Akkordeontöne sind am Alt Rosenthaler Bahnhof zu hören. Im Wartehaus sitzt Georg Losch und spielt auf seinem Instrument. Er trägt klobige Gummistiefel, ein blaues Hemd und eine weinrote Filzjacke. Sein Wohnort: Ein Bauwagen in der Alten Gärtnerei. Damit passt der 31-Jährige perfekt ins Bild der alternativen Dorfgemeinschaft. Vor drei Jahren ist er mit seiner Freundin in den Vierlindener Ortsteil gezogen. Seine Mutter habe bereits in Hedwigshof gewohnt. "Und weil es gut ist, in der Nähe seiner Mutter, aber nicht zu nah bei ihr zu wohnen, bin ich nach Alt Rosenthal gegangen", sagt er und lacht.Viele kennen sein Gesicht vom gefragten Folklore-Chor Kariolle, wo er auch zu den Instrumenten greift.
Georg Losch ist Vollblutmusiker. Das Akkordeon war sein erstes Instrument. "Nach der Wende waren die Musikschulen hoffnungslos überlaufen", erklärt der in Frankfurt aufgewachsene Mann. Damals hätte er noch Geige und Flöte zur Auswahl gehabt. Der Klavierkurs war bereits voll. Heute spielt er trotzdem Klavier, vertieft sich in Sonaten. Neben den Tasteninstrumenten spielt er Bass in einer Metalband und Gitarre. In der Berliner Jazz-Band "Fritz-Hackebeil-Combo" hat er die Posaune geblasen, sich außerdem am Bariton-Horn und an der Tuba ausprobiert.
Nur Streichinstrumente würden ihm nicht liegen, sagt er. In verschiedenen Bandprojekten ist Georg Losch weiterhin aktiv, verdient seine Brötchen aber auch mit schottischem Storytelling und Theater.
Jedes Jahr spielt der Alt Rosenthaler an der Urania in Berlin den Bösewicht im Kindermusical "Im Reich des King Aresias", trägt dort eine weiße Mähne und einen langen asiatischen Schnurrbart. Lange hat er in Berlin gelebt und dort mit dem Alt Rosenthaler Tim Henrik Schneider sein eigenes Theater in Neukölln betrieben.
Das kommt nicht von ungefähr. Georg Losch ist gewissermaßen auf der Bühne groß geworden. Sein Vater war Bühnenmeister am Kleist Theater in Frankfurt. Dort verbrachte der Junge viel Zeit, spielte auf kleiner und großer Bühne.
In Berlin hatte er sich später an Schauspiel- und Regieschulen beworben und auch in dieser Richtung zu studieren begonnen. Doch mit den Zwängen, die der Theaterbetrieb oder der Beruf des Schauspielers mit sich bringen, wollte er nichts zu tun haben. "Berufung macht Sinn. Beruf nicht", sagt er. Einfach einen Job machen könne er nicht.
Die Philosophie spiegelte sich auch im eigenen Theater wieder, in dem heute Eigentumswohnungen und ein Kindergarten beheimatet sind. Wer dort auf der Bühne stand, sollte auch beim Kartenabreißen und Bierausschenken in Kontakt mit dem Besucher kommen - ein allumfassendes Konzept.
In die Hauptstadt fährt Georg Losch trotz direkter Anbindung von Alt Rosenthal aus nur noch selten. Ihn zieht es eher nach Osten. In den vergangenen Jahren war er oft in Russland und in Georgien, um das Leben der Menschen und ihre Musik kennenzulernen.
Die nimmt er auf seinen Reisen auch auf, sagt er. Unterwegs ist er dann per Anhalter und mit dem Zug, was gerade in Russland sehr interessant sei. Im Kaukasus, den er bald wieder bereisen will, eigne sich am besten das Pferd.