Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sicherheit
Gewi musste klagen, um Rauchmelder anzubringen

Lebensretter an der Decke: Rauchmelder sind auch in Brandenburg Pflicht und gehören in Aufenthalts- und Schlafräume. Die Wohnungsunternehmen haben bis Ende 2020 Zeit, alle Wohnungen auszustatten.
Lebensretter an der Decke: Rauchmelder sind auch in Brandenburg Pflicht und gehören in Aufenthalts- und Schlafräume. Die Wohnungsunternehmen haben bis Ende 2020 Zeit, alle Wohnungen auszustatten. © Foto: ABUS
Janet Neiser / 01.11.2019, 18:05 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Dank aufmerksamer Anwohner, die einen Rauchmelder wahrgenommen haben, konnte die Feuerwehr schnell alarmiert werden und den brennenden Kochtopf vom Herd nehmen. Eine Person wurde an den Rettungsdienst übergeben." Das berichtet die Freiwillige Feuerwehr Eisenhüttenstadt dieser Tage auf ihrer Facebook-Seite. Der Einsatz im VI. Wohnkomplex verlief zum Glück glimpflich. Eine Schlagzeile aus Moers in Nordrhein-Westfalen in dieser Woche sieht leider anders aus: "78-Jährige stirbt bei Brand: Rauchmelder weckt Nachbarn."

In beiden Fällen wurde durch den Qualm ein Rauchmelder ausgelöst. Möglicherweise hätte sich das Feuer ansonsten ausgebreitet und noch mehr Menschen in Gefahr gebracht. Im Land Brandenburg besteht seit dem 1. Juli 2016 eine Rauchmelderpflicht für Neu- und Umbauten. Für Bestandsbauten, zu denen eben auch Wohnblöcke gehören, gibt es eine Übergangsfrist zur Nachrüstung. Diese endet am 31. Dezember 2020.

"Jeder dritte Wohnungsbrand entsteht nachts. Das ist besonders gefährlich, denn der Geruchssinn ist im Schlaf ausgeschaltet. Deshalb bemerken wir die giftigen Rauchgase nicht. Innerhalb 2-4.Minuten werden die Opfer bewusstlos und ersticken im Schlaf", heißt es in einem Informationsblatt, das die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) verteilt. Rauchwarnmelder müssen daher an den Decken in Schlafräumen und Kinderzimmern angebracht werden sowie in Fluren und Räumen, die als Fluchtwege dienen. Küchen und Bäder hingegen sind gar nicht geeignet. Für die Installation und Wartung ist in Brandenburg der Eigentümer verantwortlich. 4340.Wohnungen hat die EWG bereits durch das Unternehmen Techem mit insgesamt 15 029.Rauchwarnmeldern ausstatten lassen. Das Unternehmen übernimmt auch die Kontrolle und Wartung der Signalanlagen. "Das sollen die Mieter gar nicht selbst machen. Wir wollen sichergehen, dass die Geräte auch tatsächlich funktionieren", betont Verena Rühr-Bach, die Vorstandsvorsitzende der EWG. Die Genossenschaft habe 2017 damit begonnen, Rauchwarnmelder anbringen zu lassen. "Jetzt sind bereits mehr als 85 Prozent unserer Wohnungen ausgestattet. Der Resteinbau erfolgt sukzessive." Hier und da sei es passiert, dass ein Fehlalarm ausgelöst wurde, weil ein Gerät fehlerhaft war, zweimal habe ein Rauchwarnmelder bei tatsächlicher Qualmentwicklung ausgelöst. Größere Brände habe es seitdem aber nicht gegeben.

Auch bei der Gebäudewirtschaft (Gewi) sind Rauchwarnmelder ein brandheißes Thema. "Wir haben etwa 7000 Wohnungen und etwa 4000 davon bereits mit Rauchwarnmeldern ausgestattet", sagt Oliver Funke, der Geschäftsführer. Bis Ende 2020 werde man alle schaffen. Im Gegensatz zur EWG lässt die Gewi die Geräte durch die Hausmeister des Tochterunternehmens Oder-Immobilien Dienstleistungs-GmbH (OID) anbringen und warten.

Die Gewi musste klagen

Bislang gab es dort, wo die Signalgeber installiert wurden, keine Beschwerden. Die Mieter kämen damit klar. Allerdings lassen nicht alle Mieter die Hauswarte in ihre Wohnungen, damit diese die Rauchmelder einbauen können. Die Gründe? Unter anderem sei das Thema Elektrosmog aufgekommen, berichtet Oliver Funke. Da er jedoch dazu verpflichtet ist, die Richtlinie umzusetzen, habe er etwa eine Hand voll Klagen beim Amtsgericht einreichen müssen, um das Zutrittsrecht zu bekommen. Die meisten Mieter hätten, nachdem sie das Schreiben bekommen haben, selbst eingelenkt. Derzeit sei nur noch ein Fall anhängig.

