Eine selbsternannte Gruppe "BB-Patrioten" hatte unter dem Motto "Prenzlau wehrt sich gegen Asylheime" auf dem Marktberg zu einer Kundgebung eingeladen. Die Partei Alternative für Deutschland gab sich erst am Tag der Kundgebung in einer Zeitungsanzeige als Einlader zu erkennen.
Dagegen hatte ein Bürgerbündnis Couragiertes Prenzlau unter dem Motto "Buntes Prenzlau - kein Platz für Fremdenhass" aufgerufen, für ein Willkommen der Flüchtlinge und gegen Nazis zu demonstrieren. Sie entrollten an der Kirche ein großes "Refugees welcome"-Plakat. Dem Aufruf des Bürgerbündnisses folgten zirka 250 Teilnehmer, die sich ab 17 Uhr vor der Marienkirche aufstellten.
150 Meter davon entfernt versammelten sich gegen 19 Uhr zwischen 400 und 500 Teilnehmer zur Kundgebung der AfD. Mitglieder der Jungen Alternative Brandenburgs und Berlins forderten unter Beifall dazu auf, die Asylanten zurückzuschicken, die Grenzen Deutschlands zu schließen und die Regierung von Angela Merkel aus dem Amt zu jagen. Mehrfach riefen Stimmchöre "Wir sind das Volk", "Volksverräter" und "Merkel muss weg". Teilnehmer hatten Reichsflaggen dabei, Plakate und Transparente gegen Einwanderung und Überfremdung.
Nach einer Dreiviertelstunde näherte sich eine kleine Gruppe von Teilnehmern der Bündnis-Demo der AfD-Kundgebung und störte sie mit Rufen "Nazis raus".Auf der anderen Seite der Bundesstraße 109 bauten sich Teilnehmer der AfD-Kundgebung mit Fahnen und Rufen auf. In der brenzligen Situation blieb es jedoch bei Wortgefechten. Die Beamten hielten beide Lager voneinander getrennt, sperrten kurzzeitig sogar die Straße. Anti-Konflikt-Beamte entspannten die Situation, in dem sie die Teilnehmer dazu bewegen konnten, sich wieder voneinander weg zu bewegen.
Dennoch gab es Zwischenfälle. Ein Teilnehmer der AfD-Demo zeigte den Hitlergruß, bei ihm wurde später ein Messer gefunden. Zwei weitere Demonstranten führten jeweils Einhandmesser mit, bei der Kontrolle von Anreisenden fand die Polizei außerdem einen Schlagstock und ein Messer in einem Fahrzeug. Die Polizei beschlagnahmte die Waffen und nahm gegen alle vier Strafanzeigen auf.
Die AfD-Demo wurde kurz nach 20 Uhr beendet. Zwei Stunden später kam es vor einem Einkaufsmarkt in der Nähe des Marktes zu einer Körperverletzung, bei der eine Person mit dem Fuß gegen den Kopf getreten wurde. Das Opfer, ein Teilnehmer der AfD-Kundgebung, wurde am Ohr leicht verletzt. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige vorläufig fest.