik, hat sich auf EU-Spurensuche in Brandenburg gemacht. Besser gesagt, erradelt er Orte, die von Fördermitteln der Europäischen Union profitiert haben. Seine Tour führte ihn auch nach Hennigsdorf.

"Das ist ein spannendes Unternehmen, das auf Nachhaltigkeit setzt", lobt Brandenburgs wohl jüngster EU-Botschafter nach seinem Besuch die Firma Weise Water GmbH. "Die haben ein Wasserfiltersystem entwickelt, das kostengünstig produziert und dafür keine Energie benötigt", hat der in der Berlin studierende Blogger am Freitag erfahren. Damit können, so erzählt er weiter, jegliche Dreckpartikel, Pestizide und auch Viren aus dem Wasser gefiltert werden. In den nächsten Tagen dürften die Brandenburger diese Geschichte auf seinem Blog lesen können. Dort protokolliert er in locker geschriebenen Geschichten, mit Fotos und kleinen Filmen, wie Brandenburg von den Finanztöpfen der EU profitiert. Dass der Brandenblogger, wie sich der Berliner Student nennt, genau diese Firma besucht hat, kommt nicht von ungefähr. Auch Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) stattete dem Unternehmen für Wasseraufbereitung, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gefördert wurde, vor einigen Monaten einen Besuch ab. Weise Water ist einer der vielen kleinen von der EU unterstützten Leuchttürme, von denen ein Signal die Menschen erreichen soll: Die EU hilft auch der deutschen Wirtschaftsentwicklung auf die Sprünge. Dr. Uwe Krink, Sprecher im Potsdamer Europaministerium drückt das so aus: "Die EU ist vor Ort."

Und deren Stellvertreter vor Ort ist Steven Hille. Auf seinen Stationen trifft er auf die Wildsamenzüchter von Jänschwalde, überzeugt sich von internationaler Küche in Wittenberge oder staunt über das Leitsystem im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Dass seine Erlebnisberichte von Wohlwollen geprägt sind, versteht sich von selbst. Schließlich ist das Land Brandenburg sein Auftraggeber. Schwer dürfte ihm das nicht fallen. Schließlich finanziert ihm das Land vier Wochen all das, was für den 27-Jährigen Spaß am Leben bedeutet: "Ich liebe die Natur, verrückte Ideen und den Fahrtwind auf meinem Rennrad." Nun gut, aus dem Rennrad ist in diesem Fall ein E-Bike geworden, dass ihm ein Biesenthaler Fachhändler geliehen hat. Zwischen 30 und 120 Kilometer brandenburgischen Bodens hat Hille täglich unter den Pedalen. Wenn das Fahrrad nicht geklaut wird. "Das ist mir in Luckenwalde passiert. Ich war zehn Minuten für ein Interview in der Touristen-Info, und schon war es weg." Der Sponsor zeigte sich großzügig. Noch am selben Tag wurde aus Biesenthal ein Ersatzrad geliefert.

Nach dem Hennigsdorf-Besuch am Freitag gönnten sich das Rad und seiner Interims-Besitzer eine Pause. In den Barnim sollte es ausnahmsweise mal mit dem Zug gehen, um die nächste Station zu erreichen.

Für Steven Hille ist die Brandenburg-Tour ein vierwöchiges Abenteuer. Für das Europaministerium eine gewagte Tour. Rentiert sich das Geld, das sie in den radelnden Studenten steckt? Erfolg dürfte hier relativ sein. Auf Facebook folgen ihm derzeit knapp 1 600 User. Und es gibt einzelne Kommentare, die ein Beamtenohr zwar anfangs fremd erscheinen, dann aber durchaus erfreuen dürften. "Diggah das heißt ja dass diese eu voll geil ist", schrieb dieser Tage ein Kommentator.

Für die brandenburgische Regierung ist die Hille-Tour nur der Auftakt zu einer bis in den Herbst 2018 reichenden und 260 000 Euro kostenden Werbetour, in der die finanziellen Vorzüge der EU gepriesen werden.

Hille ist übrigens nicht nur begeisterter EU-, sondern auch Weltbürger. "Am allerliebsten würde ich mein ganzes Leben um die Welt reisen", bekennt er. Von seinen Abenteuern erzählt sein privater Blog "Funkloch". Darin steht auch die Geschichte jener Menschen eines Dorfes in Uganda, die endlich wieder einen funktionierenden Brunnen haben. Dank der Hilfe von Steven Hille und vielen Mitstreitern.

Geschichten, Bilder und Filme von Steven Hilles Tour sind unter www.brandenburg-da-geht-was.de zu finden.

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