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Gigafactory
Tesla-Pläne elektrisieren eine Region

Manja Wilde / 13.11.2019, 19:45 Uhr - Aktualisiert 14.11.2019, 10:14
Grünheide (MOZ) Als Peer Heineken am Mittwoch Flaschen in den Glascontainer wirft, wird er als Fotomodell entdeckt. Vielmehr ist es sein Auto, das die Blicke der Journalisten, die im Grünheider Ortszentrum unterwegs sind, auf sich zieht. Ein weißer Tesla. Der 46-jährige Mann aus dem Grünheider Ortsteil Kagel fährt ihn seit April. Und die Nachricht, dass der amerikanische Autobauer seine neue Gigafactory in der Gemeinde errichten will, hat Heineken geradezu elektrisiert.

"New York, Shanghai, Nevada – Grünheide", sagt er und schüttelt den Kopf. "Abgefahren!" Als er erfuhr, dass die Fabrik im GVZ Freienbrink entstehen soll, habe er sich sofort ins Auto gesetzt und sei in das Gewerbegebiet an der A10 gefahren. "Ich wollte mal gucken, ob man schon was sieht", sagt Heineken, als er gegen Mittag wieder zu Hause ist.

Grünheides Bürgermeister Arne Christiani (parteilos) ist da auf dem Weg in die Staatskanzlei. "Das ist nicht nur für die Gemeinde eine zeitgemäße Investition in einer Größenordnung, von der wir seit der geplatzten Ansiedlung von BMW immer geträumt haben, sondern für das gesamt Land", betont er beim Telefonat mit der MOZ. Durch die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätzen könnten junge Menschen, die nach Schule oder Studium in der Region bleiben wollen, dort Arbeit finden.

7000 bis 8000 Arbeitsplätze, heißt es dann auf der Pressekonferenz, werden in Freienbrink entstehen. Christiani betont, dass das GVZ  gut über Schiene und Autobahn angebunden ist. Der Busverkehr werde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis ausgebaut. Es bestehe Einigkeit, dass für Grünheide die Landesplanung so geändert werden muss, dass zusätzliche Wohnbebauung möglich wird. Der für die Ansiedlung nötige, 300 Hektar umfassende Bebauungsplan liege vor, seit BMW im Jahr 2001 ankündigte, ein Werk mit 2500 bis 4000 Arbeitsplätzen zu errichten. Landrat Rolf Lindemann (SPD) lobte die reibungslose Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und den Potsdamer Ministerien.

Hoffen auf weitere Arbeitsplätze

Von einem "grandiosen Erfolg für die @see-Region", sprach Fürstenwaldes Bürgermeister Matthias Rudolph (BFZ). "Wir hätten uns gefreut, wenn Fürstenwalde diese Ansiedlung bekommen hätte, aber Flächen in der Größenordnung stehen hier nicht mehr zu Verfügung." 10 000 bis 20 000 Arbeitsplätze werde die Ansiedlung nach sich ziehen, schätzt Rudolph. "Wir werden alles daran setzen, dass Fürstenwalde davon profitiert."

Erkners Bürgermeister Henryk Pilz war am Mittwochmorgen noch auf der Suche nach gesicherten Informationen. "Ein Tesla-Werk in Grünheide wäre für die Region ein großer Gewinn", sagte er. Was Erkner betrifft, rechnet Pilz mit einer spürbaren Veränderung der Pendlerströme. "Noch mehr Verkehr müsste über den Erkneraner Bahnhof abgewickelt werden", ahnt Pilz. "Damit hätten wir ein Druckmittel gegenüber Landkreis und Land in der Hand, um endlich unseren regionalen ÖPNV voranzubringen."

"Wenn das Werk kommt, wäre das ein Glücksfall", sagt Jochem Freyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder). Es entstünden Industriearbeitsplätze, denen man in Brandenburg seit vielen Jahren nachtrauere. Freyer sieht eine enorme positive Strahlkraft für den ganzen Osten Brandenburgs. "Wir als Agentur würden auch versuchen, Arbeitslose dort zu platzieren."

Freude auch in Beeskow

"So eine Investition strahlt immer aus", sagt Beeskows Bürgermeister Frank Steffen (SPD). Deshalb komme es jetzt für alle Kommunen darauf an, Gewerbeflächen und Wohnungsbaugebiete vorzuhalten. Außerdem müsse der öffentliche Nahverkehr auch auf der Schiene ausgebaut werden. Die Stadt plant die Aufstellung von Elektroladestationen. Am Rathaus steht seit Jahren ein Elektro-Renault als Dienstwagen. Rüdersdorfs Bürgermeisterin Sabine Löser erfuhr Mittwochmittag von den Ansiedlungsplänen. Es seien zwar nur wenige Kilometer bis Grünheide, aber eben eine Kreisgrenze dazwischen, so dass im Vorfeld nichts bekannt geworden sei. Es sei schön, solch einen interessanten Arbeitgeber in die Region zu bekommen. Vermutlich werde zusätzlicher Druck nach Wohnstandorten entstehen. Aber: Von den gut bezahlten Stellen würden durch Steuereinnahmen auch die Kommunen im Umfeld profitieren, in denen sich die Angestellten niederlassen.

Mit Argwohn betrachtet man die neue Konkurrenz offenbar bei einigen Autohäusern. Weder der Mercedes-Händler FGM, in Fürstenwalde und Erkner ansässig, noch der Citroen-Vertragspartner Autoland in Gosen wollten sich zur Tesla-Ansiedlung äußern.

Im Grünheider Hauptausschuss, der heute ab 18.30 Uhr tagt, werde ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums über das Vorhaben informieren, kündigte Christiani an. Aufgrund des erwarteten Andrangs tagt das Gremium im "Heydewirt", Karl-Marx-Straße 9.

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