Auf dem Lehrertisch steht eine kleine Holzpuppe mit lachendem Papiergesicht. Am Bauch klebt ein Zettel. "Für Gosia" steht da. Die Puppe ist ein Geschenk von Schülern für ihre Direktorin. "Gosia" ist der polnische Kosename für Malgorzata, zu Deutsch Margarete. "Die Kinder basteln gern und machen mir immer Geschenke - Zeichnungen, kleine Puppen und so", erzählt Malgorzata Markiewicz. "Ich behalte alles, sonst sind die Kinder sauer."
Dass sie als Schulleiterin beim Vornamen gerufen wird, stört sie nicht. "Das schadet meiner Autorität nicht. Es hat sich eben so entwickelt." 2011 hat sie in Tantow als Lehrerin angefangen. Damals war es an der kleinen Grundschule üblich, dass die Lehrer mit Vornamen angesprochen werden durften. Dass sie jetzt diese Schule leitet, sei ja kein Grund, sofort mit dem Gosia aufzuhören.
In Polen war Malgorzata Markiewicz Englischlehrerin. Mathe, Kunst, Musik, Sachkunde - bis zur 3. Klasse müssen polnische Grundschullehrer das alles unterrichten können. Malgorzata Markiewicz hat diesen Abschluss, aber außerdem noch Kindergartenpädagogik studiert. In Tantow hat sie erst mit ein paar Unterrichtsstunden begonnen. Seit 2013 unterrichtet sie dort voll.
Die Frau mit der Lockenpracht gehört zu den jungen Polen, die sich in den deutschen Dörfern nahe Stettin ein neues Zuhause aufbauen. Die Polen arbeiten weiter in Stettin oder, wie Malgorzata, eben in Deutschland.
"Für ein Jahr war ich auch Lehrerin in Gartz, habe aber weiter in Tantow unterrichtet. Dann kam ein Angebot aus Tantow und ich habe gesehen, dass ich dort sehr gebraucht werde", erzählt sie. Ihre Entscheidung für den Schulleiterposten hat sie nicht bereut. Seit Sommer 2016 arbeitet sie als Direktorin und sagt: "Ich gebe mir Mühe, bin sehr motiviert, aufgeregt und gespannt auf das immer Neue." In diesem Monat beginnt sie eine Weiterbildung für Schulleiter in Berlin. Sie dauert anderthalb Jahre.
Oft schallt ihr lautes Lachen über den Schulflur. Da wissen Schüler und Lehrer gleich, wo die Direktorin ist. Das Temperament und die lockige Haarpracht sind das Markenzeichen von Malgorzata Markiewicz. "Die Locken sind Natur", versichert Gosia. "Einmal habe ich mir die Haare beim Friseur glätten lassen. Da hat mich meine eigene Schwester nicht erkannt."
Ihr Herz gehört dieser kleinen Dorfschule, die 2007 als Neugründung mit einer Handvoll Erstklässler angefangen hat. Inzwischen werden dort mehr als 50 Mädchen und Jungen unterrichtet, viele haben polnische Eltern, die ins Amt Gartz gezogen sind. "Im Unterricht wird nur Deutsch gesprochen, darauf achte ich", sagt die Schulleiterin. "Wir haben inzwischen deutsche Kinder, die so gut polnisch sprechen, dass sie mit ihren polnischen Klassenkameraden das Fach Polnisch als Muttersprache erlernen."
In Tantow ist sowieso einiges anders. Die Erstklässler haben schon zwei Stunden Englisch pro Woche, es gibt Polnischunterricht als Fremdsprache und in den Pausen und am Nachmittag in der Freizeit spielen und unterhalten sich die Kinder in sämtlichen Sprachen, die ihnen nahe sind.
Zum Sommer liegen zehn Anmeldungen für die neue 1. Klasse vor. "Das ist eine gute Basis für so eine kleine Schule. Wir wollen auch klein bleiben, sonst schaffen wir unsere Ziele nicht - Inklusion und individuelle Förderung. Selbstverständlich arbeiten wir nach dem brandenburgischen Lehrplan", sagt Malgorzata Markiewicz. Sie freut sich, wenn ehemalige Schüler, die jetzt an Gymnasien in Schwedt und Angermünde lernen, manchmal die Schule besuchen und schon von Weitem "Hallo Gosia" rufen.