Wegen der hohen Einschleppungsgefahr der Afrikanischen Schweinepest sollen Jäger verstärkt Wildschweine erlegen. Das Land zahlt dafür eine Abschussprämie. Doch einige Jäger der Uckermark gehen trotzdem leer aus.
Eitel Dähn ist Jäger in der Region bei Gartz. Jedes Jahr versucht er, die hohen Wildschweinbestände im Revier zu kontrollieren. Wegen der Afrikanischen Schweinepest hat auch er noch einmal verstärkt nach Schwarzkitteln Ausschau gehalten. Denn überall in der Uckermark betrachtet man mit größter Sorge die Ausbreitung der Seuche in Nachbarländern. Polen ist nicht weit.
Doch von der erwarteten Abschussprämie für Wildschweine sieht Eitel Dähn nichts. Nach seiner Berechnung müsste er noch 500 Euro aus den Vorjahren bekommen. Der Anreiz war schon vor längerer Zeit geschaffen worden, um Jäger zu motivieren. Es geht um weniger Wildschäden auf Äckern, um den Schutz von Deichen an der Oder und um die gefürchtete Schweinepest. Doch auf dem Konto des Jägers tut sich nichts.
Das liegt an der Bürokratie. Brandenburg zahlt nur eine Abschussprämie für zusätzlich erlegte Wildschweine. Als Grundlage hat man die Zahlen von 2015 und 2016 als Referenzwert genommen. Jedes Stück darüber wird honoriert. Wer aber schon damals gut mit dem Gewehr in seinem Revier unterwegs war und nun kaum noch über den alten Wert kommt, geht jetzt leer aus. „Für solche Jäger wie Herr Dähn ist das sicher schlecht“, bestätigt Harald Wendt von der Jagdbehörde des Landkreises Uckermark. „Es lässt sich ohnehin streiten, ob das der richtige Anreiz ist. Jeder Jäger ist ja sowieso bemüht, soviel Wildschweine wie möglich zu erlegen.“
Das macht aber auch Arbeit. Um einen weiteren Anreiz zu schaffen, wurden daher die Kosten für die Trichinenschau ausgesetzt. Doch nach Ansicht von Harald Wendt wäre eine sogenannte Pürzelprämie eine möglicherweise bessere Lösung. Die wurde in anderen Bundesländern gezahlt. Dabei liefern die Jäger einfach die Schwänze der Schwarzkittel als Nachweis ab.
Tatsächlich sind die Abschusszahlen gestiegen, wie Jagdbehörde und Veterinäramt bestätigen. Doch es reicht scheinbar trotzdem nicht. Deutschlandweit wird von einer starken Vermehrung gesprochen. „Das liegt an den Anbaustrukturen der Landwirtschaft“, erklärt Harald Wendt. Mais und Raps liefern Futter. „Und zusätzlich hatten wir ein wunderbares Mastjahr durch viele Eicheln und Bucheckern.“
Außerdem schütze die bisherige Jagdwissenschaft eben gerade Bachen und Frischlinge. Jäger üben sich in Zurückhaltung, erlegen vorzugsweise junge Schweine. Und dann ist da noch das Verhalten des Menschen: Weggeworfene Essensreste, Müll an Raststätten und Autobahnrändern können Wildschweine anlocken. Fressen sie infiziertes und nicht erkanntes Fleisch zum Beispiel aus Ländern, wo die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist, droht die Ausbreitung der Seuche.
Auch die Vermarktung des zusätzlichen Wildfleisches ist nicht immer einfach. Steigt das Angebot, sinkt der Preis. Der Bauernverband Uckermark hatte daher eine bessere Regionalvermarktung angeregt, um die Jäger zu motivieren.