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Wettbewerb
Anwohner sammeln 115 Kilo Müll

Annemarie Diehr / 18.07.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Das Kaugummipapier ist erst der Anfang. Mit behandschuhten Fingern greift Sophie Schmidt in einen kniehohen Busch, holt Bierdeckel und Schokoladenpapier aus ihm hervor. "Eigentlich hatte unsere Nachbarschaft beschlossen, keinen Müll mehr im Innenhof liegen zu lassen. Doof ist, dass sich nicht alle dran halten", sagt die 14-Jährige. Sie wohnt im Konstantin-E.-Ziolkowski-Ring, wo am Mittwochvormittag eine große Müllsammelaktion des Quartiersmanagements Fürstenwalde Nord stattfand.

Laut Ordnungsamt bilden die Wohnblöcke in Nord einen der Schwerpunkte in Sachen herrenloser Abfall. Neben den Müllcontainern sammeln sich Verpackungsreste und Flaschen, ganze Schrankwände und Haushaltsgeräte. Doch nicht nur dort, jüngsten Maerker-Einträgen zufolge häufen sich auch in der Schloßstraße und in den Pflaumenbergen, am Ende der Ehrenfried-Jopp-Straße, wilde Deponien.

103 Fälle von illegal entsorgtem Müll haben Ordnungsamtsmitarbeiter seit Jahresbeginn in Fürstenwalde selber festgestellt, 30 weitere Fälle meldeten Bürger über das Online-Portal Maerker. "Aktuell sind diesbezüglich 20 Bußgeldverfahren offen", sagt Stadtsprecherin Nadine Gebauer. In den seltensten Fällen wird die Verwaltung den Müll-Verursachern habhaft, die Konsequenzen tragen sie und Anwohner alleine.

"Der Müll wird immer schlimmer", sagt Kerstin Büge, während sie wie 15 andere Erwachsene und Kinder mit Gelben Sack über die Wiese im Ziolkowski-Ring streift. "Mehr Müllcontainer wären gut, zwei Tonnen für vier Aufgänge sind zu wenig", findet sie. "Wir könnten mehr Tonnen aufstellen, aber wir wollen die Mieter auch vor erhöhten Kosten schützen", sagt dazu Anke Thieme, die bei der Wohnungswirtschaft den Bereich Nord verwaltet.  Auch die Wohnungsbaugenossenschaft und zwei private Hauseigentümer vermieten im Ziolkowski-Ring Wohnungen. Das Problem sei, so Anke Thieme, dass viele Mieter ihren Müll nicht richtig trennen, die Hausmeister deswegen auch mal Gelbe Säcke über den Restmüll entsorgen müssen.

Hausmüll in Papierkörben

"Ein Anfang wäre ja schon, mehr Mülleimer und Hundekotbehälter aufzustellen", sagt Iris Jatzek. Sie wohnt in einem benachbarten Einfamilienhaus jenseits der Bahngleise und setzt sich für die Belange der Anwohner in Nord ein. Die Wowi stelle aus Prinzip keine zusätzlichen Papierkörbe im Innenhof auf, sagt Anke Thieme. Die Gefahr sei, dass dadurch noch mehr Hausmüll aus der benachbarten Gartensparte oder von Passanten in den Körben lande. "Unser Hausmeister geht fast täglich mit Müllsack über den Innenhof, obwohl das eigentlich nicht zu seiner Tätigkeit gehört", sagt Thieme.

"Es wäre schön, wenn es mit solchen Aktionen gelingt, mehr Anwohner zu sensibilisieren", sagt Katrin Kaiser vom Quartiersmanegement. Sie leitet den Anwohnertreff Zilki13. Den Müllsammelwettbewerb hat sie im Oktober 2018 initiiert, damals gab es zwar doppelt so viele Teilnehmer, die Ausbeute war aber ähnlich: 115,5 Kilo Müll sind am Mittwoch zusammengekommen. "Davon sind 24,5 Kilo reiner Erwachsenenmüll", sagt Kaiser, "nämlich Schnapsflaschen".

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