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Hauptamtliche Kräfte zieht es in andere Städte, die mit Verbeamtung locken. Die Stadtverordneten lehnen die Gründung einer Arbeitsgruppe ab.

Personalprobleme
Kündigungen bei der Feuerwehr

Abschied: Mit dieser witzigen Bildidee haben die Fürstenwalder Feuerwehrleute einem Kollegen gedankt, der jetzt in Berlin bei der Berufsfeuerwehr tätig ist.
Abschied: Mit dieser witzigen Bildidee haben die Fürstenwalder Feuerwehrleute einem Kollegen gedankt, der jetzt in Berlin bei der Berufsfeuerwehr tätig ist. © Foto: Feuerwehr Fürstenwalde
Joachim Eggers / 09.10.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 09.10.2019, 16:26
Fürstenwalde (MOZ) Mindestens vier hauptamtliche Feuerwehrleute haben dieses Jahr schon bei der Stadt Fürstenwalde den Dienst quittiert, und die Kündigungswelle rollt schon länger. Andernorts lockt die Verbeamtung. In Fürstenwalde will Bürgermeister Matthias Rudolph vom Bündnis Fürstenwalder Zukunft (BFZ) dieses Instrument aber nicht ohne weiteres einführen.

Alexander Grünler nimmt kein Blatt vor den Mund. Der 26-jährige Müncheberger arbeitet seit dem 1. April bei der Potsdamer Berufsfeuerwehr. "Dabei war ich in Fürstenwalde sehr glücklich", betont er. Jetzt nimmt er einen mehrfach so langen Arbeitsweg wie bisher auf sich. Aber die Landeshauptstadt lockt mit Verbeamtung. Grünler denkt vor allem an die Altersabsicherung, die dieser Status aus seiner Sicht mit sich bringt. Wenn mit zunehmendem Alter die körperliche Tauglichkeit nachlasse, sei es dort denkbar, zum Beispiel als Maschinist beschäftigt zu werden.

Fruchtlose Gespräche

In Fürstenwalde "ist das Thema bei der Stadtverwaltung noch nicht angekommen", sagt Grünler. Er spricht von mehreren Anläufen und Gesprächen, "die nichts bewirkt haben". Seinen früheren Chef, Jörn Müller, nimmt er ausdrücklich von der Kritik aus. Der will sich zu dem Thema gar nicht äußern, mit Blick auf anstehende Gespräche über das Personalproblem und andere offene Fragen.

Für Bürgermeister Matthias Rudolph ist das Thema noch nicht hinreichend diskutiert. Er stellt in Frage, dass die Verbeamtung ein geeignetes Mittel ist, um Feuerwehrleute am Abwandern zu hindern. "Die Feuerwehrleute erkennen nicht die negativen Bestandteile einer Verbeamtung", sagt er und zählt auf: kein Streikrecht, andere Weisungsgebundenheit, leichtere Möglichkeit zur Ausmusterung. Ein massives Personalproblem in Fürstenwalde sieht er nicht: "Es bewerben sich auch Leute, wir sind immer noch ein attraktiver Arbeitgeber." Wenn jetzt mehr Städte – wie Königs Wusterhausen – Beamten-Verträge anbieten, sei das ein Wettrüsten. So ähnlich sieht das auch Sven Erkner, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, der von Wettbewerbsverzerrung spricht. Man entkomme ihr aber nicht. "Wir müssen das Problem hier in Fürstenwalde lösen", sagt er. Der Verein hat schon Gespräche mit der Verwaltung über das Thema geführt, Erkner sieht auf der anderen Seite durchaus Kompetenz.

Mangel an Freiwilligen

Rudolphs Fragen gehen noch weiter: Er verweist auf andere Bundesländer, in denen erst Städte ab 100 000 Einwohnern  eine Berufsfeuerwehr unterhalten müssen. "Da funktioniert der Brandschutz auch." Man müsse überlegen, ob der Mangel an freiwilligen Feuerwehrleuten nicht auch mit der Existenz der hauptamtlichen Kräfte zu tun habe.

Die Diskussion um die Personalfragen kommt zu der um die materielle Ausstattung hinzu. Eigentlich ist klar, was noch aussteht: ein Rettungsboot und ein sogenanntes Wechsellader-Fahrzeug, das vielseitig einsetzbar sein soll. Vor allem beim Boot wirft Rudolph erneut Fragen auf. Im Feuerwehrtechnischen Zentrum in der Lise-Meitner-Straße stünden vier Boote, unter anderem von Technischem Hilfswerk und DLRG. "Die stehen sich weitgehend kaputt."

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung scheiterte ein Antrag von Rudolphs politischen Weggefährten vom BFZ, eine Arbeitsgruppe zur Feuerwehr einzurichten. Das Gegenargument der Mehrheit lautete: Es ist nicht unser Job, eine Bestandsaufnahme zu machen, wie es im Antrag stand. "Hier ist die Verwaltung in der Bringepflicht", bekräftigte am Dienstag Uwe Koch (CDU), der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, diesen Standpunkt. Rudolph hätte nach eigener Auskunft die Gründung der Arbeitsgruppe gern gesehen. Jetzt werde die Verwaltung die aufgeworfenen Fragen aufarbeiten und den Stadtverordneten die Ergebnisse vorlegen. Rudolph verweist auf andere Aufgaben der Stadt: Schule, Hortplätze, Straßenbau, das alles sei auszutarieren. Welche Priorität hat die Feuerwehr? "Sie gehört zu den pflichtigen Aufgaben wie Schule und Kitas und steht auf Platz eins", antwortet der Rathaus-Chef.

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