Jesus am Kreuz. Das Motiv dürfte eher ungewöhnlich für Graffiti sein. Genau darum haben es Jugendliche im evangelischen Kirchenkreis Uckermark aufgenommen. Sie malen das A4-Blatt-große Motiv in den Schnee, an Bäume, an Fassaden, auf Elektro-Kästen. Überall wo es auffällt. Sie wollen keinen Ärger und keine Anzeige haben. Daher nutzen sie eine Sprühkreide, die bei Regen sofort verschwindet und keine Spuren hinterlässt.
"Wir wollen die Leute aufmerksam machen", sagt Nadine aus Schwedt. "Und es macht die Stadt schöner." Sie gehört zu einem Vorbereitungskreis für den Jugendkreuzweg, der alljährlich in der Uckermark stattfindet und immer mehr junge Menschen aus den Kirchen vereint. Diesmal findet er Karfreitag in Potzlow statt. Seit zehn Jahren wandert ein Holzkreuz von Ort zu Ort mit. Genau dazu passt nun die Jesus-Art, wie die deutschlandweite Aktion zum ökumenischen Jugendkreuzweg bezeichnet wird. Die dabei benutzten Schablonen sind überall gleich, was den Wiedererkennungseffekt steigert. So prophetisch wie "echte" Straßenkunst soll auch die Botschaft sein.
"Wir sprechen damit auf moderne Weise viele Jugendliche an", erzählt Caroline Prott aus Schwedt. "Wir können uns vorstellen, dass der eine oder andere wach wird, über das Thema Kreuzigung nachdenkt und seinen Horizont erweitert." Neben der Sprayer-Aktion bereiten die Jugendlichen im Kirchenkreis Uckermark Fürbitten vor, beschäftigen sich inhaltlich mit dem Kreuzweg. Sogar eine Band hat sich gebildet. Jedes Graffiti wird fotografiert, das schönste soll ausgewählt werden.
"Wir nehmen deutlichen Bezug auf die aktuellen Probleme. Der Leidensweg Jesus wird somit in die heutige Zeit transferiert", erklärt Solveig Herrmann. Sie ist für anderthalb Jahre Kreisjugendwart im evangelischen Kirchenkreis und macht eine Schwangerschaftsvertretung. Bisher hat sie in der Schwedter Kita Kinderarche gearbeitet. Jetzt kümmert sie sich um ältere Kinder beziehungsweise um die jungen Christen. "Die inhaltliche Arbeit in Vorbereitung auf den Jugendkreuzweg ist dabei wichtig. Es geht also hier nicht um Fun." Die Kirchen stellen zentral ausreichend Material zur Verfügung. Es ist im Internet erhältlich, auch als Filmclips oder Apps. Daraus können die einzelnen Gruppen gemeinsam mit ihren Pfarrern beziehungsweise Jugendpfarrern Texte vorbereiten, Musik entnehmen oder verschiedene Gebete vorbereiten.
Am Karfreitag kommen dann alle Jugendlichen in Potzlow zusammen. Im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung mit insgesamt 125 Teilnehmern in der Katholischen Kirche in Angermünde statt.
Informationen im Internet: sterneundmon.de sowie jugendkreuzweg-online.de