Wenn im Falle eines Brandes herausgefunden wird, dass es keine Rauchmelder gab, ist das ein Verstoß gegen die Bauordnung und kann unter Umständen ein strafrechtliches Verfahren nach sich ziehen. Zudem könnten Versicherungen Leistungen kürzen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Werner Matzat 02.11.2019 - 19:26:52

Klagefreudige Gewi? - der Spion Rauchwarnmelder! - Verlieren wir endgültig die Macht über unserer Daten?

Sehr geehrte MieterInnen und Rauchwarnmelder Geschädigte, zwei wichtige Informationshinweise, in eigener Sache, zu den Spionen in den eigenen vier Wänden. Der Einbau eines solchen High - Tech-Geräts verstößt gegen des Mieters Grundrechte wie dem auf Unverletzlichkeit der Wohnung. 1. Hier nur drei Beispiele für solche neuen, mit immer intelligenterer Software ausgestatteten Spionage-Geräte: (1) Im Jahr 2015 kaufte Google für mehrere Milliarden Dollar die Firma "Nest" - ein kleines, damals erst fünf Jahre altes Unternehmen, das lediglich zwei Produkte vertreibt. Eines davon ist ein intelligenter Rauchmelder mit Kamera. Dieser erkennt unter anderem, wie viele Personen sich wie lange in welchen Zimmern aufhalten. (2) 2016 verklagte eine Verbraucherin den Hersteller eines vernetzten Vibrators, der über eine App höchst intime Daten über den Einsatz des Masturbationsgerätes gesammelt hatte. (3) Unterdessen gibt es den intelligenten Lautsprecher von Google, ein blumenvasenartiges Gerät, das per Spracherkennung Hausgeräte steuert, die Heizung reguliert oder online Essen bestellt. Auch wenn wir nicht mit der Software sprechen, die Mikrofone nehmen ständig auf. Und dann ist da noch der Staubsaugroboter "Roomba": Dieser sammelt nicht nur Staub ein, sondern auch jede Menge Daten über unser Zuhause, die er seinen Herstellern ohne weiteres übermitteln kann. Laut Statistischem Bundesamt ist die Anzahl von Brandtoten in Deutschland zwischen 1980 und 2008 (auch ohne Rauchmelder) deutlich gesunken. Auch die Wirtschaftswoche hat in ihrer Onlineausgabe im November 2012 darauf hingewiesen, dass die Zahl der Brandopfer rückläufig ist und zwar völlig unabhängig von Rauchmeldergesetzen. Die Profiteure dieser Gesetze werden allerdings selten thematisiert, dabei sollte vor allem beleuchtet werden, wer von welchem Gesetz profitiert. (Lobbyisten sichern lukrative Profitquelle für ihre Klientel) Quelle: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/brandschutz-die-starke-lobby-der-rauchmelderhersteller/7334810.html --- Und 2. sollten Sie weiterhin beachten, Nebenkosten sind vielfach die "zweite Miete": Laut Deutschem Mieterbund zahlen Mieter in Deutschland durchschnittlich 2,19 Euro pro Quadratmeter und Monat für Betriebskosten. Häufig lohnt es sich, die Abrechnung noch einmal zu überprüfen denn sie kann Leistungen enthalten, die Vermieter eigentlich nicht auf den Mieter umlegen dürfen. Kosten für Rauchmelder und die Reinigung der Regenwasserrohre sind demnach nicht durch die Verordnung gedeckt. Bei Fehlern in der Abrechnung hat ein Mieter für seinen Einspruch ein Jahr Zeit. Wer weitere Hilfe benötigt wende sich an diese Quelle: Service Verbraucherzentrale Berlin - Hardenbergplatz 2, 10623 Berlin Tel: 030 214 85 0 Möglich sind persönliche-, Telefon- oder E-Mail-Beratung mail@verbraucherzentrale-berlin.de --- Für die persönliche Beratung ist ein Termin erforderlich, den Sie online oder unter der Telefonnummer 030 - 214 85-150 zu folgenden Zeiten vereinbaren können: Dienstag bis Freitag 10.00-12.00 Uhr und 14.00-16.00 Uhr Stand: Januar 2018 Oder während der Öffnungszeiten: Montag 09.00 bis 13.00 Uhr Dienstag/Freitag 09.00 bis 16.30 Uhr Mittwoch/Donnerstag 09.00 bis 19.00 Uhr - Allerdings muss das entweder im Mietvertrag oder, bei einer Nachrüstung, in einer Ergänzungsvereinbarung festgehalten worden sein. Man stelle sich nur einmal den Herrschaftsbereich in den 1930er Jahren oder die Stasi in der DDR mit dieser Technologie vor. Jeglicher Widerstand wäre komplett aussichtslos. Es ist dies eine Dystopie, (negatives Bild der Zukunft) die näher liegt als die meisten Menschen glauben. Nur dass es nicht mehr nur der Staat ist, der uns beschnüffelt, sondern auch profitgierige Unternehmen (Vermieter). Es lässt sich der Einbau Zwang des Vermieters und seine Gier nach einer lukrativen Profitquelle aber auch anders formulieren: "Alles was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit. Und das Wegschauen der Massen. (Kofi Annan 1938-2018, ghanaischer Diplomat, Friedensnobelpreisträger und das Gewissen der Welt) Noch weitere Fragen dazu?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG