Nach 122 Minuten und Bergen von Leichen zeigt ein deutlicher Cliffhanger, dass der Kas noch nicht gegessen ist. Wick, nun vogelfrei, wird wohl zu einem ultimativen Showdown antreten müssen. Da fragt sich der actioninteressierte Zuschauer - und nur der übersteht Kapitel 2 - was nun noch kommen soll. Nein, die Story ist weniger dünn als im Genre üblich. Und sie zeigt sehr deutlich die moralische Verlogenheit jener, die in einer nach strengen Regeln organisierten Kaste berufsmäßig anderen nach dem Leben trachten. Von der Idee her ist der neue John Wick fast schon ein Schaustück zum mitdenken. Wenn nur die Zeit dazu wäre. Denn Keanu Reeves muss Schwerstarbeit leisten, die anderen bösen Buben und deren Helfershelfer um die Ecke zu bringen. Der Bodycount ist irrwitzig und lässt kaum noch eine Steigerung zu, was eher gegen eine Fortsetzung spricht. Es wird geschossen mit allen Kalibern, geschlitzt, getreten - kurzum, der Umgang miteinander ist vor allem bleihaltig und lebensgefährlich. Es gibt nur kurze Augenblicke der Erholung, bis an der nächsten Ecke ein Killer lauert. Die Shootouts und Kämpfe sind durchweg gut choreografiert und in Szene gesetzt, wenngleich man Reeves mittlerweile nicht mehr so viel Kondition und Fitness zutraut. Aber es ist wie so oft im Leben, bei zwei Stunden stellen sich irgendwann Gewöhnungs- um nicht zu sagen, Ermüdungserscheinungen ein. Weniger wäre auch hier vielleicht mehr gewesen.
Genre: Action; FSK: 18 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: Concorde HE; Regie: Chad Stahelski; Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Ian McShane; USA 2017